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Kultur Körper und Archive in der Zeitgenössischen Kunst
Nachrichten Kultur Körper und Archive in der Zeitgenössischen Kunst
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11:24 18.02.2019
„Body Search 1“ mit dem Kurator Gao Yi und den Performance-Künstlern Zhou Niannian und Shi Xuan. Quelle: Kempner
Leipzig

In einer roten Plastikwanne versucht ein Mann, durch die Wüste zu rudern. In anderen Videos sieht man ihn beim Aufhalten eines Wasserfalls mit einem Brett oder beim Pflügen eines Reisfeldes mit dem eigenen Körper. Bei seinen Performances verausgabt sich der Pekinger Künstler Li Binyan vollständig. In einer Welt der Effizienz setzt er seinen Körper für sinnlose Tätigkeiten bis zur Erschöpfung ein, spürt ihn so bis in jede Muskelfaser. „Body Search I“ nennt sich die heute beginnende Ausstellung des chinesischen Kurators Gao Yi. Bis Ende März ist er noch als Stipendiat in der GfZK Leipzig tätig. Fünf chinesische und einen deutschen Künstler hat er ausgewählt. Die Nummerierung im Titel deutet an, dass es eine Fortsetzung geben wird, wahrscheinlich in Shanghai, dann auch mit Leipziger Beteiligten.

Zunehmende Grenzüberschreitungen

Der Eingriff in das humane Genmaterial, dem in seiner Heimat besonders wenige Hemmnisse gegenüberstehen, habe ihn sehr betroffen gemacht, sagt Gao Yi. Dennoch solle die Ausstellung nicht nostalgisch wirken und auch keine Ängste erzeugen. Es geht ihm um die zunehmenden Grenzüberschreitungen zwischen echt und künstlich, zwischen Mensch und Maschine oder Individuum und Kollektiv.

So wirken die Frauen auf den Porträtserien von Xu Yong in der wandfüllenden Montage wie Teil einer großen Masse. Doch der Fotograf lässt ihnen ihre Eigenart und auch die Würde. Es ist eine Pekinger Prostituierte, die er während ihres Arbeitstages immer wieder im gleichen engen Ausschnitt abgelichtet hat.

„Body Search I“ eröffnet das Jahresprogramm der Galerie für Zeitgenössische Kunst. Im Grunde genommen gehört zu diesem Programm auch der deutsche Pavillon der Biennale Venedig, der von Franciska Zólyom kuratiert und am 10. Mai eröffnet wird. Nicht die Beschäftigung mit dieser externen Aufgabe hielt aber die GfZK-Direktorin von der Vorstellung der Projekte ab, sondern eine banale Erkrankung.

Wiederkehrende Standardformate

Einige der von Pressesprecherin Beatrice Di Buduo und ihren Kolleginnen angekündigten Vorhaben für 2019 sind periodisch wiederkehrende Standardformate, darunter die Präsentation des aktuellen Inform-Preises für konzeptuelles Design. In diesem Jahr wird er an die französische Grafikerin Nathalie du Pasquier verleihen. Sie gehörte einst zur Mailänder Gruppe Memphis, einem Flaggschiff der Postmoderne, hat sich aber seit den 80ern zunehmend der Malerei zugewandt. Die Ausstellung der heute 62-Jährigen wird eine Art Retrospektive sein.

Im Vorjahr wurde dieser Preis an die in Leipzig ansässige Anja Kaiser verliehen. Sie bekommt im März eine Personalausstellung unter der Überschrift „Whos.Agency“. Die Grafikerin arbeitet überwiegend für die Szene der Subkultur, zu den Kunden gehören das Conne Island ebenso wie das Institut für Zukunft.

Verflechtung der Kulturen

Den Kunstpreis Europas Zukunft erhält im Mai Christian Nyampeta. Dass er sich mit der Geschichte Ruandas beschäftigt, scheint dem Namen der Auszeichnung zu widersprechen, belegt aber die Verflechtung und auch gegenseitige Beeinflussung der Kulturen in dieser einstigen deutschen Kolonie. Ein weiterer bereits renommierter Preis ist „ars viva“, verliehen vom BDI-Kulturkreis. Wer ihn 2019 bekommt, steht erst im März fest.

Sammeln und Archivieren gehören zu den festen Aufgaben einer Einrichtung wie der GfZK, finden jedoch zumeist in nicht öffentlichen Bereichen statt. In diesem Jahr widmen sich aber gleich mehrere Ausstellungen dieser Tätigkeit. Dazu gehört die in drei Etappen geplante Offenlegung des Archivs von Gabriele Stötzer. Sie gehörte in der DDR-Zeit zur Erfurter Punkszene und war auf diversen künstlerischen Gebieten tätig, kam dafür sogar ins Gefängnis.

„Anarchive“

Schon diese Schau könnte mit dem schönen Neologismus „Anarchive“ überschrieben sein. Er steht aber ab 9. März für eine Kombination von Arbeiten von fünf Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Ländern. Gemeinsam ist ihnen das Zusammentragen von Material. Der Ausdruck ist dann aber jeweils ein ganz anderer. Dass es nicht immer um das sorgfältige Verarbeiten zum Zwecke schnellen Auffindens geht, drückt der Titel aus.

Ab Juli wird Clemens Wedemeyer im Neubau präsentiert. Der Videokünstler ist spätestens seit der vorletzten documenta international bekannt und lehrt heute an der HGB. Neben einer Zusammenstellung älterer Filme entstehen extra für diese Werkschau auch neue zum übergeordneten Thema Masse und Macht, das sich auf ein bekanntes Werk von Elias Canetti bezieht.

Body Search I, kuratiert von Gao Yi. Galerie für Zeitgenössische Kunst, Karl-Tauchnitz-Straße 9– 11; Eröffnung 15.2., 19 Uhr, bis 31. März Di–Fr 14–19 Uhr, Sa–So 12–18 Uhr

Von Jens Kassner

Zum Thema: Mehr News und aktuelle Ausstellungen der Leipziger Museen!

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