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Welcher Sport passt zu meinem Kind? Rudern: Auspowern für den ganzen Körper auf dem Wasser
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14:28 14.05.2019
Wackeliges Boot, wackelige Knie - unser Autor kämpft beim Sportarten-Test mit dem Gleichgewicht. Quelle: André Kempner

Es gibt ja einige Vorurteile über das Rudern: Das kann ja jeder. Oder auch: Stundenlang Rückwärtsfahren, wie langweilig! Die meisten hatten schon mal in ihrem Leben die sogenannten Skulls in ihren Händen, alles kein großes Ding. Oder?

Um dem auf den Grund zu gehen, habe ich mich auf den Weg nach Burghausen gemacht, um mir von wirklichen Experten eine Sportart näherbringen zu lassen, die einem in Leipzig auf etlichen Wasserwegen begegnet.

Regionaltrainer André Eidam nimmt mich heute unter seine Fittiche und bereits zu Beginn wird mir klar: Ups, das wird etwas komplizierter als gedacht. Eidam, gleichzeitig Leiter des Talentestützpunkts SC DHfK, bremst meinen Drang, sofort ins Boot zu hopsen mit Begriffen wie Bootskunde, Regelkunde und „öffentliche Wasserwege“. Denn bevor ein Ruderer später an Wettkämpfen teilnehmen darf, müssen erst die Grundlagen erlernt und Prüfungen abgelegt werden. Für mich bedeutet das: Ich muss an die Leine.   

Das ganze Gig zittert unter mir

Gemeinsam tragen wir ein sogenanntes Gig-Lernboot zum Wasser. Das Teil ist ganz schön schwer. „Gigs sind für den Breitensport gemacht“, erklärt mir mein Coach. „Das heißt: Ein Gig ist breiter als ein Wettkampf-Boot und kann dadurch eigentlich nicht umkippen.“ Gut für mich. „Dafür ist es auch deutlich schwerer.“ Nicht so gut.

Rudern ist eine Ganzkörpersportart. Im Vordergrund stehen hier Kraft, Ausdauer und natürlich ein ausgeprägtes Gefühl für Gleichgewicht. Unser Autor hat das Rudern getestet.

Schritt für Schritt weist mich Eidam nun ein, wie ich ins Boot einsteige (vorsichtig), wie ich die 2,90 Meter langen Skulls greife (mit Daumen ans Ruderende) und das Gleichgewicht halte (mit meiner Tiefenmuskulatur).

Als ich das erste Mal frei treibe, schießt mein Puls in ungeahnte Höhen. Das ganze Gig zittert und wackelt unter mir wie das Seil unter einem Seiltänzer. Wie sehr ich auch versuche, das Boot über Körperspannung zu stabilisieren – es klappt nicht.

„Jetzt leg’ die Skulls flach aufs Wasser“, ruft mir Eidam zu. Aaaah, das ist der Trick. Jetzt liege ich ruhig auf dem Kanal und mach ein paar Züge. Von wegen: Kann jeder. Mir jedenfalls ist das Ganze nicht so recht geheuer. Ich gehe wieder an Land und widme mich der Theorie.

Auspowern am ganzen Körper

„Rudern ist eine Ganzkörpersportart“, sagt Regionaltrainer Eidam und verweist auf die gesunde Belastung aller Körperpartien. Von Schulter, Nacken und Armen über Bauch und dem gesamten Stützapparat bis hinunter zu den Beinen stehen beim Rudern alle Muskelgruppen unter Belastung.

„Das ist ideal für Kinder mit einem Hang zum Adipösen (Dickleibigkeit, Anm. d. Red.). Rudern ist gesundheitspräventiv“, betont er.

Deswegen steht auch im Training der Kindersport-Gruppe bis neun Jahre der athletische Aspekt im Vordergrund. Laufen, Spiel-Sportarten und Kraft- sowie Körperspannungsübungen gehören bei jeder Einheit dazu.

„Ich mache sie erstmal platt“, meint Nachwuchstrainer Sascha Lassek lachend, während die Kinder um ihn herum hopsen. „Ich bin ein Flummi“, ruft Nele (9) und erklärt mir, dass „wenn ich zu viel Power habe, dann kann ich mich hier austoben“.

Wie genau man seine Energie loswerden kann, zeigen mir die Kids dann am Ruder-Ergometer. Fürs Foto erst noch kurz angefeuert, zeigen die Ältesten im 333-Meter-Rennen gegen mich, wie sauber ihre Technik bereits ist. Zwar gewinne ich – eine Ausnahme bei meinen Selbstversuchen – am Ende das Kräftemessen, doch das  liegt ledig lich an meiner Größe und der damit verbundenen besseren Hebelwirkung. Aber im Gegensatz zu den Kindern könnte ich keinen Meter weiter fahren.

In die schmalen Rennboote gehen die Jüngsten übrigens erstmal nicht, sie gewöhnen sich anfangs mit dem Canadier ans Wasser. 

Was mir schnell auffällt: Rudern unterscheidet sich deutlich von anderen Sportarten, bei denen die Kinder und Jugendlichen zu Trainingsbeginn aufkreuzen und zum Ende wieder nach Hause gehen. Denn die Sportgeräte der Ruderer benötigen deutlich mehr Aufwand.

Pflegeaufwand wie beim Reiten

Ein typischer Trainingstag besteht aus einer Einweisung, der Vorbereitung des Bootsmaterials, Erwärmung mit Laufen und Gymnastik, dann gehen die Ruderer zu Wasser, anschließend müssen die Boote geputzt und verstaut werden. Dann folgt eine Auswertung.

Infos & Kontakt:

SC DHfK Leipzig e.V.
Abteilung Rudern
Am Sportforum 10, 04105 Leipzig

Telefon: 0341 982110

rudern@scdhfk.de

http://rudern.scdhfk.de/

Bootshaus Burghausen:
Richard­-Leisebein­-Str. 22, 04178 Leipzig­ Burghausen
Telefon: 0341 4419143

Vereine in und um Leipzig:

Ruderclub Eilenburg
Stadtpark 2, 04838 Eilenburg
www.ruderclub-­eilenburg.de

Grimmaer Ruderverein
An der Großmühle, 04668 Grimma
www.muldeschrei.de

Akademischer Ruderverein zu Leipzig
Am Elsterwehr 1, 04109 Leipzig
www.arvl.de

Ruderverein Triton 1893 Leipzig
Antonienstraße 1, 04229 Leipzig
www.rv-­triton.de

Torgauer Ruderverein
Pestalozziweg 15, 04860 Torgau
www.torgauer-­ruderverein.de

Wurzener Rudervereinigung Schwarz-Gelb
Am Steinbruch 15, 04828 Schmölen
www.wurzener-­rudervereinigung.de

„Bei einer Zehn-Kilometer-Einheit bewegen sich die Rollsitze etwa 2400 Mal vor und zurück“, so Eidam. Der Abrieb bleibe als feiner Staub im Boot und müsse genauso wie der Pollenfilm vom Boot gesäubert werden. Fast wie die Pflege eines Pferdes beim Reiten also.

„Nur dass unser Pferd schwimmt, also ein Seepferd“, meint er lachend. „Diese gemeinsame Arbeit, das Teamgefühl, wenn man als Mannschaft im Rhythmus arbeiten muss und die viele Zeit draußen in der Natur machen Rudern zu einer einzigartigen Sportart.“ 

Ein Vorurteil lässt sich jedoch nicht aus der Welt schaffen: Einige junge Ruderer stecken mir unter der Hand, dass die ewig gleichen Bewegungen durchaus langweilig sein können. Doch das sei eben nur ein Aspekt ihrer Sportart.

Ich jedenfalls werde die zahlreichen Ruderer auf Leipzigs Gewässern ab jetzt mit ganz anderen Augen sehen.

Von Thomas Bothe

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