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Kultur „Die Krise im Science-Fiction ist vorbei“
Nachrichten Kultur „Die Krise im Science-Fiction ist vorbei“
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06:04 20.09.2018
Elstercon-Fan und -Teilnehmer: Buchautor Boris Koch. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die Elstercon gilt vielen als das wichtigste Treffen zur Science-Fiction-Literatur im deutschsprachigen Raum. Von Freitag bis Sonntag pilgern die Genrefans ins Haus des Buches. Stammgast auf der Bühne ist der Leipziger Schriftsteller Boris Koch.

Jede Elstercon beginnt mit einem Ritual – gemeinsam mit Autorenkollege Christian von Aster stellst Du in einer exklusiven Geschichte die Ehrengäste vor. Wie ist dieses Mal die Ausgangslage?

Da das Thema diesmal „Ferne Welten“ lautet, befinden wir uns auf einer Raumstation, von der aus man in alle Welten, Zeiten oder fiktiven Paralleluniversen aufbrechen kann. Der Kollege von Aster und ich sind für die Wartung und Reinigung der Schiffe zuständig, mit denen die Autoren ihre Universen bereisen. Was wir da in den Frachträumen finden, wird aber noch nicht verraten ...

In den Eröffnungstexten erlaubt ihr euch auch kleinere und größere Frechheiten. War schon mal einer der beschriebenen Autoren sauer?

Zumindest nicht so sehr, dass er uns zum Duell gefordert hat ... Nein, im Ernst, Verärgerung geäußert hat noch niemand, im Gegenteil: Viele haben sich bei uns bedankt, und mindestens einer wollte die Erlaubnis, eine solche Frechheit auf seiner Website zu zitieren. Ich denke, man merkt, dass wir niemanden verletzen wollen, sondern einfach die Leute mit Humor vorstellen, nicht durch trockene Auflistungen von Buchtiteln, gewonnenen Preisen und Jahreszahlen. So eine humorvolle, ein wenig neckende Herangehensweise passt zur wunderbar familiären Atmosphäre der Elstercon.

Einer der Ehrengäste ist der deutsche Bestseller-Autor Kai Meyer, der auch in Verlagen veröffentlicht, die Bücher von Dir herausbringen. Wie ist es, über einen engen Kollegen zu schreiben?

Es ist natürlich großartig, wenn man den vorzustellenden Kollegen kennt, dann fällt es leichter, noch eine Schippe draufzulegen, weil man mehr von ihm weiß und mehr Stoff hat, mit dem man arbeiten kann. Wobei ganz klar gilt: Das Privatleben lassen wir außen vor. Und eine Pointe ist eine Pointe, da wird keine verschenkt: Zu Kais Romantitel „Das steinerne Licht“ ist mir für die Eröffnung ein so bescheuerter Gedanke gekommen, dass ich mich tierisch gefreut habe. Und darauf hätte ich auf keinen Fall verzichtet, auch wenn ich Kai noch nie getroffen hätte.

Du bist während der Elstercon im Haus des Buches. Worauf freust Du Dich besonders?

Tatsächlich kann ich keinen der vielen Programmpunkte herausgreifen. Ich freue mich auf die gesamte Stimmung und zahllose spannende Gespräche. Darüber hinaus bin ich besonders neugierig auf Alastair Reynolds und Aliette de Bodard, die ich beide noch nicht kenne. Und Kai Meyer, Bernhard Hennen oder Karlheinz Steinmüller wiederzutreffen, ist immer ein Vergnügen, auch die vielen anderen, jetzt nicht genannten Kollegen.

In Deutschland sind viele Science-Fiction-Reihen eingestellt worden, manche bekannte Autoren veröffentlichen in Kleinverlagen. Woher kommt die Krise der SF?

Ich glaube, die Krise ist längst vorbei. Innerhalb der großen Phantastikprogramme gewinnt die SF seit ein, zwei Jahren wieder Raum von der Fantasy zurück, im Kinder- und Jugendbuch ist SF sehr präsent, und vor allem tauchen in der allgemeinen Belletristik immer mehr Romane auf, die sich auf die eine oder andere Art mit der – meist näheren – Zukunft beschäftigen. Die SF findet nun eben oftmals außerhalb der angestammten Plätze statt, das ist eher ein Wandel als eine Krise. Und die größte Konkurrenz für die literarische Science-Fiction sehe ich nicht in einem anderen Genre, sondern in anderen Medien, die besonders mit der Optik punkten: Filme und Serien.

Am Freitagabend steigst Du selbst zur Nachtlesung auf die Bühne. Was kommt zu Gehör?

Das entscheide ich spontan. Wahrscheinlich verschiedene Kurzgeschichten, das passt nachts erfahrungsgemäß am besten. Oder ich finde einen schönen Ausschnitt aus meinem neuesten Drachenflüsterer-Band „Die Feuer von Arknon“. Der würde gut zu fernen Welten passen, auch wenn einiges darin von unserer Welt inspiriert ist. Aber so ist das eben, selbst die am fernsten gedachten Welten fußen in unserem Kopf, der sich aus unseren Erfahrungen und Beobachtungen im Hier und Jetzt speist.

Elstercon, Freitag (ab 18 Uhr) bis Sonntag (bis ca. 14 Uhr), Haus des Buches, Wochenend-Ticket: 45 Euro (inklusive Con-Buch)

Von Mark Daniel

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