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Kultur Gelungenes Sommertheater über das Grundgesetz
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16:19 15.08.2019
Zuweilen umwerfend: „Das Grundgesetz“ im Hof der MB. Quelle: Kempner
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Leipzig

Die Würde hat gerade Stress. Während sie bei den alten Griechen und Römern nur wenigen vorbehalten war, ist sie laut Artikel 1 des Grundgesetzes seit 1949 für alle Menschen da. Superanstrengend für die Arme. Und überhaupt: „Wer will denn Dignitas heißen? Klingt wie ein Schweizer Verein für Sterbehilfe…“ Da braucht die personifizierte Würde (Astrid Kohlhoff) erstmal eine Kippe und einen Drink. Soweit der erste von 19 Streichen, mit dem sich das Konsortium Luft und Tiefe am Mittwochabend erstmals in der Moritzbastei der deutschen Verfassung gewidmet hat.

Hart an den Grenzen

„Das Grundgesetz“ (Regie: Stefan Ebeling) klingt als Titel der Produktion fraglos relevant, zumal zu dessen 60-jährigem Jubiläum – aber schon auch sperrig. Doch statt mit dröger Didaktik spielen die Theaterschaffenden aus Halle, Leipzig und Kannawurf in Thüringen hier mit Sommertheater par excellence auf: unernst und unterhaltsam – aber dazu kritisch und positioniert. Und zuverlässig hart an den Grenzen von gutem Geschmack und sogenannter politischer Korrektheit. Dabei ist das Stück sehr schematisch aufgebaut, den Grundrechten folgend in 19 Miniaturen. Das ohne Längen organisch zu inszenieren, dabei nie den roten Faden zu verlieren und keinen Überdruss an der formalen Strenge aufkommen zu lassen, ist schon eine dramaturgische Meisterleistung. Was sicher hilft, ist die angstfreie Ungleichbehandlung der einzelnen Artikel.

Von Klamauk zu Ernsthaftigkeit

Artikel 2 etwa, die Garantie der freien Entfaltung, setzt Akzente: Hier wird gestrippt – bis das Publikum dagegen stimmt, dass es zum Äußersten kommt. Leichte Enttäuschung bei Akteur Simon van Parys: „Bei der Premiere auf’m Dorf, da ging das voll durch, aber hier in der Kulturmetropole…“. Andere Artikel wie die Vereinigungsfreiheit werden demgegenüber auch mal ignoriert: „Das is’ jetzt nich’ so sexy.“ Der Wechsel zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit gelingt spielerisch und manchmal so unmerklich, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Unlust beim Asylrecht

Aktuelle Themen wie Erbschaftssteuer, die Energiewende oder Vergemeinschaftung sind dabei das Eine. Aber auch vor dem unbequemen Asylrecht (Artikel 16a) wird nicht gekniffen: Der Unlust daran wird erstmal durch exaltiert-genervtes Stöhnen der Protagonistinnen (außer den bereits genannten: Maria Steurich, Jan Uplegger) Ausdruck verliehen. Aber dann wird es ganz schnell ernst, wenn über Grenzzäune abgestimmt wird und es am Ende heißt: „Im Hellen traut sich hier natürlich niemand, dafür zu stimmen.“

Spiel mit Verunsicherung

Bissiger Sarkasmus bei einem bitteren Thema, mit dem hier sicher der einen oder dem anderen ein Spiegel vorgehalten wird. Dass es dabei zynisch wird, verhindert die insgesamt klare, Menschen achtende Positionierung von „Das Grundgesetz“. Das Spiel mit der Verunsicherung – Wo kann und will ich lachen, wo nicht? – ist effektiv und zielgerichtet, indem es nachdenklich macht.

Witze über Halle

Und um die Stimmung zuverlässig wieder aufzuheitern, gibt es ja eine Sache, die in Leipzig immer funktioniert: Witze über Halle, die sind nun mal lustig. Darüber hinaus passiert jedoch wenig Erwartbares. Die reduzierte Bühne, minimale Beleuchtungs- und Geräuscheffekte und Schauspieler in Hochform – einschließlich Gesangseinlagen – sorgen für Konzentration und Dichte, so dass die Zeit im Flug vergeht. Und nur das Ende für Schaudern sorgt: Mit einer semi-lustigen Horroreinlage, die zeigt, dass Grundrechte schneller zu killen sind als gemeinhin gedacht. Also Obacht.

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Weitere Termine Donnerstag bis Sonntag, jeweils 20 Uhr; bei schlechtem Wetter drinnen; Karten über www.moritzbastei.de

Von Eva Finkenstein

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