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Wie werde ich Florist/in?

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05:06 07.09.2020
An Muttertag oder Weihnachten wird es im Blumenladen besonders stressig: Als angehende Floristin weiß Lisa Eva Zienc, was sie dann erwartet. Quelle: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
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Berlin

Es ist ein großer Temperatursturz, von der hochsommerlichen Hitze in den kühlen, etwas dunklen Blumenladen einzutreten. Zwischen Gestecken, Grußkarten und einem plätschernden Brunnen macht Lisa Eva Zienc seit zwei Jahren ihre Ausbildung.

Sie ist eine von etwa 2500 angehenden Floristen und Floristinnen in Deutschland, wobei der Anteil an Männern nicht einmal bei zehn Prozent liegt. Bei "Blumen- und Gartenkunst" in Alt-Moabit (Berlin) pflegt Zienc Pflanzen, bindet Sträuße und hebt auch mal schwere Wasserkanister.

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Ein Strauß muss jeder Blume gerecht werden

Zienc gefällt das praktische Arbeiten - und dass sie ihre Kreativität einbringen kann. "In der Ausbildung habe ich richtig sehen gelernt", erklärt sie und bindet einen ausladenden Strauß ab. "Es geht eigentlich immer darum, jeder Blume in ihrer Farbe, Form und Wuchsrichtung gerecht zu werden."

Also aufmerksam beobachten, ob die Blütenfarbe warm und kalt ist und welches Schnittgrün dazu passt, sodass der fertige Strauß harmonisch abgestimmt ist und sich jede Blüte "zum einen gut in das Ganze einfügt, zum anderen aber auch einen Platz erhält, an dem sie bestmöglich inszeniert wird und wirken kann", erklärt Zienc.

Kreativität zwischen Dreck und Dornen

Floristik ist in erster Linie ein ästhetischer Beruf, bei dem das Handwerk aber nicht zu kurz kommt. Gerade die körperliche Belastung - der Temperaturwechsel zwischen Lagerraum, Büro und Verkaufsraum, das stundenlange Stehen oder auch das Abdornen von Schnittblumen - kann Auszubildende abschrecken. Dreck sollten sie ebenso aushalten können.

Geringe Bezahlung und Stress an Feiertagen

Neben der praktischen Arbeit im Betrieb wird an der Berufsschule Farbenlehre, Raumgestaltung und Pflanzenpflege vermittelt. Bei einer Ausbildungsvergütung, die laut Bundesagentur für Arbeit bei zwischen 500 und gut 600 Euro im ersten Lehrjahr liegt, entscheiden sich Auszubildende in der Regel aus Freude am Beruf und nicht aus finanziellen Erwägungen für die Floristik.

Als Gesellin oder Meisterin verdient eine Floristin dann im Schnitt etwa 1640 Euro brutto im Monat.

An Feiertagen wie Mutter- oder Valentinstag ist besonders viel los. "Weihnachten ist die wildeste Zeit", erzählt Zienc. Gerade, wenn andere feiern, ist für Floristinnen viel zu tun. Und bei einer 10-Stunden-Schicht sind dann auch die Illusionen vom gemütlichen Sträußebinden verschwunden, betont Andreas Thomas Tunger, Ausbilder und Inhaber bei "Blumen- und Gartenkunst".

Die eigene Handschrift beim Sträußebinden

Sträuße und Gestecke binden Floristen und Floristinnen aber nicht nur für Feiertage, sondern für verschiedenste Anlässe. Mal möchte jemand besonders angesagte Blumensträuße, wie er sie zum Beispiel bei Pinterest gesehen hat, mal braucht jemand Rat beim Umtopfen seiner Zimmerpalme. Besonders schön ist es, wenn Kunden direkt nach ihrer Lieblingsfloristin fragen, denn beim Sträußebinden hat jede ihre eigene Handschrift.

Früher zählte der Floristikberuf zum Handwerk, heute zum Einzelhandel. Kaufmännisches Denken ist also gefragt. Nach wie vor gilt allerdings: Aufwendige Blumenarrangements sind eine Kunst und eine gute Beratung der Kundschaft Ehrensache.

Gerade in Zeiten, in denen Hochzeitsfeiern immer opulenter und die Erwartungen an so einen Tag nahezu unrealistisch werden, können besonders gelernte Floristen zeigen, was machbar und was unmöglich ist. Ein guter Florist habe das Spiel von Licht und Farbe verstanden und könne zum Beispiel auch in dunklen Kirchen Blumen zur Geltung bringen, so Tunger.

© dpa-infocom, dpa:200904-99-434479/2

dpa