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Kultur Künstlerehepaar aus Leipzig fährt mit Kindern und Camper los für ein Kunstprojekt
Nachrichten Kultur Künstlerehepaar aus Leipzig fährt mit Kindern und Camper los für ein Kunstprojekt
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06:00 14.03.2017
Julia und Erik Weiser mit den Kindern Tilda Sun und Oskar.
Julia und Erik Weiser mit den Kindern Tilda Sun und Oskar. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Vor etwa zwei Jahren kam die Idee auf bei der Familie Weiser: Mit dem Camper durch Europa fahren und Kunst auf dem Weg anfertigen. Jetzt kann das Projekt Wirklichkeit werden: Das Wohnmobil ist gekauft, die ersten Punkte auf der Reiseroute stehen fest, die Kinder freuen sich auf den Ausflug in fremde Länder. Die Tour wird in verschiedene Etappen aufgeteilt, mit der ersten startet die Familie voraussichtlich am Freitag, 17. März. „Nach Frankreich und Italien werden wir dann fahren. Wir haben schon Kontakt mit einigen Künstlerresidenzen aufgenommen, die sich auf uns freuen“, so Julia Weiser. Unter anderem werden sie in Lyon eine Ausstellung haben.

„Walz²“ nennt das Ehepaar sein Vorhaben. „Der Name kam uns stimmig vor, er passt zu uns und unserer Art, Kunst zu machen“, sagt Julia Weiser. Auf dem Weg sollen Kunstwerke entstehen, die sich im weiteren Verlauf der Reise auch wieder verändern können. Die 33-Jährige ist Fotografin, ihr Mann Erik Maler sowie Skulpturen-Künstler, aus Alltagsgegenständen baut er seine Objekte zusammen. Die beiden Kinder Oskar (4) und Tilda Sun (2) werden außerdem in die Kunst miteinbezogen.

Die beiden Künstler wollen neugierigen Blick auf die Welt darstellen

„Kinder haben einen ganz anderen Blick auf die Welt. Was für uns alltäglich ist, ist für sie neu“, erklärt Erik Weiser. Diese kindliche Neugier wollen der 39-Jährige und seine Frau in ihre Kunst mitaufnehmen. Schon bei früheren Projekten haben sie sich den neugierigen Blick auf das Alltägliche bewahrt – beispielsweise bei der Serie „peripheral visions“, bei der sie ausgediente Matratzen, Verkehrshütchen und andere Alltagsgegenstände auf ihren Reisen fotografiert haben.

Bei der „Walz²“ soll dieser kindliche Blick noch weiter in die Kunstwerke aufgenommen werden – die nicht nur aus Fotografien bestehen werden. „Wir wollen uns nicht auf eine Kunstform beschränken, sondern verschiedene ausprobieren“, so Julia Weiser. Die auf dem Weg entstehenden Werke sind zudem frei zum Verkauf. Der ursprüngliche Plan war, mit einer Galerie in Leipzig zusammenzuarbeiten und die Werke zur Ausstellung in die Messestadt zu schicken. „Das Projekt ist allerdings schwer greifbar, es fehlen noch die Beispiele, was wir jetzt genau vorhaben“, erklärt Erik Weiser, warum dieser Plan bisher nicht funktioniert hat. Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für die späteren Etappen sind sie weiterhin. Wer dennoch Interesse hat, die Kunstwerke zu sehen, kann sich auf der Homepage der beiden informieren – dort werden die Werke sowie auch die Entstehung dieser dokumentiert.

Förderungen sind schwierig zu finden – Crowdfunding wurde gestartet

Die schwere Greifbarkeit des Projekts hat außerdem zur Folge, dass die Familie für alle Förderungen, die es für Künstler gibt, durchs Raster gefallen ist. „Wir wollen nicht ein paar Monate an einem Ort verbringen beispielsweise. Deswegen fallen aber schon einige der Kunstförderungen für uns weg, die Institute wollen natürlich eine längerfristige Zusammenarbeit“, sagt Julia Weiser. Die Vorfinanzierung der Reise sowie den Kauf des Campers haben sie selbst finanziert. Außerdem startete die Familie eine Crowd­funding-Kampagne. Die erste Etappe ihrer Reise beginnen die vier aber schon, bevor dafür die Frist abläuft. „So können wir den Spendern und Interessierten zeigen, was wir machen auf der Reise, was für Kunstwerke entstehen“, erklärt Erik Weiser.

Die erste Etappe ist auf drei Monate angelegt, danach geht es zurück nach Leipzig. Wann sie dann zur zweiten starten, wird sich eher spontan entscheiden. Auch, welche Länder sie dann bereisen werden, steht noch nicht fest. „Generell würden wir gern durch ganz Europa fahren. England ist für uns interessant, aber auch die Ostblock-Staaten oder noch weiter in den Süden nach Spanien“, erzählt Erik Weiser. Da die Kinder noch nicht schulpflichtig sind, ist dem Ende ihres Kunstprojekts erstmal kein Ende gesetzt. Etwa ein bis eineinhalb Jahre auf Reisen kann sich das Ehepaar vorstellen.

Homepage des Künstlerehepaars: www.jeweiser.de/;
die Crowdfunding-Kampagne ist auf www.visionbakery.com/walz zu finden.

Von Andrea Schulze