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Kultur Klaus Mäkelä und Antje Weithaas mit dem Rundfunkorchester im Gewandhaus
Nachrichten Kultur Klaus Mäkelä und Antje Weithaas mit dem Rundfunkorchester im Gewandhaus
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15:50 10.02.2019
Klaus Mäkelä dirigiert im Gewandhaus das MDR-Orchester. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Er ist doch sehr ruhig, dieser Kopfsatz von Mendelssohns „Schottischer“. Recht weit entfernt von „poco agitato“ oder „assai animato“, was der Komponist als Tempo-Vorschlag in die Partitur schrieb. Aber er klingt nicht behäbig, nicht betulich, nicht zäh – und überraschenderweise hängt in keinem Augenblick der Spannungsbogen durch.

Er will es und er kann es so

Ersteres ist die Schuld Klaus Mäkeläs am Pult und der Rest sein Verdienst. Denn der Finne, der da im gut besuchten Gewandhaus die MDR-Matinee dirigiert, will es so. Und er kann es so. Was schon ziemlich bemerkenswert ist bei einem 22-Jährigen. Denn eine so populäre Sinfonie so gründlich gegen den aufführungspraktischen Strich zu bürsten, das muss man sich erst einmal trauen. Und dann muss man es auch noch durchsetzen.

Beängstigend souverän

Mäkelä führt das Rundfunkorchester fast beängstigend souverän durch die Partitur. Nur ganz selten rutscht ihm eine Pose durch. Meist zeigt er den Musikern genau in dem Moment genau das, was sie brauchen, um seine Interpretation mit Leben zu füllen und mit Schönheit. Und so bleibt zwar der ästhetische Ansatz dieses Dirigenten zu hinterfragen, aber das schmälert nicht die Bewunderung angesichts der Leistung, zu der er die derzeit kopflose Funkkapelle antreibt. Üppig klingt sie, aber nicht übergewichtig, erdig, aber glänzend, mit wunderbaren Bläser-Momenten und einem herrlich satten Klang der Streicher um Konzertmeister Andreas Hartmann. Beinahe könnte man dieses Musizieren als lustvoll bezeichnen – und gerade damit haperte es zuletzt bei diesem Orchester immer wieder.

Verbesserte Orchester-Hygiene

Auch beim Zusammenspiel gibt es diesmal wenig zu bemäkeln. Wahrscheinlich hat Mäkelä die Probenzeit mit den vermeintlichen Nebenwerken des Programms zur Verbesserung der Orchester-Hygiene genutzt: Anton Weberns pointillistische Bearbeitung von Bachs Ricercar aus dem „Musikalischen Opfer“ und Luciano Berios Fassung des finalen Kontrapunkts aus der „Kunst der Fuge“. Zwar geht Mäkelä auch diese Musik behutsam bis zur Trägheit an, aber wie er bei Webern aus der Tiefe des Raumes heraus die Linien zusammenführt, bei Berio dunkle Pastellfarben mischt und den tönenden Analyseaufsatz wieder Musik werden lässt, das ist schon verdammt gut.

Seltene Gelöstheit

Bei Beethovens Violinkonzert verhält es sich nicht anders. Auch hier sind Kopf- und Mittelsatz gefährlich langsam. Zumal der Solistin Antje Weithaas der pathetische Nachdruck völlig abgeht, mit dem viele Kollegen die Leerräume füllen, die ein solches Tempo lässt. Weithaas setzt mit silbrig schimmerndem Ton auf Klarheit, auf Licht, auf den Notentext – obwohl sie im Eifer des Virtuosen-Gefechts auch schon mal eine Abkürzung nimmt. Gemeinsam mit Mäkelä und dem MDR-Orchester spürt sie in Beethovens Monument bei aller Ernsthaftigkeit bereits vor dem finalen Rondo eine Gelöstheit auf, die diesem Werk viel zu selten vergönnt ist. Beinahe schalkhaft lässt sie im Larghetto ihre Einwürfe emporfedern. Und wenn Mäkelä im Orchestervorspiel die Auftakte selbstbewusst ausbremst, zeigt er damit, dass er sich nicht als begleitenden Befehlsempfänger sieht, sondern als Gestalter auf Augenhöhe. Weithaas nimmt das Angebot an, und gemeinsam mit dem erstaunlich gut aufgelegten Orchester gelingt ein verblüffend anderer höchst aufregender Beethoven.

Bravi, der obligatorische Bach als Zugabe – und auch am Ende des Konzertes ist der Jubel so ausführlich wie berechtigt. Geht doch.

Von Peter Korfmacher

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