Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Aktuelles Mit Handicap zur richtigen Ausbildung
Mehr Studium & Beruf Aktuelles Mit Handicap zur richtigen Ausbildung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:44 11.02.2019
Tobias Schmidt ist Vorstandsvorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke. Quelle: Jakob Hoff/BAG BBW
Kiel

Feuerwehrmann, Profi-Fußballer, Astronaut - für kleine Kinder ist die Frage "Was will ich werden?" oft ganz leicht zu beantworten. Wenn es Jahre später tatsächlich an die Berufswahl geht, fällt die Entscheidung schwerer.

Zumal dann auch das "Was kann ich?" in den Fokus rückt. Jugendliche mit Behinderung stehen bei der Berufswahl oft vor einer besonderen Herausforderung.

1. Die richtige Selbsteinschätzung

Die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, hilft bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf. Das kann für Jugendliche mit Handicap zur Schwierigkeit werden, weiß Kevin Huhs, Reha-Berater der Agentur für Arbeit in Kiel. "Eine Behinderung ist für ganz viele Jugendliche ein schlimmes Übel, das sie natürlich am liebsten gar nicht hätten und deswegen kaschieren, verstecken oder davon ablenken", erklärt er. Häufig würden auch Eltern dazu neigen, Behinderungen herunterzuspielen. Die Konsequenz: "Überschätzung, fehlende Einsicht und Ablehnung unserer Förderangebote sind an der Tagesordnung", sagt der Berufsberater.

Huhs empfiehlt, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, die eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren und für Alternativen offen zu bleiben: Oft eignet sich eine bestimmte Ausbildung besser als eine andere, etwa weil der Theorieanteil geringer ist.

2. Die richtige Vorbereitung

Eine gute Berufsorientierung beginnt schon während der Schulzeit. "Dabei können nicht nur das familiäre Umfeld und die Lehrkräfte unterstützen, sondern auch der regional zuständige Integrationsfachdienst oder die Agentur für Arbeit", so Matthias Münning, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe.

Auch Tobias Schmidt von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke empfiehlt eine frühe Vorbereitung. "Es gibt Bundesländer, die haben Berufseinstiegsbegleiter. Die gucken auf den einzelnen Schüler, da ist es erstmal egal, ob er ein Handicap hat oder nicht." Schulen hätten oft ein gutes Netzwerk zu Integrationsfachdiensten, der Agentur für Arbeit oder anderen Experten. Insbesondere das Schulpraktikum kann Aufschluss geben, zu welchen Tätigkeiten der Schüler eine Affinität hat.

3. Der richtige Umgang mit dem Handicap

Manche Behinderungen sind offensichtlich, andere für den Gegenüber kaum zu erkennen. In jedem Fall empfehlen die Experten, offen damit umzugehen. "Vielfach sind Menschen mit Handicap Experten in eigener Sache und können Strategien benennen, wie im Ausbildungsalltag mit dem Handicap umgegangen werden kann", erklärt Dennis Müller vom Integrationsfachdienst Minden.

Kevin Huhs empfiehlt Jugendlichen, bereits im Bewerbungsprozess auf die Behinderung aufmerksam zu machen. Etwa, indem sie ein Zusatzblatt entwickeln, auf dem der Schüler seine Behinderung genauer beschreibt und darstellt, wie sich die Behinderung auf die Arbeit auswirken würde. Häufig spielt das Handicap aber eine unwesentliche Rolle, sind sich Kevin Huhs und Dennis Müller einig.

4. Die richtigen Unterstützungsangebote finden

Die Beratungsangebote rund um die Berufswahl sind zahlreich und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Grundsätzlich stehen die Berufsberater der Agentur für Arbeit, aber auch der Integrationsfachdienst, Berufseinstiegsbegleitungen, Coachingangebote über Landesprogramme sowie Integrations- und Inklusionsämter zur Verfügung. Wichtig ist, dass sich Betriebe und auch der Auszubildende kundig machen.

dpa

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schnell raus aus dem alten Job: In einem solchen Fall kann ein Aufhebungsvertrag Vorteile gegenüber einer Kündigung haben. Aber längst nicht immer ist es der beste Weg. Die wichtigsten Regeln.

11.02.2019

Nach dem Abschluss schnell in den Job - dafür lohnt sich ein duales Studium, wie eine aktuelle Studie zeigt. Worauf bei den Absprachen mit dem Betrieb zu achten ist, und welche Erwartungen Studierende nicht zu hoch setzen dürfen, verrät eine der Autorinnen im Interview.

08.02.2019

Um neues Personal zu finden, kommen Unternehmen den Bewerbern entgegen. Als populärstes Mittel gelten Weiterbildungsangebote. Den zweiten Platz teilen sich gleich zwei Maßnahmen.

07.02.2019