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Kultur Bodyguard: Besser als im Kino
Nachrichten Kultur Bodyguard: Besser als im Kino
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09:56 24.11.2015
Patricia Meeden als Rachel Marron und ihr Bodyguard Frank Farmer (Jürgen Fischer) Quelle: bb
Köln

Manches ist einfach naheliegend: „Bodyguard“, der Thriller, der Musik-Film, der Straßenfeger von 1992, hat alles, was ein Musical braucht: eine nicht zu komplexe, aber dennoch nicht einfältige und überdies spannende Handlung und, vor allem: viele sinnvolle Anlässe zum Musizieren. Denn es geht um Rachel Marron, einen singenden Superstar. Diese Rachel, das war im Kino Whitney Houston, und sie stand damals auf der Höhe ihrer Karriere. Sie war atemberaubend, diese Stimme, durchmaß spielend und spielerisch die Oktaven, bebte vor Gefühl, manchmal vor Serntimentalität, war kraftvoll, glanzvoll, weich, verrucht, einzigartig. Das hat Konsequenzen für Thea Sharbrocks Bühnenfassung des Drehbuchs vom vielfach Oscar-nominierten Lawrence Kasdan: Denn Whitney Houston ist der Maßstab für den Gesang in diesem Musical. Als die Planungen begannen, lebte die Sängerin noch, nun ist dieses Bühnen-Spektakel auch eine Hommage für die 2012 verstorbene tragische Heroine des Soul.

Diesem Maßstab muss sich nun Patricia Meeden stellen, die als fiktiver Superstar Rachel Marron in die Fußstapfen des realen Superstars Whitney Houston tritt. Und Meeden, 28, die bildschöne Berlinerin mit den kubanischen und den dänischen Wurzeln, die Ballett studierte wie Gesang und in „The Voice of Germany“ auf sich aufmerksam machte, seither bereits auf den Musica-Bühnen der Republik auf sich aufmerksam machte, bleibt ihr nichts schuldig. Weil sie einerseits über das vokale Rüstzeug verfügt, die Kraft, die Geschmeidigkeit, die Höhesicherheit, die Register-Flexibilität, den sicheren Soul. Und weil sie andererseits zwar der großen Whitney ihre Reverenz erweist, aber sie nicht aalglatt covert. Hinter Patricia Meedens Gesang bleibt Patricia Meedens künstlerische Persönlichkeit präsent. Und in ihrer schauspielerischen Leistung auch. Ob die große Diven-Pose oder das verletzliche Mädchen in Schlabberpullover und Hausschuhen am Küchentisch.

Die zweite musikalische Hauptrolle spielt Tertia Botha als Rachels Schwester Tertia Botha – ebenso begnadet, doch im Schatten des Stars. Die beiden Darstellerinnen haben einen grandiosen Moment: Rachel alias Meeden sitzt allein am Klavier und balladet vor sich hin – unsauber. „Du bist zu tief“, ruft Micki alias Botha ihr zu, und sofort korrigiert sie die Intonation. Das muss man live so erst mal singen. Wie überhaupt man sie live erst einmal so singen muss, die 14 Hits von Whithney Houston, die wirklich nichts auslassen, was einst die Charts bestimmte: Queen of the Night und How Will I Know, Greatest Love of All und Saving All My Love, Million Dollar Bill und I Wanna Dance with Somebody, So Emotional und Run to You, natürlich I Will Always Love You und so weiter und so fort. Das alles klingt hier eigentlich besser als auf den zeittypisch überproduzierten und im Synthi-Mulm versinkenden CDs. Denn die achtköpfige Band um Jeff Frohner, der sich auch um die Arrangements kümmerte, macht mächtig Druck.

Zwischen den Schwestern steht Frank. Jürgen Fischer“ spielt ihn. Singen muss er nur einmal, schlecht in der Karaoke-Bar. Ansonsten gibt er den zu allem entschlossenen einsamen Wolf, so pflicht- wie selbstbewusst. Den durchgeknallten Stalker gibt Tom Viehöfer, und die Ballett-Compagnie, die die atemberaubenden Choreographien von Karen Bruce in akrobatischer Sinnlichkeit über die Bühne schwitzt, ist auch vom Feinsten. Rundum sehens- und hörenswert also das alles, und sich ein schönes Geschenk für die Musical-affinen Lieben.

Der Musical Dome liegt direkt neben dem Kölner Hauptbahnhof. Vorstellungen täglich außer Montags, Karten (29 bis 109 Euro zzgl. Gebühren) gibt’s im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050. und auf www.lvz-ticket.de

Von Peter Korfmacher

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