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Nachrichten Digital So erkennen Profis manipulierte Fotos – und so erkennt sie auch der Laie
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08:22 25.03.2019
Dieses Foto zeigt den Unterschied zwischen dem Original (r) und der Fälschung. Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung
Hannover

Die drei Schüler halten zwei Plakate hoch. Auf einem Bild ist darauf zu lesen: „Schulstreik für das Klima“ und „It’s our Future“. Auf dem anderen Bild dagegen heißt es auf den Plakaten „Strom und Benzin sind nicht teuer genug – Rettet die Eisbeeren“ und „Schafft die Autos ab, geht doch zu Fuss“. Ansonsten sind die beiden Bilder gleich. Doch nur eines ist echt – fotografiert von einem Journalisten auf der „Friday for Future“-Demo in Potsdam. Das andere dagegen wurde manipuliert und unter anderem von der AfD verbreitet.

Auf den ersten Blick ist es oft nicht leicht, ein manipuliertes Bild zu erkennen. Im Fall der streikenden Schüler kann man bei näherem Betrachten sehen, dass die Schriftzüge auf dem einen Bild wohl nicht von Hand, sondern am Computer entstanden sind.

Google-Bildersuche kann helfen

Einen Hinweis kann auch die Google-Bildersuche liefern. Mit der Funktion „Rückwärtssuche“ kann man ein Bild hochladen und sehen, wo das Bild bereits veröffentlicht wurde. So kann man zum Beispiel auch überprüfen, ob ein Bild eigentlich ursprünglich in einem ganz anderen Kontext entstanden ist – und zum Beispiel nicht ein aktuelles, sondern ein zurückliegendes Ereignis zeigt.

Doch mit immer neuen Technologien werden oft auch die Fälschungen besser – in solchen Fällen sind dann Profis gefragt. Jens Kriese ist Bildforensiker, er prüft Bilder auf Authentizität und Manipulationen. Im Interview erklärt er, wie das funktioniert.

Herr Kriese, Sie arbeiten als professioneller Bildforensiker. Hat man denn als Laie heutzutage keine Chance, manipulierte Fotos zu erkennen?

In vielen Fällen nicht. Eine Studie hat gezeigt, dass nur ein Bruchteil der manipulierten Bilder auf Twitter, Facebook und Co durch die Bildforensik erkannt werden. Das liegt unter anderem an der Verkleinerung auf das Webformat. Wenn große Bilder für das Web komprimiert werden, kann man bestimmte „Pinselstriche“ kaschieren.

Aber warum sind wir so schlecht darin, Manipulationen zu erkennen?

Das ist ein Produkt unserer langen Evolution, die darauf aus war, dem visuellen Eindruck zu vertrauen. Wenn unsere Vorfahren einen Angreifer sahen, dann mussten sie die Flucht ergreifen und nicht denken: „Wird schon nicht so schlimm sein.“ Dieses Vertrauen genießen Bilder noch heute.

Wie gehen Profis in solchen Fällen vor?

Sobald ein Bild mit einem Programm bearbeitet wurde, enthält es eine Art unsichtbaren Fingerabdruck. Wenn also jemand ein Bild als originär verkaufen will, aber dessen Fingerabdruck auf ein Bildbearbeitungsprogramm wie Adobe statt auf ein Smartphone oder eine Spiegelreflexkamera hinweist, sollte man skeptisch werden.

Jens Kriese arbeitet als Bildforensiker in Hamburg. Quelle: privat

Welche Technologien kommen dann zum Einsatz?

Das sind mathematische Methoden, wie zum Beispiel statistische Maßnahmen. Nehmen Sie folgendes Beispiel: Wenn Sie mit Ihrem Smartphone zweimal die gleiche Szenerie fotografieren – einmal bei Sonnenschein, einmal bei Nacht, werden Sie bemerken, dass die Nachtaufnahme krisseliger ist, sie rauscht mehr. Ein unterschiedliches Rauschverhalten sieht man aber nicht nur im Vergleich von Tag- und Nachtaufnahmen, sondern das ist zum Beispiel auch spezifisch für verschiedene Kameras oder etwa die Empfindlichkeitseinstellung. Wenn also jemand aus mehreren Bildern unterschiedlicher Quellen eine Collage erstellt, können Programme im Idealfall das unterschiedliche Rauschen entdecken. Schwieriger wird es, wenn die Collage aus Bildern der gleichen Quelle erstellt wurde.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich inzwischen Bilder nicht nur manipulieren, sondern auch ganz neu erschaffen. Die Ergebnisse sind für Menschen täuschend echt. Ist das nicht ein großes Problem?

Wir haben die KI ja auf beiden Seiten der Waagschale, nicht nur auf Seiten der Trickser und Propagandisten. Man kann die neuronalen Netzwerke also auch dazu nutzen, die Trennschärfe zu erhöhen und die Fälschungen wiederum besser zu erkennen. Außerdem hinterlässt eine KI eventuell auch digitale Spuren. Ähnlich ist es schon heute, beispielsweise im Kino, wenn Szenen nicht gefilmt werden, sondern von einem Computer generiert werden. Diese Bilder haben dann eine andere Merkmalscharakteristik als beispielsweise die einer Kamera.

Lesen Sie hier:
Deepfakes: Sind manipulierte Videos eine Gefahr? 

Das klingt aber auch nach einem permanenten Wettbewerb mit den Fälschern. Müssen Sie ständig neue Tricks lernen?

Ja, die Schar der Methoden wächst. Es gibt nicht den einen Ansatz, der immer funktioniert. Weil sich diese Prozesse nicht automatisieren lassen, muss ein Bildforensiker daher genau wissen, mit welcher Fragestellung er an Bild heran geht. Man muss aber auch sagen: Die Bildforensik kann nie bestätigen, ob ein Bild wirklich echt ist – es könnte ja auch eine perfekte Fälschung sein. Wirklich hilfreich wird sie erst dann, wenn der Fälscher Fehler gemacht hat, wenn etwas Unstimmig ist. Das passiert meistens unter Zeitdruck, wenn mit heißer Nadel an einer Fälschung gestrickt wird und dann zum Beispiel die Lichtverhältnisse unstimmig oder die Perspektiven falsch sind.

Von RND/Anna Schughart

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