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Kultur Regional 13 Deutschland-Debütanten aus 12 Ländern bei der Newcomershow 2019 im Krystallpalast
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13:51 05.07.2019
Virile Anmut: Reifen-Jongleur Thomas Staath aus dem Elsass. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Ja, sie sind alle gut, verdammt gut sogar, die 13 Paare und Solisten, die sich unter 376 Bewerbern aus über 50 Ländern aus ebensovielen Varieté-Genres qualifiziert haben für die 19. Newcomershow des Krystallpalast-Varietés. Und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sie am Sonntag, bei der letzten Show, die mittlerweile einer der wichtigsten Branchen-Treffs in Europa ist, nicht allesamt mindestens ein Engagement mitnähmen.

So sinnlich wie poetisch

Neue Farben im internationalen Varieté-Geschäft auf der Bühne des Leipziger Krystallpalastes.

Der fünffache Weltmeister Shu Takada aus Japan beispielsweise, der seine Yoyos kurzschließt mit einer an fernöstlicher Kampfkunst geschulten Choreographie zu herber Elektronik-Bastelei. Das verleiht dem spektakulären Wirbeln seiner avancierten Spielzeuge eine beinahe aggresive Wirkung. Oder Anton Mikheev aus Russland, der an den Strapaten seine spektakuläre Körperbeherrschung und sein ebenso spektakuläres Ballgefühl auslebt. Oder Braunny Lopez aus Mexico mit seiner herrlich nostalgischen Hut-Jonglage und Danil Lysenko aus der Ukraine, der ebenfalls jongliert – mit bis zu einem Dutzend Ringen. Oder Shena Tschofen aus den USA, die im Roue Cyr, einer Art einspurigem Rhönrad, so elegant und sinnlich wie poetisch ihre virtuosen Kreise dreht – nicht anders als Marta Madry aus Polen, die mit ihren Hula-Hoop-Reifen ebenfalls auf zartere Töne setzt, auf Geschmeidigkeit und Zartheit.

Ziemlich sexy oder wunderbar altmodisch

Das Pole Duo Heart’s Desire aus der Ukraine geht die erste gemeinsame Nummer an der senkrechten Stange ziemlich sexy an. Der mittelamüsante Conférencier Martin Quilitz zeigt sich „sehr berührt“ von dieser via Artistik „erzählten Liebesgeschichte“. Man könnte es auch anders deuten, expliziter – was aber nichts daran ändert, dass auch dieser Auftritt höchst beeindruckend gerät. Wie die kleinen feinen und wunderbar altmodischen Mundstab-Balancen Mica Paprikas aus Portugal. Sie alle möchte und wird man wiedersehen auf den Kleinkunst-Bühnen und in den Zirkus-Arenen der Welt.

Das Bessere ist des Guten Feind

Aber die Newcomer-Show ist auch eine Art Wettbewerb. Im Wettbewerb ist, anders als bei einer dramaturgisch fein ausbalancierten Show, das Bessere des Guten Feind. Und für das Bessere stehen hier vier Auftritte, die höchstes artistisches Können mit schrägem Humor verbinden und ganz neue Saiten anschlagen im Kleinkunstgeschäft.

Zum Brüllen

Nun ja – mit dem höchsten artistischen Können ist das bei Ugo Sanchez jr. aus Italien so eine Sache. Denn der spielt zwar achtbar Ukulele und profiliert sich mit John Lennons „Imagine“ zeitgleich als solider Kunstgurgler. Aber einzigartig sind diese Fertigkeiten nicht. Schon gar nicht die als Kunstschütze mit der Wasser-Pump-Gun. Einzigartig aber ist der Witz, den seine beiden Auftritte entwickeln. Weil Sanchez schon als Typ zum Brüllen ist und die provokante Behäbigkeit, mit der er mit immer größeren Spritzpistolen-Kalibern an der Kerze vorbei ins Publikum zielt, steigert das Glucksen alsbald in kollektive Lach-Raserei.

Beherzte Tritte in die Weichteile

Zum Brüllen ist auch das Trapezduo The Amazing Other aus Norwegen und Dänemark. Eivind Øverland und Lalla La Cour schrauben ihre vollendete Luftakrobatik zusammen mit dem derben Gekeile des Wrestlings. Da tritt sie ihm beherzt in die Weichteile, zerrt er sie an den Haaren in luftige Höhen, geht es überhaupt wenig zimperlich zu, was die Albernheit einschlägiger Showkämpfe vollends ad absurdum führt und die internationale Show-Szene um eine sehr spezielle Farbe bereichert.

Der Wikinger aus dem Elsass

Das tut auch Thomas Staath, der bärtige Hüne aus dem Elsass, der ebenfalls zwei Dinge kombiniert, die sich auf den ersten Blick gegenseitig ausschließen: grobe Manneskraft auf der einen Seite und tänzerische Anmut auf der anderen. Staath, der eher aussieht wie ein Wikinger, hantiert und jongliert mit Autoreifen – und findet zwischendrin zur Wilhelm-Tell-Ouvertüre Gioacchino Rossinis immer wieder grazile Primaballerina-Posen. Herrlich abgedreht.

Der Karton der Baba Yaga

Aber nicht so abgedreht wie das Duo Mawarimichi aus Japan. Chikara, studierter Linguist, und Tomoya, ein Historiker, der sich der Geschichte der Zauberei verschrieben hat, haben einen Klassiker im Gepäck: das Schwerterkabinett. Doch ist bei ihnen alles anders als bei anderen Illusionisten. Da werden Schwerter zu Regenschirmen, das Kabinett zum ranzigen Pappkarton. Das Tempo ist rasant, die Bildsprache anarchisch bis surreal. Und spätestens, wenn der Karton mit dem Japaner und den Schirmen drin auf behaarten Männerbeinen über die Bühne läuft wie weiland die Hütte der Baba Yaga auf ihren Hühner-Stelzen, bleibt kein Auge trocken im voll besetzten Saal. Grandios skurril.

Mal schauen, ob das die Jury aus Artisten und von großen Kleinkunstbühnen des Landes am Sonntag genauso sieht, und wer am Ende neben den Engagements auch die Preise mit nach Hause nimmt. Den Großen Preis der Jury, der mit einem Engagement im Krystallpalast Varieté verbunden ist, und den Publikumspreis der Newcomershow 2019.

Die Vorstellungen am 5., 6., und 7., Juli sind ausverkauft. Die 20. Ausgabe der Newcomershow wird darum im kommenden Jahr häufiger gezeigt, vom 2. bis 12. Juli nämlich. www.krystallpalastvariete.de

Von Peter Korfmacher

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