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Kultur Auf die Haltung kommt es an - zum Tod des Regisseurs Patrice Chéreau
Nachrichten Kultur Auf die Haltung kommt es an - zum Tod des Regisseurs Patrice Chéreau
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19:17 08.10.2013
Von Stefan Stosch
Der französische Regisseur Patrice Chéreau. (Archiv) Quelle: dpa
Leipzig

Gerühmt wird der Franzose bis heute für seinen "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen. Die Aufführung von 1976 gilt vielen Opernfreunden als "Jahrhundert"-Ring. Der Begriff bezieht sich allerdings genauso auf den damals 100. Geburtstag der Festspiele. Die Inszenierung war zunächst heftig umstritten, gerade bei konservativen Wagnerianern, hatte Chéreau es doch gewagt, die Handlung in die Zeit der Frühindustrialisierung zu verlegen. Chéreau, vielgerühmtes "Theaterwunderkind", war 1976 gerade 31 Jahre alt.

Auch das Kinodrama "Intimacy" löste heftige Irritationen aus, zuallererst wegen seiner Sexszenen. Ein Mann und eine Frau (Mark Rylance, Kerry Fox) in der Großstadt: Sie wissen nichts voneinander, reden kaum ein Wort, sind sich zufällig begegnet. Jeden Mittwoch steht sie vor seiner Tür, und Momente später reißen sie sich gegenseitig die Kleider vom Leib. "Intimacy" beeindruckte mit beinahe dokumentarischer Direktheit. Für die Studie über Vereinsamung und Sehnsucht nach Nähe erhielt der Regisseur 2001 den Goldenen Bären. 2003 später gewann er in Berlin mit seinem einfühlsamen Sterbedrama "Sein Bruder" den Regie-Preis.

Chéreau konnte aber auch anders: Sein wohl bekanntester Film, "Die Bartholomäusnacht", ist monumental, opulent und stargespickt - aber kein bloßes Historienstück, sondern eine Parabel auf Machtgier und politisch kalkulierten Mord. Aus dem Rausch der Gewalt ließ sich ein zeitloser Appell an Toleranz und Mitgefühl herauslesen: Das weiße Kleid der schönen Margot (Isabelle Adjani) wird getränkt vom Blut, das der vergiftete König von Frankreich in ihrem Schoß ausschwitzt. Ein schrecklich schönes Sterben.

Chéreau konnte damit leben, wenn er für seine Arbeiten auch mal heftig angegangen wurde. Er fasste das geradezu als Kompliment auf. Zu Recht: Er verstand, dass Form und Inhalt ein künstlerisches Ganzes ergeben müssen. Und der Franzose war ein Regisseur mit Haltung - hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. In den 60ern gehörte er zu den französischen Intellektuellen, die gegen den Algerienkrieg protestierten. 1994 zeigte er "Die Bartholomäusnacht" im belagerten Sarajevo. Und als Rechtspopulisten im Jahr 2000 in Österreich mitregierten, boykottierte er die Salzburger Festspiele.

Noch im Juli stieß seine Neuinszenierung der "Elektra" in Aix-en-Provence auf großen Beifall. Nun trauert Frankreich um einen bedeutenden Künstler. "Ein Meister ist verstummt", schrieb gestern Gilles Jacob, Leiter des Filmfestivals von Cannes.

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Stefan Stosch

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