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Digital Statt Abwehrreflexen: Liebe Gamer, auch ihr könnt was tun
Nachrichten Digital Statt Abwehrreflexen: Liebe Gamer, auch ihr könnt was tun
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20:36 14.10.2019
Die meisten Gamer wollen mit Rechtsextremismus nichts zu tun haben. Aber reicht das? Quelle: imago images / Future Image

Deutschsprachige Gamer sind sehr, sehr wütend auf Horst Seehofer. Denn neben Maßnahmen gegen Rechtsextremismus hat er als Reaktion auf das Attentat in Halle angekündigt, auch die Gamerszene in den Blick nehmen zu wollen. Ob die Gamer nun ein Fall für die Sicherheitsbehörden sind, kann man zwar bezweifeln, doch trotzdem sollte man sich die Abwehrreflexe verkneifen.

Denn es dauert keine zwei Sekunden, da sind auf der beliebten Spieleplattform Steam die ersten Hakenkreuze gefunden – getragen von Spielern, die es für angemessen halten, ein „Sieg Heil“ in ihrem Onlinenamen unterzubringen. Zugegeben, es sind nur etwa 2500 von laut Entwickler Valve einer Milliarde Steam-Nutzern. Aber es waren auch nur zwei Sekunden Recherche, die aufzeigen, dass in der Welt des Gaming irgendetwas schiefläuft.

Die Ursachen dafür sind allerdings mannigfaltig – und einiges von dem, was nun öffentlich diskutiert wird, erinnert an die Killerspiel-Debatte Anfang der 2000er Jahre. Zur Erinnerung – auch für Innenminister Horst Seehofer: Schon damals beschworen konservative Politiker, Egoshooter würden junge Menschen zu Amokläufen anspornen. Einen wissenschaftlichen Beweis für diese Kausalität gibt es bis heute nicht.

Was es aber gibt, sind reichlich Hinweise darauf, dass die Videospielwelt keine heile Welt ist. Wurden etwa nicht die Kritiker (und vor allem Kritikerinnen) von Sexismus unter Zockern bei der #Gamergate-Affäre aufs Allerübelste angegangen? Erinnerten die Strukturen des rechten Trollnetzwerks Reconquista Germanica nicht wenigstens ein bisschen an den Aufbau vieler Onlineclans? Und vor allem: Sind rassistische und sexistische Beleidigungen in Game-Chats wirklich so selten?

Nein, sind sie nicht. Sie sind seltener geworden, weil von vielen Spielern und Entwicklern durchgegriffen wird. Die ganz dunklen Zeiten sind vorbei, seit große Ligen wie die Electronic Sports League (ESL) gegen rechte Spieler vorgehen. Seit Publisher und Entwickler bestimmte Ausdrücke in Chats sperren und auch „Sieg Heil“ als Nickname bei vielen Spielen nicht mehr genutzt werden kann.

Frauen in Videospielen – nicht mehr nur Opfer und Deko?

Auch wenn es nicht gerade auffällig viele Spieler des Jahrgangs ’88 gibt, deutet einiges darauf hin, dass die rechten Zocker trotzdem noch da sind – gerade bei Spielen, deren Szenario an den Zweiten Weltkrieg andockt. Statt „Sieg Heil“ ist dann eben „Wüstenfuchs88“ auf dem Server unterwegs. Die Zahlenkombination 88 ist ein Chiffre für Heil Hitler, Wüstenfuchs wurde einer der Generäle des Nazi-Führers genannt.

„Wüstenfuchs88“ muss runter vom Server

Kein Spieler kann wissen, ob sich hinter „Wüstenfuchs88“ ein Troll verbirgt, der mit seinem Namen andere Spieler provozieren will – oder ob „Wüstenfuchs88“ zumindest ein bisschen mit den Trollen von #Gamergate und Reconquista Germanica sympathisiert. Oder ob „Wüstenfuchs88“ in Wirklichkeit Stephan B. heißt – und nebenbei einen antisemitischen und rassistischen Anschlag vorbereitet.

Gegen den können Gamer zwar nichts ausrichten, aber sie können dafür sorgen, dass „Wüstenfuchs88“ vom Server verschwindet. So wie Fußballvereine gegen Rassismus in der Kurve vorgehen. So wie Schützenverbände auf Rechtsextremismus achten. Und so wie in der Musikszene rechte Menschenverachtung zunehmend in den Untergrund gedrängt wurde.

Das löst das Problem mit Rechtsextremismus und Antisemitismus zwar nicht, aber es reduziert die Anknüpfpunkte an rechte Ideologien, es schafft Tabus. Tabus, die unter anderem Valve mit seiner Plattform Steam bis heute nicht ernst nimmt. Das wird sich erst ändern, wenn die Nutzer sie ernst nehmen.

RND

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Von Christoph Höland/RND

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