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Kultur Glen Hansard bringt magische Momente ins Leipziger Gewandhaus
Nachrichten Kultur Glen Hansard bringt magische Momente ins Leipziger Gewandhaus
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22:00 25.11.2016
Glen Hansard im Gewandhaus. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Am Ende dieses Abends wird Glen Hansard auf einer Brüstung sitzen. Ganz oben, im höchsten Rang des Gewandhauses, wird er Leonard Cohens „Passing Through“ spielen. Unverstärkt, unmittelbar, ganz nah am Publikum. Es wird ein magischer Moment sein.

Einer aus einer ganzen Zaubershow voll herzergreifender Energie, die so beginnt, wie sie enden wird: mit einem Titel des jüngst gestorbenen Cohen. „Bird on the Wire“ eröffnet das Konzert. Stolz ist Hansard, als er Cohens langjährigen Gitarristen Javier Más vorstellt, der für diese Tour die Schlüsselposition im Ensemble übernimmt; insgesamt weiten elf Instrumentalisten die klaren Singer/Songwriter-Stücke warm und füllend aus.

Hansard aber ist das Zentrum, der Leuchtturm, der fußstampfende, taktgebende Bandleader, dessen Dynamik alle Register zieht. Hansard kann ein Sturm sein, der faucht und heult, der pfeift und schreit. Rasend vom Zweifel in den Zeilen, wenn sich die raue Stimme überschlägt im Refrain, wenn die Worte hinausfegen unter orchestralem Lärm und gleißenden Scheinwerferblitzen. Dessen Leiden sich so schmerzlich-schön in Hingabe verwandelt, dass man nicht wegsehen kann.

Hingabe, die sich auch in sanften und leisen Tönen findet. Hansard allein am Klavier, mit dem Gewicht der Welt in den Tasten und der süßen Bitterkeit, die nur irische Trinklieder kennen, in den Versen. Eine Brise kann er sein, die haucht und wispert, die raunt und flüstert. Milde vom Glück des Liebenden, wenn sein sonorer Bass von der schönen Barfrau Renata erzählt, wenn die Worte hinausfliegen unter Streicher-Harmonien und schummrigem Seitenlicht.

Und mittendrin, zwischen den ausgefeilt und filigran abgestimmten Collagen aus zwölf Instrumenten, da zieht es Glen Hansard in die Vergangenheit. Zurück zum 13-jährigen Schulabbrecher, der die Musik auf den Straßen Dublins erlernte, in Pubs und Fußgängerzonen. Nur mit Kontrabass und zweiter Gitarre steht er in spärlichem Licht auf der Bühne und vermag in dieser kleinen Besetzung doch das ganze Gebäude einzunehmen. Ergreifend impulsiv schaukelt sich das Trio auf, mit Abschlägen so wild, dass die Hand vor den Saiten verschwimmt und das geschundene Holz auf dem Korpus die unbändige Leidenschaft bezeugt.

„Spiel ein Lied unplugged!“, ruft es plötzlich aus dem Rang. Der Sänger lässt sich nicht lange bitten, zieht das Kabel aus der Gitarre, stellt sich an vorderste Bühnenkante und singt. Singt so eindringlich, so ehrlich und echt, dass 1600 gebannte Menschen kein einziges Geräusch in diese Atmosphäre streuen. „Jeder Ire kennt einen Song, den schon sein Vater sang“, hat Glen Hansard einmal gesagt. Mit Auftritten wie diesem kann es kein weiter Weg sein, bis es auch seine Stücke in die Liga der generationsüberdauernden Dylans, Cashs und Van Morrisons schaffen.

Nach zweieinhalb Stunden eine finale Hommage an das Idol: Cohens „So Long, Marianne“ erklingt in gesamter Besetzung auf Kammerlautstärke vom Bühnenrand, während das Publikum den Saal mit Gesang auffüllt. Der Abschlusstitel dann, er führt die Musiker mitsamt Instrumenten durch die Reihen, die Stufen hinauf bis unter die Decke des Hauses. Am Ende dieses Abends, da sitzt Glen Hansard auf einer Brüstung und singt. Es ist ein magischer Moment.

Von Tobias Ossyra

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