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Games Zeitreise mit Böhmermann: So spielt sich „Trüberbrook“
Nachrichten Kultur Games Zeitreise mit Böhmermann: So spielt sich „Trüberbrook“
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16:15 05.05.2019
Die Geschichte von „Trüberbrook“ spielt in den Sechzigerjahren – und so sieht es auch aus. Quelle: Hersteller
Leipzig

Wer „Trüberbrook“ sieht, der wird nostalgisch. Das Spiel der „Neo Magazin Royale“-Macher Bildundtonfabrik beherrscht einen außergewöhnlichen Trick: Es sieht irgendwie bekannt und einfach echt aus, als seien die Kulissen des Spiels abfotografiert. Und auch die Stimmen wirken merkwürdig vertraut.

Wie die besten Tricks im Leben ist auch dieser hier eigentlich kein Trick, sondern harte Arbeit. Die Kulissen für das gerade mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnete Grafikadventure wurden wirklich per Hand gebaut und abgescannt, wie beim Sandmännchen oder Shaun dem Schaf.

Die Kulissen für das mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnete Grafikadventure wurden per Hand gebaut und abgescannt. Quelle: Hersteller

Und die Stimmen sind wirklich bekannt. Vor allem Nora Tschirner bringt in der Rolle der Anthropologin Gretchen Leben in das Puppenhaus. In wichtigen Nebenrollen treten Jan Böhmermann und Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow auf.

Bemerkenswert: Die Stars sprechen ihre Rollen auch in der englischen Version, mit wunderbar schepperndem deutschen Akzent. Das ist Absicht. Es passt zur Geschichte von einem Amerikaner, der in der deutschen Provinz der 1960er Jahre strandet.

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Nostalgisch ist an diesem Spiel alles. Auch das Genre ist ein Oldtimer: „Trüberbrook“ ist ein Grafikadventure, bei dem Spieler in der Gegend herumklicken, um ihre Spielfigur zu bewegen, und bei dem Rätsel gelöst werden müssen, damit die skurrile Geschichte weitergeht.

Die einführende Kamerafahrt folgt einem VW-Bulli über ein Berg-und-Wiesen-Panorama hin zu einer Bushaltestelle, an der eine Landkarte des geteilten Deutschlands hängt. Erzählt wird die Geschichte des kauzigen Naturwissenschaftlers Tannhauser und des verschnarchten Dörfchens Trüberbrook.

Der Ton der Erzählung ist maßgeblich von dem TV-Klassiker „Twin Peaks“ inspiriert. Pointierte Selbstgespräche mit einem Diktiergerät, ein Ensemble voller Sonderlinge und aberwitzige Geheimnisse hinter einer trügerischen Idylle – all das kennen Fans der Fernsehserie.

Der Antiheld Tannhauser löst abstruse Probleme auf unwahrscheinliche Art. Die Lösungen sind manchmal nachvollziehbar, oft aber auch nicht. Solche Adventures gab es früher schon, und sie waren oft frustrierend.

Selbstgespräche mit einem Diktiergerät, ein Ensemble voller Sonderlinge und aberwitzige Geheimnisse hinter einer trügerischen Idylle: „Trüberbrook“ erinnert an den TV-Klassiker „Twin Peaks“. Quelle: Hersteller

Trüberbrook“ macht es seinen Spielern dagegen einfach. Der Fortschritt kommt fast von allein; das Spiel gibt vor, welche Interaktionen möglich sind, und es sind nie besonders viele. Alleine durch Ausprobieren und Erforschen enthüllen sich viele Rätsellösungen von alleine.

Nicht die Rätsel, sondern Stimmung, Story und Kulisse machen dieses Spiel aus. Für einige Genrefans ist das eine Enttäuschung. Aber gerade für Menschen, die nicht regelmäßig spielen, ist es eine tolle Produktion.

Dass es dafür gleich den Computerspielpreis gewonnen hat, mag etwas hoch gegriffen sein. Aber „Trüberbrook“ muss man gesehen haben.

Nicht die Rätsel, sondern Stimmung, Story und Kulisse machen dieses Spiel aus. Quelle: Hersteller

Infos und Wertung

Wertung: 4 von 5 Punkten

Genre: Adventure

Erscheinungsdatum: 12. März 2019

Plattform: PC, PS4, Xbox One, Switch

Preis: 30 Euro (hier bei Amazon)

Jugendfreigabe: ab 6

Entwickler: btf

Publisher: Headup

Website: http://trueberbrook.com

Das sollten Eltern über „Trüberbrook“ wissen

Die Freigabe der USK ab 6 gibt die Richtung vor: „Trüberbrook“ ist gelegentlich gruselig, aber dermaßen kinderfreundlich, dass sogar das gelegentliche Rauchen einiger Charaktere in einer Menüoption abgeschaltet werden kann. Junge Kinder werden sich vor allem über die imposanten Modellbaukulissen freuen.

Wenn der Nachwuchs etwas älter ist und auf Mystery-Stoffe steht, dann könnte dieses Abenteuer sehr gut passen. Aber die zahllosen popkulturellen Anspielungen und die westdeutsche Nostalgie richten sich sehr deutlich an Erwachsene.

Von Jan Bojaryn

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