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Kultur Auftakt des Hörspielsommers mit Regen, Sonne und Träumen
Nachrichten Kultur Auftakt des Hörspielsommers mit Regen, Sonne und Träumen
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15:05 10.07.2016
Entspannte Lausch-Atmosphäre: der Richard-Wagner am Samstagabend, kurz vor der Dämmerung. Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen
Leipzig

Ein Bild wie gemalt. Bevor die Sonne am Samstagabend abtaucht, wirft sie ihr letztes Gold auf die Wiese des Richard-Wagner-Hains, der besiedelt ist von Picknick-Gesellschaften. Bunte Schirme, Fahrräder, Decken. Vor, hinter und unter den großen Bäumen sitzen oder liegen Menschen, als warteten sie darauf, von Monet gemalt zu werden. Zum 14. Mal bietet sich dieses Motiv, immer wird es neu arrangiert, nie wird es langweilig. Denn neben den verschiedensten Hörstücken macht diese traumhaft friedliche, entspannte Szenerie den großen Zauber des Hörspielsommers aus, der seit Freitag und bis zum 17. Juli in Leipzig ein zeitloses Genre feiert.

Bei der Eröffnungsrede weisen Marcus Heinke (Festival-Vereinsvorsitzender) und Stellvertreterin Tina Klatte auf die Besonderheiten hin, zu denen die Geräuschewerkstatt (16. und 17. Juli) gehört sowie eine an der Mauer hinter der Bühne befestigte gelbe Hörspielbox, gebastelt von den Audionauten. Wer mag, kann sich setzen und daraus die Ergebnisse des Workshops „Begegnungen“ mit Geflüchteten hören.

Schon der erste Tag dokumentiert, in welchen Stimmungswechseln das Festival schweben kann, was die Audioarbeiten wie auch das Wetter angeht. Zum Familienprogramm über Räuberkinder und mutige Expeditionen bauschen sich die Marmor-Wölkchen noch unauffällig, zum Abendprogramm verdunkeln und verdichten sie sich. „Sexxonautix“, ein krudes Wolllust-Geplänkel, und „Norway. Today“ bleiben noch im Trockenen; der aufkommende Wind schickt aber schon mal ein Grundrauschen, das von einer alten Kassette kommen könnte.

Zu „Mohrle“ nimmt der Himmel den erst für kommenden Freitag angesetzten Programmpunkt „Animated Audio Art“ vorweg, bei dem Hörspiele eine Visualisierung bekommen. Blitze zeichnen Zickzacks zur Geschichte eines sensiblen Katers, der Mäuse ausstopft, um ihren Verlust zu verarbeiten. Kurz darauf fällt ein dichter Vorhang aus Regen. Ein Hör- und Sehspiel nicht ohne Reiz, aber mit viel Wasser. Die Besonderheit: Niemand stört sich an den Widrigkeiten. Nach zehn Minuten Unterschlupf unter Zelten, Bäumen und Schirmen ist wieder alles beim Alten, die spätere zweite Husche wird ebenfalls gut gelaunt verkraftet.

Der Samstag – ein Sommertagstraum mit noch mehr Ausstellungsobjekten für das breite Bild. Grills in mehreren Varianten, exotische bis übliche Sitzgelegenheits-Modelle, Besucher beim Keulen-Jonglieren; dazu Elfriede Jelineks Stück „Sportchor“, das schabloneske Formulierungen aus der Fußballsprache zerpflückt, neu zusammensetzt und Parallelen zum Krieg zieht. Letzte reine Hör-Angelegenheit ist das WDR-Stück über das Leben von Surfer, Playboy und Millionär Bunker Spreckels zwischen Inszenierung und Selbstzerstörung.

Insgesamt kommen sichtbar weniger Besucher zum ersten Hörspielsommer-Wochenende als im Vorjahr. Das mag mit dem ungünstigen Zeitpunkt zu tun haben; das Festival liegt diesmal in der urlaubsintensivsten Mitte der Sommerferien. „Wir sind dennoch zufrieden, die Wiese ist gut besetzt“, konstatiert Marcus Heinke.

Es dürften rund 60 Leute sein, die am Samstag zur einsetzenden Dunkelheit der Performance-Gruppe Friendly Fire folgen, die zum Spaziergang „Parkmania“ einlädt. Unter Anleitung der resoluten Blauperücken-Führerin wird die normale Welt ausgeknipst. Das Abendland wird zum Nachtland, man gründet den ersten Nachtstaat. „Sehen Sie sich mit geschlossenen Augen um!“, ermuntert dieses Zwitterwesen aus Elfe und Kobold, begleitet und beleuchtet von zwei großen Hasenköpfen auf Menschenbeinen. Das Unternehmen gelingt: Dinosaurier durchqueren das Grün, der Kinderspielplatz wandelt sich durch Worte und Gedanken zur Weltausstellung 1851 im Londoner Hyde Park, das Gewässerchen am Palmengarten-Pavillon wird zum Spiegel aller Fantasien. Zauberhaft. Wahrlich, ein Sommernachstraum.

www.hoerspielsommer.de

Von Mark Daniel

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