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Games Sieben Computerspiele in 48 Stunden in Leipzig entwickelt – und für jeden spielbar
Nachrichten Kultur Games Sieben Computerspiele in 48 Stunden in Leipzig entwickelt – und für jeden spielbar
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16:38 28.01.2019
Teamarbeit: Bei der Global Game Leipzig 2019 in der HTWK galt es, in 48 Stunden ein komplettes Computerspiel zu erstellen. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Sonntag, 16.42 Uhr, zweite Etage des Lipsius-Baus der HTWK. In Raum 210 tummeln sich etwa 20 junge Männer und Frauen. Auf und unter den Tischen stehen zahllose leere und halbleere Kaffeetassen, Wasser- und Colaflaschen, dazwischen etwas Obst und Gemüse, leere Pizzakartons und andere Essensbehältnisse. Und nicht zuletzt ein gutes Dutzend Computer und Laptops.

So sieht ein Raum aus, wenn er 48 Stunden am Stück als provisorisches Entwicklungsstudio für Computerspiele genutzt wurde. Die Anwesenden sind Teilnehmer des „Global Game Jam 2019“, eine Veranstaltung, bei der innerhalb besagter 48 Stunden allein oder im Team ein brandneues Computerspiel entwickelt werden soll. Startschuss war Freitag 17 Uhr. Nun bleiben den Teilnehmenden noch 18 Minuten, um ihre Kreationen ins Internet zu laden. Statt hektischem Gewusel herrscht jedoch eine entspannte, gar ausgelassene Stimmung. Die Teams haben ihre Zeitpläne gut organisiert, kurz vor 17 Uhr sind alle Spiele hochgeladen.

Auch dieses Spiel zum Thema „Zuhause“ entstand während der Jam in Leipzig. Quelle: Kempner

Die „Global Game Jam“ findet in diesem Jahr zum elften Mal statt, zum neunten Mal in der HTWK. Die Organisation hat seit 2014 der 32-jährige Marius Schneider inne. Der erklärt, dass das Wort „Global“ nicht nur eine Floskel ist: „Weltweit nehmen jedes Jahr etwa 40 000 Leute an dieser Game Jam teil – von Europa und den USA, über Marokko und Ghana bis nach Tokyo und Hawaii.“ Ausnahmslos jeder Kontinent sei vertreten.

Ein Event, über das sich Profis, Hobby- und Nachwuchsentwickler verbinden und vernetzen, Erfahrungen und Ideen austauschen können. „Am Ende kann man stolz auf sein Projekt blicken, das man innerhalb dieser wenigen Stunden fertig gestellt hat“, so Schneider. Für Klaus Bastian, Professor für Systemprogrammierung an der HTWK, sind solche Game Jams gar „die Olympischen Spiele der Gamesentwicklung“.

Verschiedene Spielansätze

Technische oder kreative Einschränkungen gibt es nicht. Lediglich an einem Motto, das zu Beginn der Jam verkündet wird, solle sich orientiert werden. Das lautete in diesem Jahr „What home means zu to“ - „Was Zuhause für dich bedeutet“. Auf welch vielseitige Weise dieses Thema umgesetzt werden kann, zeigt sich bei der abschließenden Präsentation der Spiele. Die sieben Projekte unterscheiden sich nicht nur im Hinblick auf die technische Umsetzung – für manche wurden aufwendige 3D-Welten modelliert, andere bieten nur eine rudimentäre Pixeloptik.

Auch thematisch und spielerisch gibt es große Unterschiede. Die einen verstehen unter „Zuhause“ einen Ort, den es selbst zu gestalten gibt, weshalb in „Hyperspace Decorator“ und „I Home You“ Häuser gebaut und eingerichtet werden müssen, um die Bedürfnisse der Bewohner zu erfüllen. Andere Teams sehen darin einen in der Ferne liegenden Ort, den es zu erreichen gilt, so zum Beispiel im von Hänsel und Gretel inspirierten „Home Sweet Home“, in dem ein dunkler, undurchsichtiger Wald durchquert werden muss, während man sich vor Fallen und der Hexe hüten muss. Brotkrumen erleichtern die Orientierung.

Charme des Unfertigen

Was allen Spielen gemein ist, ist der Charme der Imperfektion. Innerhalb von 48 Stunden mögen tausende Zeilen Programmcode entstanden sein – fehlerfrei ist jedoch nichts. In der Luft schwebende Bäume oder fehlende Spielanzeigen sorgen bei den Teilnehmenden aber bestenfalls für den ein oder anderen herzlich gemeinten Lacher. In jedem Fall bestechen die Games durch enorme Kreativität – genau das also, was viele Spieler in aktuellen Multi-Millionen-Dollar-Produktionen vermissen. Klaus Bastian zeigte sich deshalb beeindruckt von den Abschlusspräsentationen: „Die Spiele waren allesamt bemerkenswert. Wir haben hier sehr viele gut trainierte Leute, und auch die Programme werden immer besser und leichter bedienbar.“

Alle Spiele, die weltweit bei der „Global Game Jam“ entstanden sind, können kostenlos heruntergeladen und gespielt werden: www.globalgamejam.org

Von Christian Neffe

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