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Kultur Regional Ein Kammermusik-Ständchen vom Gewandhauskapellmeister in Leipzig
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16:26 11.09.2019
Andris Nelsons an der Trompete, Lauma Skride begleitet am Klavier. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Das Clara-Jahr ist zwar nicht mehr jung – jubiliert wird bereits seit Jahresbeginn, doch die eigentliche Feier, die Schumann-Festwochen rund um den 200. Geburtstag der in Leipzig geborenen Komponistin, Pianistin, Pädagogin (und Ehefrau Robert Schumanns), die hat gerade erst begonnen. Auch am Gewandhaus schickt man sich an, in den Chor der Gratulanten einzustimmen, standesgemäß mit einem Großen Concert, in dem heute und morgen Lauma Skride und Andris Nelsons das Klavierkonzert der 15-jährigen Clara Wieck zum Klingen bringen.

Matt glänzt die Trompete

Es ist nicht nur im Festjahr das meistgespielte Werk der Komponistin, dokumentiert durch zahlreiche CD-Einspielungen. Singulär im besten Wortsinn ist hingegen Andris Nelsons’ Beitrag zu den Jubiläumsfeierlichkeiten. Bei der Kammermusik im Mendelsohn-Saal bläst der Gewandhauskapellmeister, von Hause aus ja gelernter Trompeter, die Gesangsstimme zweier ihrer Lieder.

Ein Originalwerk für Blechbläser gibt es von der Jubilarin schließlich nicht. Passend zu Abschiedswehmut und Trennungsschmerz in den Gedichten Robert Burns’ („Am Strande“) und Heinrich Heines („Ihr Bildnis“) lässt Nelsons seine Trompete nicht hell strahlen, sondern matt glänzen – eine Tongebung, die er in Sofia Gubaidulinas „Lied ohne Worte“ noch weiter abdunkelt und damit in die Sphäre meditativer Ruhe rückt.

Sinnbild der Hoffnung

Wie die Russin Gubaidulina zählen auch die Geschwister Nadia und Lilli Boulanger zu den zentralen Komponistinnen des 20. Jahrhunderts. Während sich die sechs Jahre ältere Nadia vor allem als generationsprägende Kompositionslehrerin einen Namen machte, war der 24-jährig an einer Lungenkrankheit verstorbenen Lili nur ein kurzes Künstlerinnenleben beschieden. Ihr im Todesjahr 1918 entstandenes Diptychon „D’un soir triste“ und „D’un matin de printemps“ für Klaviertrio kann denn auch als musikalisches Sinnbild für die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gelesen werden.

Hoffnung nicht spenden – sondern erzwingen

Besonders das Stimmungsamalgam der „traurigen Nacht“, mit seinen modal mäandernden, sich ballenden, berstenden und momentweise begütigenden Klängen, hinterlässt einen starken Eindruck. Lauma Skride am Klavier meidet jede spätromantische Schwülstigkeit, was der niederländischen Cellisten Harriet Krijgh erlaubt, die Eingangsmelodie umso glutvoll-drängender vorzutragen, zu der Laumas Schwester Baiba mit sphärisch-schwebendem Geigenklang den Gegenpart bildet. Hoffnung nicht spenden, sondern erzwingen möchte dagegen der leichtherzig hüpfende „Frühlingsmorgen“, dessen sorgloser Bewegungsdrang letztlich in beklemmendes Getriebenheit umschlägt.

Ausgelassene Wonne

Ein ähnlicher Stimmungswandel, von anfänglicher Beklemmung hin zu gelöster Heiterkeit, findet sich auch in Clara Schumanns 1853 komponierten „Drei Romanzen für Violine und Klavier“ op. 22. Wunderbar, wie sich Baiba und Lauma Skride in inniger Zweisamkeit ihre Kantilenen zuflüstern – eine Reserviertheit, die erst im dritten Stück, dem Hochgefühl ausgelassener Wonne Platz macht.

Hier scheint die Komponistin Clara Schumann ganz bei sich selbst angekommen zu sein. Der Drang, in einer künstlerisch hochstehenden Gattung reüssieren zu wollen, ist hingegen dem viersätzigen Klaviertrio op. 17 anzumerken. Ein ambitioniertes Werk, bei dem die Musikerinnen dank straffer Tempi und transparentem Klangbild jedweder biedermeierlicher Gefühligkeit eine Absage erteilen, sich im neckischen Scherzo ein Augenzwinkern nicht verbieten lassen und im Allegretto das obligatorische fugato virtuos durchdringen statt schulmeisterlich zu buchstabieren.

Natürlich kommt in dieser Geburtstagkammermusik auch Komponistengatte Robert zu Wort, mit den von Harriet Krijgh und Lauma Skride zupackend dargebotenem „Adagio und Allegro für Violoncello und Klavier“ op. 70.

Gewichtiger fällt sein Anteil am Großen Concert aus, wo er an Claras Seite mit seiner überschwänglichen „Frühlingssinfonie“ vertreten sein wird. Dann tauscht auch Andris Nelsons die Trompete wieder gegen den Dirigentenstab ein.

Von Werner Kopfmüller

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