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Kultur Auf der Überholspur des Übermuts: „Max und Moritz“ im Feinkost-Sommertheater
Nachrichten Kultur Auf der Überholspur des Übermuts: „Max und Moritz“ im Feinkost-Sommertheater
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16:06 31.07.2017
Anne Rab als Louise (links) und Katja Fischer als Thelma. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Blick geht durch die Windschutzscheibe. Der Fahrer kurbelt motiviert am Lenkrad. Und im Hintergrund flirrt die Landschaft. So kennt man die historisch anmutenden Autoszenen aus mit Rückprojektion gefilmten Schwarz-Weiß-Streifen. Ebenso frontal und unmittelbar sieht sich das Sommertheater-Publikum Thelma und Louise gegenüber. Nur dass im Hintergrund des Duos keine Schwarz-Weiß-Landschaft hin- und herschiebt, sondern eine kolorierte Wilhelm-Busch-Welt strammsteht. Und das Auto etwas Abstraktionsvermögen verlangt: Wo das Steuer sein sollte, steht ein Ventilator, der – hübscher Dauer-Gag – Louise Fahrtwind ins Gesicht pustet.

„Max & Moritz aka Thelma & Louise“ heißt die Produktion von Theater light und der Gruppe il comico, die am Sonntag im Feinkost-Sommertheater Premiere feierte. Eine kompakte, knapp einstündige Zwei-Frau-Komödie in der Regie von Armin Zarbock, der das Roadmovie „Thelma und Louise“ und Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ miteinander verschränkt. Zwei Stoffe, zwischen denen rund 130 Jahre und kulturelle Welten liegen. Aber es findet sich eine entscheidende Gemeinsamkeit: Jeweils zwei Freunde setzen sich über Konventionen oder Gesetze hinweg und steuern dabei auf ihren Untergang zu.

Die gerade entlassene Louise (Anne Rab) holt die beziehungsunglückliche Thelma (Katja Fischer) ab. Und bald schon blinken sie links auf der Überholspur des Übermuts. Ein bisschen zu viel Alkohol und ein paar dumme Zufälle führen dazu, dass sich den Frauen die Polizei an die Fersen heftet und wie im Filmvorbild nur noch die Ausfahrt Suizid bleibt.

„Fuck the system“, hat Louise zuvor gerufen. Immer geht es um Freiheit. Louise ist aus der Arbeitswelt ausgebrochen. Thelma aus dem Patriarchat. Max und Moritz widersetzten sich der 19.-Jahrhundert-Pädagogik durch Lehrer Lämpel. Lämpel taucht als Polizist im Stück auf. Erstaunlich flüssig fügen die Macher die Stoffe zusammen, Motive überlagern sich. Und wenn Louise sagt, sie habe doch nur gewollt, dass alles wieder wie früher wird, dann leuchtet das Max-und-Moritz-Thema im Rückspiegel des Lebens als Sehnsucht nach der unbeschwerten Zeit kindlicher Verantwortungslosigkeit auf.

Komik statt Philosophie

Es steckt also eine ganze Menge Potenzial in der Kopplung der Stoffe. Aber die lebensphilosophische Grundierung wird kaum in Text und Spiel ausgearbeitet, sondern von Anfang mit Komik überspielt. Lieber turnen die Akteurinnen durch die Zuschauerreihen und sprechen „Gauloises“ falsch aus. Gags, die zunächst etwas in der Luft hängen. Doch je weiter sich die Inszenierung der Katastrophe nähert, desto besser und ausgelassener wird sie. Der Funke springt noch über in der clownesk-theatralen Schlitterfahrt.

Die Schauspielerinnen wechseln geschickt zwischen Roadmovie und Comic-Welt. Fischer rappt Busch-Verse zu den Sounds von Rab als Beatbox. Und dann haben die Flüchtenden gerade mit großkalibrigen Wasserpistolen den imaginären Polizeihubschrauber (und das halbe Publikum) abgeschossen, da droht das nächste Ungemach: „Jetzt hat der Scheißbäcker zu.“ Also ab durch den Schornstein, wie bei Max und Moritz. Bis in den Untergang der Protagonisten glückt es dem Abend, die Stoffe zu verbinden.

Weitere Termine: Dienstag bis Freitag und 15. bis 20. August, 19 Uhr, überdachter Feinkost-Hof (Karl-Liebknecht-Straße 36), Karten an der Abendkasse für 12/8 Euro

Von Dimo Rieß

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