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Games Dota 2, Counter Strike & Co. auf der DreamHack: Ist das eigentlich Sport?
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09:34 24.01.2020
In League of Legend muss das Team KIT SC aus Karlsruhe blitzschnell Tastenkombinationen drücken und im Bruchteil einer Sekunde reagieren. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Pfeilschnelle Mausbewegungen, präzise Tasteneingaben und taktisch kluge Entscheidungen sind für Profis im eSports Grundvoraussetzungen. Dafür trainieren die Videospiel-Asse täglich, besprechen Strategien mit ihren Coaches und achten auf ihre Gesundheit, denn eine Verletzung kann schwerwiegende Folgen für die Karriere bedeuten. Tausende Zuschauer jubeln den Profis zu, wollen ein Autogramm ergattern und verfolgen jede Partie ihres Stars. Die Ähnlichkeiten zum Profisport sind kaum zu übersehen. Dennoch sind die Helden der Videospielszene in Deutschland laut dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) keine Athleten und Sportförderung gibt es dementsprechend auch nicht.

Die Videospielindustrie und ihre Turniere wachsen dennoch gewaltig. Zur fünften Auflage der DreamHack auf der Neuen Messe in Leipzig werden über 20.000 Besucher erwartet, Turniere mit millionenschweren Preisgeldern ausgerichtet und Hundertausende Zuschauer aus der ganzen Welt werden in den Livestreams ihr Team beobachten, wenn es in Dota 2, Counter Strike oder League of Legend antritt. Einschaltquoten, die selbst aus Sicht der deutschen Fußballwelt beeindruckend sind. Mit Sport haben die Spiele inhaltlich jedoch nichts zu tun. In allen drei Titeln wird auf die eine oder andere Art und Weise die gegnerische Spielfigur ausgeschaltet – im Fall von Counter Strike im Ego-Shooter-Format mit einer virtuellen Schusswaffe.

Problem mit Gewaltdarstellung

Genau darin liegt für Dr. Hendrik Pusch, Justiziar des Landessportbund Sachsen (LSB), ein großes Problem in der Anerkennung als offizieller Sport. „Im eSport wird aktuell keine Trennung nach Inhalten vorgenommen. Im Sport schauen wir aber sehr wohl auch auf die Inhalte. Insbesondere mit dem Bereich der Ego-Shooter können wir uns nicht identifizieren. Wenn auf Personen – auch wenn lediglich als mediale Darstellung – geschossen wird, sollte das vom Sport getrennt werden. Da ist es ganz gleich, ob diese Betätigung aus sportwissenschaftlicher Sicht eine gute Koordination erfordert und Bewegungen stattfinden“, so der ehemalige Sportschütze. Für ihn ist es auch eine Frage der Moral, ob solche Videospiele Sport sein sollten.

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Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) sieht das anders. Der Interessenverband will alle Spiele-Kategorien aufnehmen, in denen sich die Teilnehmer fair messen können – egal, ob Gewalt dargestellt wird oder nicht.

Einzelne Titel, die ohne eine solche Härte auskommen, könnte Pusch sich langfristig als Sportdisziplinen vorstellen. „Entscheidend ist für uns nicht, wie der ESBD sich positioniert, sondern wie die einzelnen Sportfachverbände über die Weiterentwicklung in diese Richtung denken. Wenn beispielsweise der Deutsche Tanzsportverband das Videospiel Just Dance als eigene Sportart aufnehmen möchte, dann ist dieses vom Verband etabliert. Das entscheidet der Verband in seiner Autonomie, was er als Disziplin anerkennt und was nicht“, so der Justiziar. Bisher ist das für den LSB jedoch alles Zukunftsmusik. „Damit eSport gefördert werden kann, müsste zunächst die Gemeinnützigkeit dafür vorliegen. Außerdem müsste einer unserer Mitgliedsvereine bei uns die Förderung dafür beantragen – bisher ist das aber nicht passiert.“

Spieler des eSports-Turniers "DreamLeague Season 13: The Leipzig Major" bereiten sich in der Gruppenphase des mit einer Million US-Dollar dotierten Turniers auf ihr Spiel vor. Das Turnier findet im Rahmen der Dreamhack statt. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Kevin Woost, Vorstandsvorsitzender des Leipzig eSports e.V., möchte genau das. Die Gemeinnützigkeit wurde dem Verein bereits bestätigt – allerdings nicht für den Sport, sondern für die Jugendhilfe. In den Räumlichkeiten des Clubs treffen sich die jungen Gamer, trainieren mit ihren Amateur-Teams und veranstalten eigene kleine Turniere.

Förderung für Trainer nötig

„Es ist nicht alles Glanz und Gloria. In der politischen Debatte wird behauptet, dass der eSport die Gemeinnützigkeit gar nicht benötigt. Das seien alles große Firmen, riesige Events und ausverkaufte Stadien“, sagt Woost. Ihr Verein könnte durch die Sportförderung aber beispielsweise Trainer finanzieren oder neue Hardware besorgen – aktuell sei das nur über Mitgliedsbeiträge und Sponsoren möglich.

Die in der Kritik stehenden Ego-Shooter können auch im Vereinsheim gespielt werden, selbstverständlich nur, wenn die Jugendlichen das vorgeschriebene Alter erreicht haben.

„Wir haben auch im Sport Sportarten, in denen es darum geht, seinem Gegner eine Gehirnerschütterung zu verpassen, um zu gewinnen – Boxen zum Beispiel. Für die meisten Nutzer stellt sich im eSport diese moralische Frage aber nicht. Man tötet niemanden, sondern nimmt lediglich seine Figur aus dem Spiel. Das macht auch ein Schachspieler wenn er einen Bauern schlägt“, sagt der ehemalige Deutsche Meister im Tetris.

Stichwort Schach: Die Sonderstellung des „Denksports“ würde aus Woosts Perspektive vollkommen ausreichen: Genau wie Schach zwar nicht ein offizieller Sport zu sein, aber für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit zumindest als solcher zu gelten.

Turnier-Highlights auf der DreamHack:

Freitag 16 Uhr:ESBD-Vereinspokal in League of Legends

Sonntag 13.30 Uhr: Finale der DreamLeague in Dota 2

Sonntag 17 Uhr: Finale des DreamHack Open in Counter Strike

Von Tilman Kortenhaus

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