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Aktuelles Öffentlicher Dienst in Sachsen braucht Führungskräfte
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20:18 05.06.2019
Auf der Karriereleiter nach oben: Um die Entwicklung von Fachkräften und Beschäftigten auf der mittleren Führungsebene im öffentlichen Dienst zu stärken, müssen die Behörden handeln. Quelle: Fotolia.com/Jakub Jirsák
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Leipzig

Dem öffentlichen Dienst in Deutschland droht der Personalnotstand: Bis 2030 wird mehr als jeder dritte Beschäftigte in Rente gehen. Schon heute fehlt Personal auf der mittleren Führungsebene, wie eine aktuelle Studie deutlich macht, für welche die Unternehmensberatung McKinsey rund 165 Führungskräfte aus dem öffentlichen Sektor befragte. Dabei sind gerade diese Beschäftigten wichtig: Sie sollen die aus überregionalen Mitteln geförderte Projekte auf Landes- und Kommunalebene umsetzen und Arbeitsabläufe steuern.

Auch dem Freistaat Sachsen droht Personalmangel: Bis zum Jahr 2030 werden rund die Hälfte der Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Bereits in den nächsten Jahren gehen jeweils zwischen 2400 und 3400 in den Ruhestand. Um die Entwicklung von Fachkräften und Beschäftigten auf der mittleren Führungsebene zu stärken, müssen die Behörden handeln. „Der Freistaat Sachsen misst der Personalpolitik eine besondere Bedeutung zu“, sagt Regierungssprecher Ralph Schreiber. Zwar werde der öffentliche Dienst durch Digitalisierung und den verstärkten Abbau unnötiger Bürokratie mit weniger Personal auskommen. Doch Maßnahmenpakete, um benötigte Mitarbeiter zu finden und zu binden, wurden bereits im Doppelhaushalt 2019/2020 beschlossen. Mit der neuen Arbeitgebermarke „Mach was Wichtiges – Arbeiten im Öffentlichen Dienst Sachsen“ werde nach Nachwuchs gesucht.

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Doppelte Beschäftigung für besseren Wissenstransfer

Im Rahmen der Ausbildungsoffensive stellt der Freistaat an den landeseigenen Ausbildungseinrichtungen – dem Ausbildungszentrum in Bobritzsch, der Fachhochschule Meißen, der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschule in Nardt und dem Staatsbetrieb Sachsenforst – 2019 insgesamt 550 Anwärter beziehungsweise Auszubildende neu ein (2018: 221). Nachwuchs, der dauerhaft an den Freistaat gebunden und zu Fach- und Führungskräften entwickelt werden könne. Dies geschehe auch mit Hilfe des „Personalpools Demografie“. Er schaffe vorübergehend doppelte Beschäftigung, um den Wissenstransfer durch künftige Ruheständler zu ermöglichen. Ein geringer Anteil von Führungskräften werde direkt am Arbeitsmarkt gewonnen – verstärkt werden Führungskräfte innerhalb des öffentlichen Dienstes entwickelt und gefördert. Richtig sei, dass es besonders bei hoch qualifizierten Berufsgruppen, etwa Ärzten, IT-Spezialisten oder Ingenieuren, zunehmend schwierig werde, Stellen zu den gegebenen Konditionen adäquat nachzubesetzen.

Leipzig kooperiert mit Hochschulen

Für die Stadt Leipzig werde es wichtiger, ihre Vorzüge aktiv zu kommunizieren, heißt es aus dem Personalamt. Konkrete Maßnahme seien: Talentmanagement, Karrierepfade, Entwicklung von Kompetenzprofilen und der Ausbau flexibler Arbeitszeit- und -ortsmodelle. Darüber hinaus werde regelmäßig ein Führungskräfte-Entwicklungsprogramm durchgeführt. Beim Recruiting setze die Verwaltung neben Printmedien auch auf Online-Jobbörsen, Netzwerke, Social-Media-Plattformen und Personalberatungen. Bewährt habe sich das Mentoring-Programm „Uni findet Stadt“, bei dem die Stadt Leipzig mit der Universität Leipzig und künftig mit der HTWK kooperiert. Neben dem berufsbegleitendem Master- solle auch ein Bachelorstudium gefördert werden. Beim „Creative Bureaucracy Festival“ im September in Berlin werde sich die Stadt Leipzig noch aktiver als Arbeitgeberin für Führungskräfte präsentieren. Allgemein positive Tendenz: Die Sinnhaftigkeit einer Arbeit werde immer wichtiger. „Denn mit einer Tätigkeit in der Stadtverwaltung Leipzig trägt jeder Einzelne zum Gemeinwohl bei.“

Landkreis setzt auf Coaching und Mentoring

„Fachkräfte sind oft potenzielle Führungskräfte, daher legen wir großen Wert auf eine gute Ausbildung in unserem Haus“, sagt die Sprecherin des Landkreises Leipzig Brigitte Laux. „Wir stellen jährlich etwa zehn Auszubildende ein und haben bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. So konnten frühere Azubis über ein Studium für Führungspositionen befähigt werden. In diesem Jahr bieten wir erstmals Studienplätze für den dualen Bachelorstudiengang Allgemeine Verwaltung an. Natürlich nutzen wir auch klassische Stellenangebote. Maßnahmen wie Coaching, Mentoring oder fachliche Fortbildung unterstützen die Führungskräfte. Im Arbeitsalltag sind oft Faktoren wie Motivation, Wertschätzung und Vertrauen für den Führungserfolg und das Behördenklima entscheidend.“

Polizei baut Führungskräfte von Anfang an auf

Auch die Sächsische Polizei gewinnt Führungskräfte aus den eigenen Reihen. Im Fokus stehen dabei Bedienstete, die ein mehrstufiges Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen haben, heißt es aus der Stabsstelle Kommunikation der Polizei Sachsen. Nach einem Master-Studium an der Hochschule der Sächsischen Polizei sowie der Deutschen Hochschule der Polizei werden diese Führungskräfte als Beamte des Polizeivollzugsdienstes eingesetzt.

Von Ingrid Hildebrandt