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06:10 08.06.2019
Stan Peter ist Auszubildender bei der Firma Bau- und Haustechnik Bad Düben und absolviert das Kooperative Studium. Quelle: Stefan Michaelis
Leipzig

Während in Berlin noch über Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel diskutiert wird, haben Leipzig und Sachsen das Thema längst angepackt. Allein das Beispiel der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig zeigt, wie Praxisdenken und die Vernetzung von Akteuren funktionieren. Das Kooperative und Duale Studium sind zu regelrechten Nachwuchsschmieden geworden.

Während sich das Duale Studium als Mix aus Vorlesungs-Theorie und Praxis in Firmen bereits etabliert hat, ist die HTWK-Spezialität des Kooperativen Studiums auf dem Weg dahin. Dabei schließen Studenten mit einem Unternehmen einen Ausbildungsvertrag und kombinieren ihn mit dem Studium. „Die Idee des Kooperativen Studiums ist bedarfsorientiert entstanden“, sagt Prof. Dr. Lutz Engisch, Prorektor Bildung an der HTWK und zuständig für die strategische Weiterentwicklung der Lehrangebote. „Wir sehen in vielen Facetten und Aspekten den Nachwuchsmangel für die Industrie und den öffentlichen Sektor. Selbst wir als Hochschule erfahren, wie schwer es ist, gute Leute zu finden und sie zu halten.“

Prorektor Bildung an der HTWK, Lutz Engisch.  Quelle: Kirsten Nijhof

Michel Anger, Bereichsleiter Berufsorientierung beim Berufsförderungswerk (BFW) Bau Sachsen, beschreibt das Verfahren aus seinem Bereich so: „Ich studiere an der HTWK normal den Bachelor-Studiengang und mache parallel dazu eine Facharbeiterausbildung, zum Beispiel zum Stahlbetonbauer, Straßenbauer oder Maurer. In dem Studium sind zwei Praxissemester enthalten.“ Das habe den Vorteil, dass die Studenten bereits auf der Baustelle mitlaufen und im Gewerk arbeiten.

Michael Anger, Bereichsleiter Berufsorientierung beim Berufsförderungswerk (BFW) Bau Sachsen. Quelle: Stefan Michaelis

Der Leipziger Stan Peter geht aktuell diesen Weg, ist bei der Firma Bau- und Haustechnik Bad Düben Auszubildender und absolviert das Kooperative Studium mit der Fachrichtung Bauingenieurswesen an der HTWK. „Man bekommt ein vielschichtiges Wissen in Theorie und Praxis, ist so viel variabler“, ist er von dem Studium begeistert. Die Idee sei auch gut für das Standing: „Ist normalerweise schon komisch, wenn ein 20-jähriger jemandem, der schon 40 Jahre in der Firma ist, sagt: ,Hey, mach das mal anders‘!“ Durch das Kooperative Studium aber lerne man alle Seiten der Ausbildung kennen: Studium, Baustelle und Büro. Daher durfte Stan Peter bereits die Bauleiterfunktion in einer Vertretungswoche übernehmen.

„Die Nachfrage nach jungen Fachkräften ist sehr hoch bei uns“, berichtet Professor Lutz Engisch. Das liege auch an der engen Verzahnung der HTWK mit der Wirtschaft. Sie werde vor allem über die Kontakte der Lehrenden mit ihren Industriebereichen gesteuert. „Wir schreiben sehr viele Abschlussarbeiten in enger Kooperation mit der Industrie“, sagt der Prorektor. Außerdem nehme der Bedarf bei privaten, außeruniversitären Forschungsprojekten zu.

So entwickelt sich fast schon eine Art Fachkräfte-Biotop, das HTWK und Firmen ständig pflegen. Die Industrie beteilige sich an Wirtschaftsstipendien und fördere gute Studierende, sagt Professor Lutz Engisch. Man biete unterschiedliche Formate an, um mit Studierenden in Kontakt zu kommen. Es gebe zahlreiche Kooperationsprojekte, „und wir bekommen viele Themen und Fragestellungen von Unternehmen, um daraus gemeinsame Bachelorarbeiten zu formulieren.“ Auf diese Weise haben Studenten eine breite Palette an Firmen zu Auswahl, um ihren Praxisanteil anzupacken – und die Industrie lernt schneller und gezielter ihren Fachkräfte-Nachwuchs kennen.

Stan Peter hatte nach dem Abitur den Wunsch, später sein eigenes Haus bauen zu können. Doch er hatte keine Lust, sofort zu studieren. „Mir hat die Praxis gefehlt. Darum ist das Kooperative Studium das perfekte Mittelding.“ Schon war die Brücke zur Fachkräfte-Nachfrage bei dem Bauunternehmen gebaut, mit dem er seinen Ausbildungsvertrag schloss. Stan Peter: „Im Bewerbungsgespräch kam bereits die Frage, ob ich das Interesse hätte, dann auch weiter in der Firma zu bleiben.“

Professor Lutz Engisch bestätigt: „Wir haben beim Mittelstand und im Handwerk eine starke Nachfrage.“ Nach seiner Erfahrung sei eine gute Vernetzung von Wirtschaft und Ausbildungseinrichtungen wie der HTWK auch eine echte Standortförderung: „Etwa 75 Prozent der bei uns ausgebildeten Fachkräfte bleiben im Osten, davon etwa 60 Prozent die ersten fünf Jahre in Sachsen.“

Michel Anger nennt denn auch drei gute Argumente dafür, als junger Mensch in Leipzig und Sachsen kooperativ zu studieren und dabei in einem kleinen Betrieb zu arbeiten: „Erstens ist es eine spannende Arbeit mit vielen Einzelaufträgen, bei denen ich sehe, was ich mache. Dann gibt es sehr gute Zukunftschancen, und ich habe gerade bei kleinen mittelständischen Unternehmen super Chancen, schnell in eine Führungsposition aufzusteigen. Und drittens: Ich kenne meine Chefs und Kollegen bereits vor den Praxissemestern.“

Der Digitale Wandel kann kommen!

Leipzig und Sachsen bereiten sich auf den Digitalen Wandel nicht nur durch die Gründung der Fakultät „Digitale Transformation“ vor. Den Fachkräfte- und Ausbildungsaspekt hat die HTWK längst im Kopf. Prorektor Professor Lutz Engisch: „Wir werden immer weniger feste Wissensstücke vermitteln, sondern Prozesse entwickeln.“

Was genau mit Digitalisierung und den Umgang damit gemeint ist, erklärt der Professor an einem markanten Beispiel: das iPhone. „Bis dahin haben alle bei Telefon an Tasten gedacht“ – die wurden plötzlich zum Touchscreen. Neue Prozesse und Wissensmodelle seien gefragt, „es wird nicht nur Abbildungen des Status Quo geben.“

Der Digitale Wandel werde immer mehr dazu verleiten, Fachkräfte bedarfsorientiert auszubilden, auch ältere Arbeitnehmer. Daher entwickle die HTWK auch Weiterbildungs-Studiengänge. Professor Lutz Engisch: „Lebenslanges Lernen wird eine der wichtigsten Domänen der Hochschulen der Zukunft.“ Dazu passt, dass der Freistaat Sachsen, die HTWK Leipzig und die Deutsche Telekom AG eine Fakultät „Digitale Transformation“ an der Hochschule gegründet haben. Der IT-Riese stiftet dafür 17 Professuren und trägt die damit verbundenen Kosten.

„Die Digitalisierung wird gar nicht so sehr von der Technik beeinflusst, sondern von den kulturellen Aspekten. Es geht nicht nur darum, Prozesse zu digitalisieren, sondern eher darum, wie unsere digitale Welt dadurch aussieht.“ Da die HTWK sehr breit aufgestellt sei, von den Sozialwissenschaften über die Architektur bis hin zu den Ingenieurtechnischen Studiengängen, seien Leipzig und Sachsen hier gut gerüstet.

Von Stefan Michaelis

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