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Kultur Die nächste Generation: Angelo Kelly mit Family fröhlich besinnlich im Haus Auensee
Nachrichten Kultur Die nächste Generation: Angelo Kelly mit Family fröhlich besinnlich im Haus Auensee
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00:17 24.12.2016
Zu fotografieren war am Dienstagabend im Haus Auensee weder dem Publikum noch der Presse erlaubt. Der Kinder wegen, hieß es. Dafür hat uns Angelo Kellys Management unter anderem dieses Bild von einem früheren Konzert zur Verfügung gestellt. Besucher konnten für jeweils 2 Euro Hochglanzabzüge von Porträtfotos eines jeden Familienmitglieds kaufen, im Dreierpack für 5 Euro. Quelle: Chris Ahlers
Leipzig

Die Kellys, die in den 90er Jahren bekanntlich Superstars waren, sind momentan wieder viel unterwegs. Patricia gab kürzlich in der Michaeliskirche ein Weihnachtskonzert, Maite, Jimmy und Paddy kommen nächstes Jahr nach und nach jeweils mit ihren Bands und Projekten nach Leipzig und Markkleeberg. Für Mai hat ein Großteil der früheren Kelly Family sogar drei gemeinsame Comeback-Auftritte in Dortmund angekündigt.

Doch das legitime Erbe der damaligen Musikdynastie hat fraglos Nesthäkchen Angelo angetreten. Am 23. Dezember wird er 35 und bleibt schon frisur- und klamottentechnisch dem Kelly-Family-Erfolgsrezept treu wie kein anderer seiner Sippe. Darüber hinaus tritt er mittlerweile wieder mit Vorliebe im Familienverbund auf: mit Ehefrau Kira und den fünf Kindern.

Wie am Dienstagabend im fast ausverkauften Haus Auensee zu erleben war, resultiert daraus die berühmte Kelly-Mischung aus handwerklich gutgemachter Musik, professioneller Show – und liebenswert konzentriert-nervöser Unbeholfenheit, die man sonst vor allem aus Grundschul-Vorführungen kennt. „Ooooch“, juchzt eine Zuschauerin lauthals, während der sechsjährige Joseph ganz allein „Oh Danny Boy“ singt – sie dürfte damit allen 1300 Besuchern aus der Seele seufzen. Ein Herz, das da nicht schmilzt, muss aus Stein sein.

Herzensangelegenheiten aus dem Kelly-Kosmos

Das Programm „Irish Christmas“, das nach der für die Vox-Reihe „Goodbye Deutschland“ dokumentierten Irland-Auswanderung dann vor einem Jahr die Familienkasse sanierte, bringt auch in der Neufassung von 2016 zwei Herzensangelegenheiten aus dem Kelly-Kosmos zusammen: Irland und Weihnachten.

Die Fröhlichkeit des Irish Folk steuert mit vielen Jigs und Reels eine fabelhafte Begleitband bei. Geiger Tomás Callister, Bouzouki-Spieler Adem Rhodes und Calum Stewart an Tin Whistle und irischem Dudelsack dürfen darüber hinaus in atemraubenden Solos brillieren. Als Luke Melvin unerhörte Rhythmen aus seiner Bodhrán zaubert, demonstriert auch Angelo als Duett-Partner am Cajón, dass er von Haus aus ja Schlagzeuger ist.

Das Familienoberhaupt ist mit seinen Witzchen und seinem temperamentvollen Auftreten gleichsam die einzige Rampensau im Aufgebot, und er reißt das Publikum oft im Alleingang mit – was absolut für das ganze Familienprojekt spricht. Man gewinnt niemals den Eindruck, dass irgendwer die Kinder auf die Bühne drängt. Der anderthalbjährige William verabschiedet sich nach 20 Minuten winkend ins Bett, und abgesehen von der erwähnten Gesangseinlage hält sich auch Joseph eher im Hintergrund oder kuschelt sich einfach an seine Mama.

Wundersame Friedfertigkeit

Jedes Mal, wenn die zehnjährige Emma zu singen anfängt, dauert es anderthalb Takte, bis die Musiker ihre Lautstärke soweit gedrosselt haben, dass sie zu verstehen ist. Den irischen Stepptanz führen Emma und ihre 14-jährige Schwester Helen nicht besser und nicht schlechter vor, als es viele Altersgenossen nach ein paar Übungsstunden können dürften. Und der 15 Jahre alte Gabriël darf ja sogar sein Haar modisch kurz tragen und sich zu Weihnachten ein Smartphone wünschen, wie er irgendwann verrät.

So sympathisch normal sich diese nächste Kelly-Generation zeigt, so besonders gelingen ihr doch immer wieder besinnliche Momente, schließlich ist es ja erklärtermaßen nicht nur ein irisches, sondern auch ein Weihnachtskonzert: ob nun das Ehepaar Kira und Angelo das Loblied „O Come, O Come, Emmanuel“ im Duett schmachtet oder alle zusammen die irische Ballade „The Star of the County Down“ intonieren. Man mag es für kitschig halten: Aber wenn dann 1300 einander weitgehend unbekannte Menschen zwischen 5 und 75 im Chor „Leise rieselt der Schnee“ und „Stille Nacht“ singen, entsteht auf wundersame Weise eine Friedfertigkeit, die wohltut in diesen feindseligen Zeiten.

Von Mathias Wöbking

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