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Games Spielplattform Roblox: So geht nett im Netz
Nachrichten Kultur Games Spielplattform Roblox: So geht nett im Netz
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10:31 06.08.2019
Auf Roblox können Kinder spielen, sich begegnen und selber Spiele entwickeln. Quelle: picture alliance/dpa
Hannover

Wo Menschen sich online treffen, da passiert etwas. In den letzten Jahren überwog der Eindruck, dass das meistens etwas Schlimmes ist: Politiker beschimpfen sich auf Twitter, Facebook-Filterblasen prallen aufeinander, und in Onlinevideospielen werfen sich die Menschen pubertäre, frauenfeindliche, rassistische Beleidigungen an den Kopf. Dieser Blick auf das Netz ist nicht aus der Luft gegriffen, aber er ist nicht die ganze Wahrheit. Denn neben den schlechten Nachrichten gibt es auch gute. Eine davon ist der anhaltende, schleichende Erfolg der Spieleplattform Roblox.

Kinder üben sich als Softwareentwickler

Roblox ist eine Plattform, auf der Kinder spielen und einander begegnen. Die jüngeren spielen meist nur, die älteren entwickeln häufiger auch selbst Titel. Dass jugendliche Entwickler mit ihren Roblox-Werken reich werden, ist eher ungewöhnlich. Aber dafür sammeln sie hier konkrete Erfahrungen auf dem Weg zum Game-Designer oder Softwareentwickler. „Wir haben Millionen Entwickler“, sagt Laura Higgins von der Roblox Corporation. Sie ist Direktorin für Digitale Höflichkeit in dem Unternehmen – sie kann erklären, warum sich die Spieler auf ihrer Plattform nicht die Köpfe einschlagen.

Die Roblox-Seite sieht ein bisschen aus wie Youtube, nur dass nicht Videos wie im Regal aufgereiht sind, sondern Spiele. Die Qualität der Spiele ist immer eine Überraschung. Viele sind recht klein und einfach, mit einer Klötzchengrafik irgendwo zwischen Lego und Minecraft.

„Kinder sind nett“ – auf Roblox beweisen sie es

Bemerkenswert ist, wie unaufgeregt der Umgang auf der Plattform wirkt. Spieler treffen sich meist wortlos in den Spielen. Wenn sie etwas in den Chat schreiben, dann sind es oft nette, banale Dinge. Gelegentlich macht jemand einen Witz. Oft ergibt sich das gemeinsame Spiel ohne Worte: Balanciert ein Spieler über die schmale Brücke, wartet der andere geduldig, bis er dran ist.

Die erste Stärke von Roblox verortet Higgins nicht im Unternehmen selbst, sondern im Publikum. „Unsere Spieler sind noch Kinder. Und Kinder sind nett“, sagt sie. Sie erlebt die Community als lernbereit, einsichtig und durchaus offen für Kritik bei Regelverstößen. „Es geht uns weniger darum, Nutzer zu bestrafen, als ihr Verhalten zu ändern.“ In dem Alter sollten die Kinder lernen, dass es schöner ist, wenn alle Spaß haben.

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Strenge Textfilter: Fluchen ist tabu

Bestimmte Probleme kann Roblox wegen des Alters seiner Nutzer härter angehen. Hier wird zum Beispiel nicht geflucht, weil es strenge Textfilter gibt. Die Filter werden mit Maschinenlernen verbessert. Kinder, die zu fluchen versuchen, „bekommen dann eine Nachricht, dass sie das Wort hier nicht benutzen können“, so Higgins. Nur über Text wird kommuniziert, Audio und Video unterstützt die Plattform nicht. Das mag altbacken wirken, aber es bringt mehr Sicherheit.

Fantasiewährung Robux förderlich?

Ziemlich modern, aber etwas weniger kinderfreundlich ist das Verdienstmodell von Roblox. Es ist „Free-to-Play“. Das heißt: Das Spiel ist gratis, aber bestimmte Inhalte und Extras müssen mit der Fantasiewährung Robux bezahlt werden. Robux gibt es nicht gratis, sondern sie werden in Paketen von fünf bis 100 Euro verkauft. Manche der Spiele verlangen Robux als Eintritt, viele andere werben damit, dass man in ihnen etwas kaufen kann. Die meisten Spieler geben auf der Plattform kein Geld aus.

Higgins verweist beim Thema Robux auf Handreichungen für Eltern, von Infomaterial bis zu Kontrollmöglichkeiten. Erziehungsberechtigte können ihren Kindern Grenzen setzen, besonders strenge für Kinder unter 13 Jahren. Eltern können nicht nur verhindern, dass Geld ausgegeben wird, sie finden auch Handreichungen, etwa eine kuratierte Liste kinderfreundlicher Titel. Dass Kinder irgendwann um Robux betteln, das werden sie damit aber nicht verhindern.

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800 Moderatoren

Doch Kritik am Geschäftsmodell hin oder her – die Roblox-Community ist vergleichsweise sicher und respektvoll. Neben technischen Hilfsmitteln und klaren Regeln ist dafür das Personal entscheidend. Mit dem Publikum wächst auch die Zahl der angestellten Moderatoren. „800 haben wir ungefähr zeitgleich mit 90 Millionen aktiver Nutzer pro Monat erreicht“, sagt Higgins. Die Moderatoren haben viel zu tun. Millionen Meldungen gehen jeden Monat ein. Die meisten seien harmlos und schnell bearbeitet, schätzt Higgins, trotzdem sei es wichtig, dass es schnell gehe. Moderatoren sind über 40 Länder weltweit verteilt, damit rund um die Uhr Support geboten werden kann.

In die Länder geht Roblox auch, um lokale Sitten und Gebräuche zu verstehen. Moderatoren vor Ort können der Zentrale kulturelle Probleme erklären. Und lokale Sicherheitspartner werden gezielt in die Beratungen eingebunden. In Deutschland arbeitet etwa die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) mit Roblox zusammen.

Ohne Eltern geht es nicht

Natürlich kann auch eine streng kontrollierte Plattform nicht verhindern, dass Kinder negative Erfahrungen machen. Wenn es Nutzern gelingt, Kinder in andere Chatplattformen ohne Filter zu locken, dann hat Roblox keine Kontrolle mehr. Und natürlich testen auch die Kinder selbst laufend Grenzen. Hier kommt Higgins auf die Eltern zurück. Sie können nicht annehmen, dass es für Kinder eine beaufsichtigungsfreie, komplett sichere Onlinebeschäftigung gibt. „Es mag schrecklich sein, aber es ist einfach ein Fakt, dass Kinder irgendwann einmal etwas sehen oder erleben, das sie ärgert und aufwühlt.“

Auf solche Situationen sollten sich Eltern vorbereiten, rät Higgins: „Man kann nicht alles verhindern, aber man kann sich vorbereiten.“ Eltern sollten mit den Kindern im Gespräch bleiben, sie ermutigen und sich mit Vorwürfen zurückhalten. Wenn etwas auf Roblox passiert sei, das man melden wollte, hat Higgins einen besonderen Tipp: „Machen Sie das mit dem Kind zusammen!“ Das sei für beide eine ermutigende Erfahrung, man hole sich die Kontrolle über die Situation zurück.

Die Erfolgsstrategie von Roblox ist letztendlich verblüffend unoriginell: Dran bleiben, zuhören, eine gute Stimmung erzeugen. Online mag vieles anders sein, aber zwischenmenschliche Tugenden bleiben dieselben.

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Von Jan Bojaryn/RND

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