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Kultur Fotofestival f/stop: Reportagen von Capa und Taro erstmals in der Leipziger City
Nachrichten Kultur Fotofestival f/stop: Reportagen von Capa und Taro erstmals in der Leipziger City
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17:47 23.06.2016
Bilder des f/stop-Festivals Leipzig: Robert Capa, An Episode. Americans Still Died, Life Magazine, 14.5.1945 und Gerda Taro, Guernica! Almeria! Et demain?, Regards, Nr. 178, 10.6.1937.
 Bilder des f/stop-Festivals Leipzig: Robert Capa, An Episode. Americans Still Died, Life Magazine, 14.5.1945 und Gerda Taro, Guernica! Almeria! Et demain?, Regards, Nr. 178, 10.6.1937.   Quelle: f/stop
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Leipzig

 „The end of the world as we know it, ist der Beginn einer Welt, die wir nicht kennen“ – unter diesem zweisprachigen Titel findet in Leipzig vom 25. Juni bis zum 3. Juli f/stop statt, das 7. Internationale Festival für Fotografie Leipzig. Zum ersten Mal geht das Festival mit seinen Bildern hinein in die City: Neben der Ausstellung in der Baumwollspinnerei sind im Stadtraum klassische Fotoreportagen aus dem Jahr 1945 von Robert Capa, Margaret Bourke-White und Lee Miller sind zu sehen, auch Arbeiten von Gilles Raynaldy und Gerda Taro. LVZ.de sprach mit Kurator Jan Wenzel.

Ein Teil der Ausstellung ist schon jetzt, noch vor der Eröffnung am Freitag, in der Stadt zu sehen. Das ist eine Premiere, oder?

Ja, das ist eine Art Prolog. Ausgangspunkt für f/stop ist in diesem Jahr die Geschichte der Reportage. Und das ist eine städtische Form, die sich im dem Aufkommen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gebildet hat. Wir haben drei historische Reportagen an die Orte zurückgebracht, an denen sie entstanden sind. Diese Berichte über Leipzig sind ja nie in Leipzig publiziert worden. Jetzt haben die Menschen die Möglichkeit, auch ganz zufällig auf diese Geschichten zu stoßen.

Bei den Stadt-Reportagen gibt es mit Gerda Taro noch eine Premiere…

Ihre Arbeit ist tatsächlich noch nie in Leipzig gezeigt worden, jetzt ist sie in der Nähe der Tarostraße zu finden. 1933 ist sie von Leipzig aus ins Pariser Exil gegangen. Mit Robert Capa gehörte Taro zu den Pionieren der Kriegsreportage. Sie ist leider sehr früh gestorben, 1937 im Spanischen Bürgerkrieg.

Was ist für Sie das Besondere dieser 7. Auflage des Festivals für Fotografie?

Anne König und ich sind Verleger und haben mit dem Kuratieren Neuland betreten. Dass wir das Live-Magazin oder eine Berliner Illustrierte von 1929 wirklich als Objekte zeigen können, hat schon eine ganz andere Unmittelbarkeit.

Inwiefern geht es auch um die Bruchstelle zwischen herkömmlicher Fotoreportage und der digitalen Welt von heute?

Im 19. Jahrhundert gab es mit der Reportage eine enorme Formeninnovation. Dass man etwas zum Teil seiner Vorstellungswelt machen kann, was man nicht selbst gesehen hat, weil Zeitungen darüber berichten, war ein großer Sprung. Unsere Ausstellung geht der Frage nach, welche Formen heute eine ähnliche Funktion haben, nämlich den Erfahrungshorizont zu erweitern. Indem wir in der Ausstellung Unterschiedliches nebeneinanderstellen – Künstlerisches, Privates und Pressefotografie - entsteht eine neue Gesellschaft der Bilder, die zeigt, welche Spannungen entstehen. Was eignet sich noch als Transportmittel der Erfahrung, ohne dass man von der Flut der heutigen Möglichkeiten überrollt wird? Das ist letztlich auch eine sehr politische Frage, denn heute kann jeder mit seinem Handy den Alltag mitschreiben. Das Jetzt wird konstruiert.

7. Festival für Fotografie f/stop, 25. Juni bis 3. Juli 2016, Leipziger Baumwollspinnerei Spinnereistraße 7.

Alle Infos unter http://www.f-stop-leipzig.de/

Von Evelyn ter Vehn