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Kultur Regional 5Raumfenster und der Traum vom eigenen Ding
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16:27 07.10.2019
5Raumfenster-Delegation vor dem Café Satz der LVZ: Conny Wendler, Franzel Schütz und Lorenz Weidinger (von links). Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Geschichte von 5Raumfenster begann in der Schule. Vor drei Jahren fanden sich die beiden Bandältesten Conny Wendler und Max Schwarze, heute 20 Jahre alt, in der Schulband hinter Schlagzeug und Bass wieder. Für die Gitarre heuerten sie den mittlerweile 17-jährigen Lorenz Weidinger an und holten noch Connys Bruder Hans, heute 14, mit ins Boot. Zu guter Letzt stieg vor eineinhalb Jahren Franzel Schütz als Sänger und Gitarrist mit ein, der vorher in der Grimmaer Band „Der Geräusch“ aktiv war. Die Gruppe war komplett. 2017 errang sie beim Bandclash-Landesfinale den Publikumspreis. Seitdem tritt sie deutschlandweit auf, gibt Konzerte in Dresden, Brandenburg und Bremerhaven.

Der Name entstand ganz banal im ersten Bandstudio in Borna: Der Raum hatte fünf Fenster. Aus dem Ursprungsgedanken eines Fünf-Fenster-Raumes wurde 5Raumfenster. Es sei also – im Gegensatz zu so mancher Spekulation – nie die Absicht gewesen, die Anzahl der Mitglieder in den Bandnamen einzubringen, bemerkt Conny. Schnell wird klar, wer bei 5Raumfenster der Mann für alles ist. „Ich könnte jetzt behaupten, jeder hat gleich viel zu sagen“, beginnt Conny. „Aber ich glaube, das wäre gelogen.“ Er ist der kühle Kopf, er nimmt das Ruder in die Hand und organisiert alles. Die anderen seien dafür zu verplant, so Franzel. Aber die Rollenteilung funktioniere problemlos, kein Grund für Auseinandersetzungen. Große Entscheidungen werden natürlich gemeinsam getroffen.

Demos mit Diskussionsbedarf

Das Schreiben der Songs übernehmen Conny, Lorenz und Franzel, der Komposition studiert. Dafür treffen sie sich regelmäßig bei Franzel zu Hause, nehmen Demos auf und diskutieren bei der nächsten Probe gemeinsam, wie es weitergeht. Lachend stimmen alle überein, dass Max das personifizierte Shuttle der Band von einem zum anderen Konzert sei. Mit einem Hauch von Stolz in der Stimme verkündet Conny, dass ihm einiges an Arbeit abgenommen werde, seit die Jungs vor kurzem bei der Agentur „Sinnlich Kollektiv“ gelandet sind.

Den Alltag kompatibel mit einem so zeitaufwendigen Hobby zu gestalten, ist schwierig. Gerade von Frühjahr bis Herbst stehen zahlreiche Open-Airs an, dazu kommen die täglichen Proben. Übrig bleibt ein einsamer flexibler Tag in der Woche. „Man muss Prioritäten setzen, und klar leidet die Schule manchmal darunter“, gibt Lorenz zu. Aber nicht so sehr, dass die Eltern schimpfen. Na, also. Ein Seitenblick auf Conny, ein zustimmendes Schmunzeln – ja, auch dessen Studium könnte mehr Einsatzzeit vertragen. Doch trotz ihres gemeinsamen Traums, die Musik zum Beruf zu machen, würde niemand Schule, Studium oder Ausbildung über Bord werfen.

Konzerte sind ihnen am wichtigsten

Seit der Gründung der Band haben sie Bühnenerfahrung gesammelt, sich ein Studio aufgebaut und in ihrer Heimatstadt Borna einen Namen gemacht. Seit etwa zwei Jahren bewegen sie sich von der Cover-Schiene weg, und es geht bergauf. „Als ich bei den Jungs angefangen habe, hätte ich nicht gedacht, dass wir mal ein Release-Konzert in der Distillery spielen“, jubelt Franzel. „Für mich persönlich sind die Live-Auftritte mit das Wichtigste. Weil das die beste Möglichkeit ist, Feedback zu bekommen“, sagt er. Das kann dann auch mal ungewohnt ausfallen. Einmal seien beim Markkleeberger Stadtfest einige ältere Frauen auf ihn zugekommen und hätten ihn gefragt, ob er denn so rumschreien müsse? Eine Routine sei nie entstanden. Für Conny sind die Konzerte der Hauptgrund für die gemeinsame Arbeit: „Es bedeutet mir auch viel, diese Erfahrungen gemeinsam mit meinen engsten Freunden machen zu dürfen. Das fühlt sich wie ein Kurzurlaub an.“

Doch wie gehen so junge Charaktere mit all den „Ego-Pushern“ um? Wie beispielsweise Franzel, der am Augustusplatz von einer Frau erkannt wurde, weil sie zufällig in dem Moment die Band auf Spotify hörte. Oder Conny, der beim Plakate-Aufhängen wiedererkannt wurde. Vielleicht ist es der humorvolle und selbstironische Umgang mit den kleinen Erfolgen, der die Musiker am Boden hält.

Politisch neutral

Ihr gerade veröffentlichtes Mini-Album entstand bei einer Reihe von Studiotagen mit bereits bekannten Songs sowie vier neuen Liedern, darunter „Geh Jetzt“. Der habe mit einem Streit in der Band zu tun. In der Auseinandersetzung warf Conny seinem Gegenüber an den Kopf: „Für mich ist das viel schlimmer als für dich, denn du bist viel schlimmer als ich.“ Nach einiger Zeit wurde ein Song daraus.

„Wir haben schon oft gehört, wie Kraftklub zu klingen“, meint Franzel. Aber sie hätten sich nie vorgenommen, eine Band zu imitieren und würden sich auch nie mit anderen vergleichen. Eigentlich wollen die fünf Jungs ja ihr eigenes Ding machen, sich selbst verwirklichen. Der Musikstil entstehe also nicht durch gemeinsame Vorbilder, sondern durch die unterschiedlichen musikalischen Vorlieben jedes Einzelnen. Da gehören Oldies, Metal, aber auch Deutsch-Punk dazu. Das Thema Politik sei innerhalb der Gruppe umstritten, jeder habe seine eigenen Ansichten. Nach außen hin aber will die Band neutral auftreten und die Songs bewusst nicht politisch gestalten. „Musik sollte für jeden zugänglich sein“, sagt Conny. Obwohl sie kein Geheimnis daraus machen, nichts von der AfD zu halten.

Von Luisa Buthig

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