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Aktuelles Drei Leipziger berichten vom Quereinstieg in die Altenpflege
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22:04 31.05.2019
Pflegekräfte werden dringend gesucht. Quelle: Fotolia.com / Robert Kneschke
Leipzig

Die Sachlage ist bekannt: Pflegekräfte werden dringend gesucht. Ein Weg sind die Quereinsteiger, Menschen mit einem Beruf, die sich umorientieren in Richtung Altenpflege. Negativschlagzeilen von überlastetem Pflegepersonal in unterbesetzten Teams, die einen Knochenjob machen, der noch dazu schlecht bezahlt ist, lassen den Einstieg in den Pflegeberuf nicht gerade attraktiv erscheinen. Wie sieht die Situation tatsächlich aus? Drei Leipziger, die sich für den Quereinstieg in die Altenpflege entschieden haben, erzählen von ihren Beweggründen und ihrem Arbeitsalltag. Fakt ist: Das Qualifizierungssystem in der Altenpflege ist vielschichtig. Wer Ambitionen hat, kann sich fortlaufend weiterbilden und Karriere machen.

Pflegehelfer oder Fachkraft

Manuela Brand arbeitet seit einem knappen halben Jahr bei der Volkssolidarität in der mobilen Altenpflege. Sie ist gelernte Verkäuferin, hat lange in dem Beruf gearbeitet. „Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, mal in die Pflege zu gehen“, gibt sie zu. Vor zwei Jahren hat sie die Ausbildung zur Pflegehelferin gemacht. Diese Fortbildung für Quereinsteiger dauert nur eine Woche. Man lernt Kompressionsstrümpfe anlegen, Insulinwerte messen, Medikamente geben.

Ihr Kollege René Paul hat sich für die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft entschieden. Der 23-Jährige hatte im Ruhrgebiet das Abitur mit einer Berufsausbildung zum Erzieher gemacht. Als er nach Leipzig zog, wurde sein Abschluss hier nicht anerkannt. „Ich sagte mir: neuer Start, neues Glück! Und begann die Altenpflegeausbildung. Außerdem finde ich, es nimmt sich nicht viel zwischen Kindererzieher und Altenpfleger. Die Betreuung von kleinen Kindern und alten, pflegebedürftigen Menschen ist ähnlich.“ Aktuell steht René Paul kurz vor der Abschlussprüfung.

Pflegehelferin Manuela Brand und Altenpfleger René Paul haben den Quereinstieg in die Pflege gewagt. Quelle: Katrin Similien

Verantwortung pur

Der Arbeitsalltag der ambulanten Pflegehelferin Brand und des stationären Altenpflegers Paul unterscheidet sich in seinen Inhalten. Manuela Brand fährt in ihrem Dienst von Klient zu Klient. „Mir gefällt die Abwechslung dabei“, sagt sie. Für viele ihrer Klienten sei sie der einzige soziale Kontakt mit der Außenwelt, die einzige Person, mit der sie sprechen. Dabei hätten gerade alte Menschen viel zu erzählen – aus ihrem Leben, von ihren Erfahrungen. Manuela Brand weiß das zu würdigen und nimmt sich Zeit für einen Plausch. Außerdem leistet sie auch Alltagshilfe, wenn es nötig ist, obwohl das nicht zu ihrem Pflegeeinsatz gehört.

Wer in der mobilen Altenpflege arbeiten will, sollte aus ihrer Sicht aufgeschlossen und feinfühlig sein. „Man darf keine Scheu haben, auf die Klienten zuzugehen. Und man sollte spüren, wenn es demjenigen nicht gut geht, auch wenn er anderes behauptet.“ Pflege ist eben ein verantwortungsvoller Beruf.

Ein starkes Team ist wichtig

Altenpfleger René Paul ist in der stationären Pflege mit den „klassischen“ Aufgaben Waschen, Windeln, Füttern beschäftigt. Nebenbei muss er aber auch zeitintensive Dokumentationen erstellen. Er empfindet seinen Beruf im Gegensatz zum weit verbreiteten Klischee weniger körperlich anstrengend, sondern eher psychisch: „Bei alten Menschen nehmen Krankheiten wie Demenz, Schizophrenie und Depression zu. Das ist für uns Mitarbeiter gar nicht so einfach wegzustecken.“ Der gute Zusammenhalt im Kollegium sei da eine Stütze. Sie würden einander zuhören und sich gegenseitig aufbauen, wenn emotional schwere Situationen im Job vorkommen.

Angekommen: Ricardo Süßer findet nach mehreren Berufswechseln in der Pflege seine Erfüllung. Quelle: Katrin Similien

Förderung möglich

Ricardo Süßer lernte zunächst Stahlbaumonteur Ende der Achtzigerjahre in der DDR. Später sattelte er um auf Masseur und war viele Jahre in der Wellness- Branche selbstständig tätig. Er besaß mehrere Standorte in diversen Hotels. Anfang 2013, als Streitereien mit einem Standortdirektor nicht enden wollten, musste er notgedrungen sein Geschäft aufgeben. Er jobbte ein halbes Jahr als Autoverkäufer, dann zwei Jahre in seinem ursprünglich erlernten Beruf als Stahlbaumonteur, bis er durch ein Informations-Praktikum den Entschluss fasste, in die Altenpflege zu wechseln. Er entschied sich für die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegefachkraft bei der Diakonie und erhielt nach monatelangem Kampf auch die Unterstützung des Arbeitsamtes in Form eines Bildungsgutscheins.

Vielfältige Karrierewege

Kollege und stellvertretender Heimleiter Danilo Fuhrmann, selbst mit mehreren Abschlüssen in der Pflege, gibt ein überraschend vielfältiges Bild der Karrierewege in der Altenpflege: „Es gibt verschiedene Fortbildungen und Studiengänge, zum Beispiel das Dualstudium Pflege, das die Abschlüsse Pflegefachkraft und Pflegedienstleiter beinhaltet. Außerdem gibt es Spezialisierungen wie Sondenpfleger und Gerontopsychiatrische Fachkraft, um nur einige zu nennen.“

Von Katrin Similien

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