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Kultur Kontroverse Diskussion: Chailly und Schulz in Gewandhaus-Ämtern bestätigt
Nachrichten Kultur Kontroverse Diskussion: Chailly und Schulz in Gewandhaus-Ämtern bestätigt
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18:18 10.07.2013
Riccardo Chailly und Andreas Schulz dürfen ihre Posten im Leipziger Gewandhaus behalten.
Riccardo Chailly und Andreas Schulz dürfen ihre Posten im Leipziger Gewandhaus behalten. Quelle: Zeyen Kempner
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Leipzig

Die Linke hatte Befürchtungen geäußert, dass mit diesen Personalentscheidungen eine Diskussion um strukturelle Veränderungen im Gewandhaus vom Tisch sind.

Mit dem Ratsbeschluss wird Chailly ab 1. August 2015 wiedergewählt und soll auf weitere fünf Jahre Dirigent des Leipziger Gewandhausorchesters bleiben. Von 62 Stadträten stimmten 45 dafür, sechs dagegen und elf enthielten sich der Stimme. Schulz wird für denselben Zeitraum als Gewandhausdirektor bestätigt. Hier war das Ergebnis etwas knapper: Es gab 38 Ja-Stimmen, 14 Gegenstimmen und zehn Enthaltungen.

Skadi Jennicke, kulturpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, lehnte zuvor im Rat eine Zustimmung zur Vorlage ab. Mit den Vertragsverlängerungen sei die kulturpolitische Debatte um strukturelle Veränderungen bei den Eigenbetrieben der Stadt vorzeitig beendet. Jennicke zitierte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit Aussagen, dass mit Chailly und Schulz solche Veränderungen schwierig bis unmöglich seien.

Jung stellte klar: "Mit Chailly ist allein eine strukturelle Veränderung nicht möglich, die auf die Aufgabe des Eigenbetriebs Gewandhaus zielt."  Ausdrücklich nicht ausgeschlossen sei die strukturelle Zusammenarbeit auf anderen Ebenen.

Der OBM betonte auch, dass der Gewandhauskapellmeister, anders als in der Diskussion zum Teil genannt, kein städtischer Angestellter sei, sondern als freier Künstler verpflichtet wäre. Chailly sei "ein Glücksfall für Leipzig" und das Gewandhausorchester das Kostbarste, das Leipzig weltweit als Stadt zu bieten habe.

Kritik an Höhe des Gehalts

Die Stadträte Wolfram Leuze (Bündnis 90/Die Grünen) und FDP-Fraktionschef Reik Hesselbarth zeigten sich über die von den Linken losgetretene Debatte "enttäuscht" und "entsetzt". Bisher habe über Parteigrenzen hinweg Einigkeit geherrscht, dass Leipzig kulturell und touristisch international wahrgenommen werden wolle, "und das geht über das Flaggschiff Gewandhaus", so Hesselbarth.

Unverständnis erntete auch CDU-Stadtrat Holger Gasse, der die Höhe des Gehalts für Gewandhausdirektor Schulz in Frage stellte. Ein Jahressalär von 260.000 Euro ab 2015 und 280.000 Euro ab 2017 sei gegenüber den Leipzigern kaum zu vertreten, die zum Teil unter maroder Infrastruktur in der Stadt litten und "bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zur Kasse gebeten werden."

Ansgar König von den Grünen erwiderte, dass die Summe im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich sei. Schulz sei nicht nur Betriebsdirektor, sondern faktisch auch Intendant des Weltorchesters. "Wenn wir diese Qualität haben wollen, müssen wir das auch zahlen."

Evelyn ter Vehn