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09:04 27.04.2019
Der Leipziger Autor und Sammler René Meyer mit den 30 gedruckten Ausgaben von MogelPower. Quelle: Christian Modla
Leipzig

René Meyer ist etwas gelungen, von dem viele wohl heimlich träumen: mit Betrügereien Geld zu verdienen. Und das, ohne den langen Arm der Justiz fürchten zu müssen. Der Leipziger verdingt sich allerdings auch nicht mit Hütchenspielen oder dubiosen Anrufen – sondern mit Cheats. Also geheimen Codes in Computerspielen, die für zusätzliche Leben, neue Fahrzeuge oder ein unbegrenztes virtuelles Konto sorgen.

Der Name, unter dem Meyer all diese Tricks und Codes sammelt und veröffentlicht, könnte jenen, die sich bereits um die Jahrtausendwende in virtuelle Abenteuer stürzten und gelegentlich nach Hilfestellungen suchten, ein Begriff sein: MogelPower. Die Marke feiert in diesem Jahr gleich ein doppeltes Jubiläum. Vor 20 Jahren startete die Webseite, die heute mit Cheatcodes für 31.000 Spiele zu den größten ihrer Art gehört. Noch fünf Jahre zuvor, im Frühjahr 1994, erschien die erste gedruckte Ausgabe von MogelPower.

Der Leipziger René Meyer veröffentlichte 1994 das erste MogelPower Buch – der Name hält sich bis heute. Einblicke in seine Gaming-Sammlung, die es einst in Guinness-Buch der Rekorde schaffte.

Gedruckte Cheatcode-Sammlung wird Überraschungserfolg

„Ich fand es schon immer faszinierend, Computerspiele mithilfe technischer Hilfsmittel zu analysieren“, sagt der 48-Jährige Games-Enthusiast, der auch als Journalist und Computerexperte tätig ist. Durch den Einblick in die Quellcodes der Spiele – damals noch in den wenigen öffentlichen

Cover des ersten MogelPower Buchs, herausgegeben von den Leipzigern René Meyer und Sven Letzel im Jahr 1994 Quelle: privat

Computerkabinetten der DDR – konnte er bald selbst erste Cheats entdecken. 1993, nachdem er bereits zwei Bücher übers Programmieren geschrieben hatte, kam er gemeinsam mit Sven Letzel auf die Idee, eine Cheatcode-Sammlung in gedruckter Form zu veröffentlichen. Der Verlag sprang an, das Buch wurde zum Überraschungserfolg.

„Die erste Ausgabe hat sich 10.000 Mal verkauft, also wurde daraus eine ganze Reihe gemacht“, erklärt Meyer. Die MogelPower-Bücher erschienen halbjährlich, bald wurde auch eine CD beigefügt. Die insgesamt 30 erschienenen Bände haben sich weit mehr als 100.000 Mal verkauft. 1998 wurde Meyer und Letzel klar, dass sie mit MogelPower ins Netz müssen – und riefen schließlich ihre über Werbung finanzierte Webseite ins Leben, die bis heute mit Cheats, Tricks und Tipps zu aktuellen Titeln gefüttert wird. So zum Beispiel zum jüngst erschienenen Aufbauspiel „Anno 1800“. Mehr als 500 Millionen Nutzerabfragen sind auf MogelPower.de bis heute zusammen gekommen.

Aktuelle Blockbuster bieten keine Cheats mehr

Die aktuelle Entwicklung der Spielebranche scheint jedoch gegen Meyer zu arbeiten: „MogelPower leidet sehr darunter, dass es bei aktuellen Blockbustern keine klassischen Cheats mehr gibt.“ Von wenigen Ausnahmen wie „GTA V“

René Meyer und Sven Letzel, Gründer von MogelPower, im Jahr 2003. Quelle: privat

oder „Die Sims 4“ abgesehen, sorge vor allem der wachsende Fokus auf Online-Gaming dafür, dass Cheats immer seltener werden – auch aus Gründen der Fairness. Meyer versucht das zu kompensieren, indem er sich verstärkt auf kleine Indie-Spiele konzentriert, in denen es noch vermehrt Cheats gibt. Die erfährt er gelegentlich sogar persönlich von den Entwicklern. Auch zehrt er vom seit Jahren größer werdenden Trend für Retro-Games.

Jenen Trend weiß er auch durch seine umfassende Konsolen-Sammlung zu bedienen. Hunderte Geräte befinden sich in Meyers Besitz, von den frühen 1970ern bis in die Gegenwart, die er regelmäßig auf Messen wie der Gamescom ausstellt und mit denen er es 2007 ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte. Vor einigen Jahren plante er gar, in Leipzig ein eigenes Museum zu eröffnen, nannte sein Haus in Leipzig-Zuckelhausen bereits „Haus der Computerspiele“. Die Idee einer Dauerausstellung will er zwar noch immer nicht ad acta legen, doch: „Mit dem aktuellen Wandermuseum erreiche ich mehr Leute, als mit einem festen Standort.“

Screenshot der Webseite MogelPower.de im Jahr 2019. Die Seite wurde zuletzt 2000 erneuert. Quelle: Screenshot

Wie es mit der Kult-Webseite MogelPower.de in den kommenden Jahren weitergeht, ist nicht ganz klar. Die Seite wurde zuletzt im Jahr 2000 neu aufgesetzt, eine Frischzellenkur wäre also angebracht. „Ich habe aber keinen Zweifel, dass es MogelPower auch noch in 20 Jahren geben wird“, sagt Meyer. „Dazu macht das Projekt einfach zu viel Spaß.“

René Meyer wird einen Teil seiner Sammlung auf der nächsten Langen Nacht der Computerspiele in der HTWK Leipzig am 11. Mai ausstellen.

Von Christian Neffe

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