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Kultur Anke Engelke beleidigt Leipzig mit Nazi-Vergleich – OBM Jung kontert
Nachrichten Kultur Anke Engelke beleidigt Leipzig mit Nazi-Vergleich – OBM Jung kontert
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15:31 12.02.2016
Anke Engelke hat sich bei der Berlinale-Eröffnung einen bösen Leipzig-Scherz erlaubt.  Quelle: dpa
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Berlin/Leipzig

Sie riss Gags über die Obergrenzen-Debatte bei Flüchtlingen und das pannengeplagte Berlin, führte in ihrem blauen Kleid charmant durch die rund einstündige Gala. Doch bei der Vorstellung von George Clooney während der Berlinale-Eröffnung am Donnerstagabend erlaubte sich Moderatorin Anke Engelke (50) auch einen üblen Scherz über Leipzig.

Vor drei Jahren hatte Hollywood-Star Clooney seinen Film „The Monuments Men“ in Deutschland gedreht. „Viele Millionen Euro wurden dafür verwandt, die düstere Atmosphäre von Nazideutschland herzustellen. Er hätte es billiger haben können: 180 Kilometer im Süden – in Leipzig“, sagte Engelke. Clooney, der mit seiner Ehefrau Amal Alamuddin (38) im Festivalpalast saß und in Leipzig während der Dreharbeiten 2013 übernachtet hatte, quittierte es mit einem verlegenen Lächeln.

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Leipzigs OBM reagiert mit satirischem Statement

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) konterte am Freitag mit einem satirischen Statement und einer herzlichen Einladung Engelkes nach Leipzig. „Wir benötigen dringend Unterstützung beim Aufhängen der Fahnenspaliere auf unseren Prachtstraßen, unsere Exerzierplätze müssten gefegt werden. Und natürlich muss für den nächsten Parteitag das Gelände vor dem Völkerschlachtdenkmal etwas national aufgemöbelt werden. Diese Aufgaben liegen uns in Leipzig schwer im Magen, weil Demokratie und Offenheit hier einen hohen Stellenwert haben“, teilte Jung gegenüber LVZ.de mit.

Sachsens Grünen-Chef Jürgen Kasek, der als Sprecher des Bündnisses "Leipzig nimmt Platz" regelmäßig Proteste gegen Neonazis organisiert, schrieb Engelke bei Facebook einen offenen Brief. "Du hast die Seele der Stadt beleidigt", so Kasek. "Aber vielleicht wolltest Du auch nur in überspitzer Form darauf hinweisen, dass es wieder Nazis gibt und diese sich zunehmend offensiv in Szene setzen und ganze Stadtviertel überfallen", verwies Kasek auf die rechten Krawalle am 11. Januar in Connewitz. "Aber bei der historischen Einordnung dräut eher die Weimarer Republik am Horizont und weniger die Nazizeit", schrieb der Grünen-Politiker.

Shitstorm bei Facebook

Auf Engelkes Facebook-Seite entlud sich bereits am Freitagmorgen ein Shitstorm. „Oberflächlich“ und „voll daneben“ fanden einige die Äußerung. „Sie sind wohl auch nicht mehr ganz sauber im Kopf, wegen 500 Legida-Idioten eine ganze Stadt öffentlich zu denunzieren“, schrieb eine Nutzerin. „Was haben Sie gestern genommen? Ich hoffe, dass Sie nie wieder einen Fuß in diese Stadt setzen!“, polterte ein weiterer Schreiber.

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Es gab aber auch lobende Worte in den Kommentaren: „Liebe Frau Engelke, Ihre Moderation zur Berlinaleeröffnung war schlichtweg eine Sensation. Traumhaft. Gratulation.“ Ein anderer gab Engelke den Rat: „Besuchen Sie Leipzig, diese wunderbare Stadt, und Sie werden Ihre Meinung (hoffentlich) ändern.“

Clooney trifft Merkel

Clooney, der in Berlin die Komödie „Hail, Caesar!“ der Coen-Brüder mit ihm in der Hauptrolle als Eröffnungsfilm präsentierte, ist auch auf politischer Mission in der Hauptstadt. Der 54-Jährige traf am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und redete mit ihr über Flüchtlinge. Bei dem etwa einstündigen Treffen war auch Ehefrau Amal dabei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel empfing Amal und George Clooney im Bundeskanzleramt zu einem Gespräch über Flüchtlingspolitik. Quelle: dpa

Schon vor dem Treffen im Kanzleramt hatte Clooney Merkels Flüchtlingspolitik gelobt. „Ich bin absolut einverstanden damit“, sagte er. Auch die USA müssten sich mehr engagieren. Das Gespräch fand nach Angaben der Bundesregierung auf Bitten des US-Schauspielers statt. An dem Treffen nahm auch der ehemalige britische Außenminister David Miliband teil. Der Labour-Politiker ist Präsident der amerikanischen Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC), in der sich die Clooneys für Flüchtlinge engagieren. Zum Inhalt der Unterredung wollte die Bundesregierung keine genaueren Angaben machen. (Text mit dpa)

Die Berlinale-Eröffnung im Video bei 3sat (Nazi-Vergleich ab Minute 30:45)

Von Robert Nößler