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Digital Erfolgsgarant Traktor: Warum der Landwirtschafts-Simulator so beliebt ist
Nachrichten Digital Erfolgsgarant Traktor: Warum der Landwirtschafts-Simulator so beliebt ist
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14:08 16.08.2019
Auf der gamescom 2016 in Köln wurde der neue Landwirtschafts-Simulator vorgestellt - und die Fans feiern es ab. Nach 10 Tagen wurde das Spiel bereits eine Millionen Mal gekauft. Quelle: picture alliance / R. Goldmann
Hannover

Laut, bunt, dynamisch und voller Action präsentieren sich die meisten Videospiele. Ein Blick über die Stände einer Videospielmesse wie der Gamescom, mit ihren flackernden Lichtern und dröhnender Musik, scheint das zu bestätigen. Seit einigen Jahren jedoch erfreut sich eine ganz andere Art von digitalen Spielplätzen zunehmender Beliebtheit, vor allem in Deutschland: Berufssimulatoren. Beim „Euro Truck Simulator“ unternehmen Spieler stundenlange Lkw-Touren über Europas Straßen, im „Bus Simulator“ werden sie zum kleinen Zahnrad im virtuellen öffentlichen Nahverkehr. Bei Microsoft haben sie den Trend ebenfalls erkannt: 14 Jahre nach der letzten Version wird 2020 wieder ein „Flight Simulator“ erscheinen.

Ein Nischenprodukt wird zum Bestseller

Am populärsten ist seit Jahren jedoch der „Landwirtschaft Simulator“ (LWS). Dessen letzte Ausgabe erschien im November 2018 und vermeldete bereits nach zehn Tagen eine Million Käufer. In den Amazon-Jahrescharts der meistverkauften Games landete der LWS 19 auf Platz drei. Und den Youtube-Kanal „nordrheintv“, auf dem täglich Spielvideos zum LWS erscheinen, haben fast 250.000 Menschen abonniert. Was einst als Nischenprodukt galt, ist längst zum Bestseller geworden. Fragt sich nur: Warum?

Denn gilt nicht gemeinhin Eskapismus als wichtigste Motivation, wenn sich Spieler in Welten wie die des Fantasy-Epos „Skyrim“ oder historische Schauplätze wie den Wilden Westen in „Red Dead Redemption 2“ flüchten? Warum stattdessen die ruhige, bisweilen öde Arbeit auf virtuellen Feldern, die bestellt, gepflügt, gedüngt und abgeerntet werden wollen? Warum lange Transportwege für Holz, Getreide und Tiere auf sich nehmen, bei denen nichts geschieht?

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Auch für Nicht-Gamer: Gelassen aber anspruchsvoll

Die offensichtlichste Antwort: Entschleunigung. Simulatoren bieten einen Ausgleich zu den Blockbuster-Achterbahnen vom Schlage eines „Call of Duty“, „Fortnite“ oder „Assassins Creed“. Während dort konstante Aufmerksamkeit gefordert ist, die Sinne von allen Seiten bombardiert werden oder es riesige Welten zu erkunden gilt, die mit Aufgaben und Sammelobjekten gespickt sind, kennzeichnet den LWS eine geradezu meditative Gelassen- und Klarheit. Der Spieler kann Entspannung finden, ohne jedoch unterfordert zu werden.

Denn natürlich ist der LWS ein anspruchsvolles Spiel, das je nach persönlicher Präferenz mehr oder weniger fordernd sein kann: Mit viel Geld und vollem Fuhrpark starten oder doch nur mit einem kleinen Kredit als Grundlage für den ersten Hof? Einsteiger haben Chancen, Profis können sich in Details und Zahlenspielen verlieren. So erreicht der LWS auch Nicht-Gamer.

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Kindheitsträume werden wahr

Der erwähnte Eskapismus ist ebenfalls relevant. Die Flucht aus dem Alltag hinein in eine fiktionale Welt ist nicht nur im Fantasy-Genre möglich. Wer acht Stunden täglich im Büro schuftet (laut Angaben des Schweizer Produktionsstudios „Giants“ hat nur jeder vierte LWS-Spieler einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft), kann auf dem digitalen Acker durchaus Ausgleich finden. Und eine selten gewordene Erfahrung nachempfinden: etwas mit eigener Hände Arbeit zu erschaffen. Auch wenn es nur virtuelles Gemüse ist.

Nicht zuletzt erfüllt der LWS auch einen klassischen Kindheitstraum: Traktor zu fahren. Da bieten sich viele Möglichkeiten: Mehr als 300 detailgetreue Landwirtschaftsgeräte sind in der 19er-Version enthalten.

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Wünsche der Community werden erfüllt

Weitere Gründe für den Erfolg des LWS liegen außerhalb des Spiels. Vorbildlich ist beispielsweise die Unterstützung sogenannter „Mods“, von Spielern erschaffene Inhalte, etwa neue Karten und Fahrzeuge. Der LWS zählte zu den ersten Games, die solche Mods auch auf Konsolen ermöglichten. Löblich auch, dass das Entwicklerstudio auf Feedback und Wünsche der Community hört. Während die Fußballsimulation „Fifa“ oft dafür kritisiert wird, die jährlichen Versionen würden kaum Neues bieten, veröffentlicht „Giants“ nur im zweijährigen Rhythmus und hat stets Innovatives im Gepäck.

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So brachte der LWS 19 etwa Baumwolle, Pferde, einen Baumodus und überarbeitete Missionen mit. Im Multiplayer konnte jetzt erstmals gegeneinander „gefarmt“ werden - ein E-Sports-Turnier ist bereits in Planung. Auch die Grafik wurde grundlegend überarbeitet, ist jedoch nach wie vor nicht auf der Höhe der Zeit. Vorteil: Der LWS läuft auch auf weniger aktuellen Computern und erreicht damit eine größere Käuferschaft.

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Reizvolle Spielfehler

Ein letzter Grund für den Erfolg der Bauern-Simulation erscheint auf den ersten Blick kurios, ist im modernen Games-Marketing aber unverzichtbar: Durch Spielfehler entstehen gelegentlich urkomische Situationen, etwa wenn der Traktor beim Überqueren einer Mauer einen Salto schlägt. Der unbewusste oder bewusste Bruch mit der Simulation, der Versuch die physikalischen Spiele-Gesetze auszureizen und Chaos zu stiften, war für Gamer schon immer reizvoll. Solche Szenen eignen sich bestens für Videos und Streams auf Youtube und Twitch - heutzutage unverzichtbare Werbekanäle für Videospiele.

Die Antwort auf die Frage, ob der LWS aber auch zu einer größeren Wertschätzung für Landwirte führt, steht noch aus. Immerhin: Er lässt die Spieler zumindest teilweise in deren Arbeitsalltag eintauchen. Und macht im Gegensatz zur Arbeit auf dem analogen Acker Spaß, ohne annähernd so anstrengend zu sein.

Christian Neffe/RND

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