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Kultur Kaleidoskop der Liebe
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13:30 03.03.2017
Alexander Shelley dirigiert das Gewandhausorchester. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Ausgerechnet am Schluss bleiben Fragen, beim populärsten Werk der Großen Concerte dieser Woche. Nicht dass das Gewandhausorchester um Konzertmeister Sebastian Breuninger Bernsteins Symphonic Dances aus der „West Side Story“ etwas schuldig bliebe. Eher ist das Gegenteil der Fall: Während nämlich „Somewhere“ oder das Finale in zarter Glut von der unmöglichen Liebe zwischen Tony und Maria singen, geht es in den aufgewühlten Teilen trotz oder wegen des an allen Ecken und Enden überbordenden Engagements doch allzu handfest zu. Da kracht das Blech hemmungslos, donnert brutal das Schlagwerk, lärmt das Tutti unbeherrscht, bleibt manches von Bernsteins Finesse und Grandezza auf der Strecke.

Das ist erstaunlich. Denn am Pult steht Alexander Shelley, ein Gast-Dirigent, der eigentlich eher für Eleganz steht und Sublimes als für Kraftmeierei. Und weil er überdies auch schlagtechnisch mit allen Wassern gewaschen ist und meist die Präzision selbst, drängt sich der Verdacht auf, dass er sie genau so haben will, die „Symphonic Dances“.

Tatsächlich wird mit Blick auf die programmatische Konzeption der Großen Concerte vom Donnerstag und vom Freitag ein Schuh draus: Um die Spielarten der Liebe geht es da, die Liebe im Drama und in der Philosophie, in vierfach unterschiedlicher Gestalt in vier sehr unterschiedlichen sinfonischen Gefäßen. Und in diesem Kaleidoskop der Liebe kommt Bernsteins Sinfonischen Tänzen die Rolle der dramatischen Zuspitzung zu.

Für die Glut, die Zärtlichkeit, die sanfte Wallung zwischen Shakespeares Romeo und Julia, nach deren Vorbild Tony und Maria bekanntlich modelliert sind, ist in diesem Programm Tschaikowski zuständig, dessen Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ den Abend eröffnet. Tatsächlich gewichtet Shelley hier völlig anders: Aus der warmen Glut der tiefen Holzbläser am Beginn birgt er die emotionale Kraft von Tschaikowskis grandioser melodischer Erfindung. Nein, natürlich verweigert er auch dieser Ouvertüre nicht das Tragische, nicht das Schicksalhafte oder die Wucht – aber hier bleiben sie kontrolliert, in der perfekten Balance des sensationellen Leipziger Tschaikowski-Orchesters dynamisch ausgeleuchtet bis in die feinste Verästelung – und frei von jedem Kitsch-Verdacht. Ein tief zu Herzen gehendes lyrisches Aquarell – im Gegensatz zum dramatischen Großformat in Öl am Ende des ausführlich beklatschen Abends.

Dazwischen umrahmen zwei wiederum andere Aggregatzustände des Zwischenmenschlichen die Pause: Nach ihr beleuchtet Erich Wolfgang Korngolds Suite aus der seiner Bühnenmusik zu Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ für (ziemlich großes, aber Kontrabass-freies) Kammerorchester die sorglosen, die kapriziösen, die frisch entflammten, die witzigen Seiten der Liebe. Ein herrlich halbseidenes Filigran aus wunderbaren melodischen und harmonischen Einfällen (manche tauchen später in der „Toten Stadt“ wieder auf), aus instrumentatorischem Schalk und sinnlicher Wirkungsmacht – gekonnt doppelbödig gespielt und durchzogen von herrlichen Soli.

Der Höhepunkt steht dennoch vor der Pause: Die gleichsam abstrakte Liebe als Gegenstand philosophischen Austauschs, aufgeschrieben in Platons „Symposion“ und in ein betörend geistreiches musikalisches Gespinst gekleidet von Leonard Bernstein als Serenade für Violine, Streicher und Schlagwerk, in der das intellektuelle Vergnügen des geistigen Austauschs sich spiegelt im ungeheuer komplexen und doch immer transparent gehandhabten Kontrapunkt.

Als Solist singt und streichelt James Ehnes seine Stradivari. Und einen besseren kann man nicht wünschen für diese zerbrechliche Kostbarkeit. Weich ist sein Ton, dabei silbrig schimmernd und lebendig. Und ihm gelingt das Meisterstück, ganz ohne Gefühligkeit die Liebe als Idee, als Vision, als Ideal aus den tonsetzerischen Gesprächen über sie leuchten zu lassen – und die erheblichen spieltechnischen Ansprüche dieses Werks in souveräner Anmut völlig nebensächlich erscheinen zu lassen. Die Präzision seines Spiels, die Klarheit, Zärtlichkeit, Innigkeit, der Geist, die Intimität, die Klugheit – all das reicht Shelley ohne Umwege ins Gewandhausorchester weiter, das während dieser halben Stunde in sinnlich-intellektueller Seligkeit seidig und sensibel vor allem an der Grenze zur Stille noch einmal über sich selbst hinauswächst.

Alexander Shelley ist in dieser Spielzeit noch zweimal in Leipzig zu erleben: Am 23. und 24. Juni dirigiert er, bei freiem Eintritt, die Konzerte im Rosental. Da stehen dann unter dem Motto „No Tenors Needed“ Arien aus Oper und Operette mit zwei der berühmtesten Baritöne der Welt auf dem Programm. Thomas Hampson und Luca Pisaroni. www.gewandhausorchester.de

Von Peter Korfmacher

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