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Kultur Komplexe Abendständchen: Zweites Album der Leipziger Band Trio.Diktion
Nachrichten Kultur Komplexe Abendständchen: Zweites Album der Leipziger Band Trio.Diktion
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06:00 09.08.2017
Dreieck und Viereck, ineinanderverschachtelt: Cover-Ausschnitt des neuen Album „Serenade“ des Quartetts Trio.Diktion.
Dreieck und Viereck, ineinanderverschachtelt: Cover-Ausschnitt des neuen Album „Serenade“ des Quartetts Trio.Diktion. Quelle: GoldenTicket
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Leipzig

Zweierlei hat sich über Leipzig hinaus herumgesprochen. Erstens, dass das Trio.Diktion ein Quartett ist. Und zweitens, dass gerade die Besetzung aus Klavier, Kontrabass und eben gleich zwei Bläsern ganz außergewöhnliche Klang- und Stimmungsbilder hervorbringt.

Auf dem zweiten Album „Serenade“ der Leipziger Jazz-Gruppe, das am Freitag beim Labelverbund Golden Ticket/Kick the Flame erscheint, passiert so etwas gleich im Eröffnungsstück, das den hinreißenden Namen „Halberstadt Heaven“ trägt. Zwar gibt Antonia Hausmanns Posaune da im Prinzip lediglich mit den Tönen von Jakob Petzls Bass dem Altsaxofon Matti Oehls ein und denselben Kontrapunkt. Aber aus dem Neben- und Miteinander von Solo- und Rhythmus-Gebläse resultiert geradewegs ein Sog: Unbedingt will man jede einzelne Note verfolgen, um zu wissen, wohin die Melodie weiterzieht.

Bezeichnend ist dabei, dass der Vierte im Bunde die himmlische Halberstadt-Serenade komponiert hat: Klavierspieler Philip Frischkorn drängt sich aber keineswegs in den Vordergrund. Anders als im Genre üblich, haben Trio.Diktion keinen Bandleader; alle vier Musiker steuern Kompositionen bei. Sie sind in dieser Hinsicht mehr Pop-Gruppe als Jazz-Quartett.

Die Ursprungslegende der Formation berührt indes die Klassik. Oehl, Frischkorn und Petzl gründeten Trio.Diktion vor sechs Jahren, nachdem sie sich gemeinsam durch Wagners Ring-Tetralogie gekämpft hatten. Ein Jahr später trat Hausmann hinzu. Alle vier haben sie ihre Instrumente unter anderem an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater studiert. 2014 erhielten Trio.Diktion den renommierten Leipziger Jazznachwuchspreis der Marion-Ermer-Stiftung, vergangenes Jahr holten sie beim Jungen Münchner Jazzpreis die Silbermedaille.

Eine sehr entspannte Angelegenheit

„Serenade“ heißt die Platte nicht von ungefähr. Die elf Stücke eignen sich wunderbar als Abendständchen. Zugleich zeichnet sich fast jede dieser Miniaturen durch eine faszinierende Vielfalt von Themen aus. Die Komplexität schmälert aber keineswegs die Broadway-Assoziationen, die das Instrumentalalbum immer wieder hervorruft – nicht nur in Jule Stynes einschlägigem Standard „I Fall In Love Too Easily“, den Trio.Diktion zum Dahinschmelzen arrangieren.

Nicht zuletzt mit Hilfe der Gäste Luca Höhmann (Flöte), Tjadina Wake-Walter (Oboe) und Juri de Marco (Horn) verfranzt sich das Ensemble zwischenzeitlich überaus hörenswert in Richtung Neuer Musik. Anderswo verschwimmen die Grenzen zur Klassik. Die Tatsache, dass die Band zwar Kollegen einbindet, aber weiterhin auf ein Schlagzeug verzichtet, macht das Album gleichwohl zu einer sehr entspannten Angelegenheit. Über die Kopfkino-Leinwand mag bei jedem Hörer was Anderes flimmern – aber es dürften durchweg ziemlich coole Filme sein.

Trio.Diktion: „Serenade“ (Golden Ticket/ Kick the Flame) – für 15 Euro erhältlich bei www.triodiktion.de; nächstes Leipziger Konzert: 16. September beim Stadtteilkulturfestival Ost-Lichter.

Von Mathias Wöbking

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