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Kultur Gelungen: Pauls-Tanzstück „Labora“ in der Baumwollspinnerei
Nachrichten Kultur Gelungen: Pauls-Tanzstück „Labora“ in der Baumwollspinnerei
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19:01 16.06.2019
Verschmelzung von Mensch und Maschine: „Labora“ von Irina Pauls. Quelle: Foto: Matthias Zielfeld
Leipzig

240 000 Spindeln rotieren im Jahr 1909 tagtäglich auf dem Gelände der Baumwollspinnerei. Heute drehen sich stattdessen Tänzerinnen im Lofft und fügen mit „Labora“ eine weitere Drehung der Spinnereigeschichte hinzu – im Rahmen des Projekts „X Spindeln“, das sich mit den Spuren textiler Industriearbeit in der Leipziger Bauwollspinnerei und in Sachsen auseinandersetzt.

Im Rhythmus der Maschine

Prominent im Bühnenbild hängt eine Spindel. Der Faden hängt herunter, als Aufforderung zum Tanz. Die Tänzerinnen Johanna Kasperowitsch, Marlen Schumann und Eva Thielken nähern sich, berühren den Faden sanft, lassen ihn durch die Finger gleiten und nehmen den Rhythmus der Maschine, der in dem Textil gespeichert ist, in ihre Körper auf. Sie werden selbst zu Spindeln oder besser zu drei Textilarbeiterinnen, die an diesem Ort über 100 Jahre lang unter schwersten körperlichen Bedingungen den Grundstoff für Stoff lieferten.

Zwischen Acrylblöcken

Irina Pauls, Choreografin von „Labora“, setzt auf ein aseptisches Setting. Die Bühne von Grit Dora von Zeschau besteht aus Acrylblöcken und erinnern an Ausstellungsvitrinen in einem Museum. Dazwischen die Tänzerinnen, die zunächst auf einer Art gewundenem Laufsteg in Modelpose die Haute Couture der Kittelschürze und des Arbeitsanzugs präsentieren. Dann gibt es Szenen, die das Roboterhafte betonen sowie die Verschmelzung von Mensch und Maschine an den Anlagen der Fabrik, die von vielen nur „Spinne“ genannt wurde und in der vornehmlich Frauen gearbeitet haben. So geht es durch den Tag der Spinne-Arbeiterinnen bis zum abendlichen Putzen der Wohnung.

Zackig und schnell

Dabei verzichten Irina Pauls und ihre drei Tänzerinnen auf platten Naturalismus. Klar gesetzte, abstrakte Bewegungen, die eine vergangene Realität durchscheinen lassen, bestimmen den Abend. Zackig und schnell eilen die drei durch den Raum und liefern in den rund 80 Minuten, die die Performance dauert, einen wahren Marathon ab. Die Gegenwart hingegen bietet keinen Raum für spektakuläre Auseinandersetzungen. Die drei hocken mit Laptops auf der Bühne. Die neue Arbeitswelt ist friedlich, wenig anstrengend, aber auch langweilig. Die Bewegung findet jetzt im virtuellen Raum statt, aber nicht auf der Bühne.

Soundinstallation „Cloudmeeting“

Dazu muss der Besucher sich auf die Studiobühne des Lofft begeben, wo im Zuge des Festivals „X Spindeln“ Louise Walleneit zur interaktiven Raum- und Soundinstallation „Cloudmeeting“ lädt. Sie hat einen weißen Würfel aus Stoff geschaffen. Der Clou sind Sensoren im Boden, mit denen jeder Schritt Töne erzeugt und die Besucher den Sound selbst erschaffen. Flankiert durch den Sound-Designer Olli Holland, der die Art der Töne bestimmt, so dass es mal Klavier, mal Glocken oder auch nur sphärische Weisen sind, die den Raum fluten. So schließen beide Performances kongenial aneinander an.

Audiowalk von Diana Wesser

Das dokumentarische Schwarzbrot liefert dazu Diana Wesser mit „Fabrik der Frauen“, einem Audiowalk über das Gelände, wo an ausgewählten Stationen elf ehemalige und aktuelle Arbeiterinnen über ihre Zeit und ihre Projekte in der Spinnerei berichten. Und der auch klar macht, wie wenig das Gelände selbst über seine Geschichte informiert.

Ein Tor aufgestoßen

Seit den 1990er Jahren wurde zwar alles im Industrial Chic erhalten, um Kunst und Web 2.0 gut zu verkaufen, doch inhaltlich bietet das gesamte Gelände keine Auseinandersetzung mit seiner Historie. Hier hat das Lofft mit seinem kleinen Festival, das besonders den weiblichen Großteil der Arbeit (zumindest der früheren, das aktuelle Galeriewesen ist doch sehr männerdominiert) in den Blick nimmt, immerhin ein Tor aufgestoßen.

24. bis 26. Juni im Lofft: Nagellackfetzen, – ein Drama der Feminität (Nuria Glasauer); jeweils 20 Uhr, Infos und Karten auf www.lofft.de.

Von Torben Ibs

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