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Kultur Indie-Pop aus Leipzig: Jakob Hummel ist Meister des Understatements
Nachrichten Kultur Indie-Pop aus Leipzig: Jakob Hummel ist Meister des Understatements
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20:47 08.01.2016
Understatement gehört zum Programm: Jakob Hummel, Songwriter aus Leipzig, hat sein zweites Album „Sorry if you expected something else“ veröffentlicht. Quelle: PR
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Leipzig

 Ortstermin im Proberaum auf der Alten Messe. „Jetzt Team B, bitte“, ruft Jakob Hummel einen Teil seiner Band an die Instrumente. Beim Release-Konzert für sein neues Solo-Album am 17. Januar in der Nato wird der Sänger und Gitarrist der Doc Foster Band unter anderem mit Streichern, Orgel und Background-Sängerinnen auf der Bühne stehen. Hummel fährt das volle Programm auf, um seine Scheibe mit dem teuflischen Fuchs auf dem Cover zu präsentieren, die am heutigen Freitag auf iTunes, Spotify, Bandcamp und anderen Musikplattformen erscheint.

Im Farbenrausch am Leipziger Flughafen

Zehn Songs hat der 28-Jährige auf seinen zweiten Langspieler mit dem Namen „Sorry if you expected something else“ gepackt. Understatement gehört zum Programm, musikalisch greift Hummel tief in die Trickkiste. Sein Stil ist ein eingängiger Mix aus Indie-Pop, Folk und Rap mit großen Melodien und Metapher-geschwängerten englischsprachigen Lyrics. „Texte sind mir sehr wichtig“, sagt er. „Ich kann mich damit von Lasten befreien, über die ich sonst nicht sprechen würde.“ Es geht in seinen Songs aber nicht nur melancholisch, sondern auch schräg, provokativ und gesellschaftskritisch zu.

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Das neue Video zum Song „MDMA“ gleicht einem Farbenrausch auf Ecstasy. Mit einer weißen Ukulele steht ein japanischer Playback-Sänger namens Hiro am Leipziger Flughafen, vor dem Hotel Westin und in einer Requisitenkammer. Asiatische Schriftzeichen kleben auf dem Bildschirm. Hiro schrammelt vor der ausgemusterten Iljuschin-18-Maschine am Terminal und singt, bevor Hummel selbst als Halluzination in dem trashigen Clip auftaucht.

Musik-Pendler zwischen Leipzig und Prag

Einige Stücke des Albums waren bereits auf vorherigen EPs sowie live in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Prag zu hören, wo Hummel seit 2014 wohnt, arbeitet und für sein Tschechisch-Studium paukt. „Meine Perspektive zur Welt hat sich neu formiert“, sagt der gebürtige Leipziger über den Ortswechsel. In seine Heimat pendelt er dennoch weiter regelmäßig – auch zum Proben.

Jakob Hummel und Geiger Jörg Blumenstein bei einem Konzert im Werk 2. Quelle: Simon Borer

Als Jörg Blumenstein mit seinem Streicher-Trio bei „What becomes of us…?“ die Saiten bearbeitet, kommt warme Melancholie auf. Mit dem Ex-Long-Voyage-Geiger steht Hummel schon seit Jahren auf der Bühne, häufig als klassisches Folk-Duo wie zuletzt im Vorprogramm der Two Wooden Stones im Werk 2. Die große Kapelle gibt es dagegen nur zu besonderen Anlässen wie in der Nato. Mit Drummer Steven und dem Griechen Kostas am Bass spielt der Gitarrist auch in der Doc Foster Band, neben seinem älteren Bruder als Frontmann. Als Maik 2011 für ein halbes Jahr ins Ausland ging, wollte Jakob Hummel weiter Musik machen und gründete damals kurzerhand sein Solo-Projekt.

Das Album ist auf iTunes, Spotify und anderen Musikplattformen erhältlich – auf Tour auch als CD-Version. Quelle: PR

Mit einem Lacher beginnt das in Eigenregie produzierte Album, das ab Mittwoch beim Tourauftakt in Zürich und danach quer durch Deutschland präsentiert wird. „Wenn man den Songs zuhört, soll man sich verlieren, hängen bleiben und einzelne Fragmente aufschnappen“, wünscht sich Hummel. Damit das auch live funktioniert, verlangt er im Proberaum seinen Bandmitgliedern noch einmal alles ab, um den Songs den letzten Schliff zu verpassen. Das Ergebnis ist für alle Fans des melodiösen Indie-Pops nächste Woche Sonntag in der Nato zu hören.

Record Release Konzert am 17.1., 20 Uhr, in der Nato, Support: Long Tall Jefferson (Schweiz), 10/8 Euro, www.jakobhummel.com
 

Von Robert Nößler