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Kultur Regional „8kids stehen für Weltoffenheit“
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18:30 13.11.2019
Die 8kids sind zu dritt: Hans Koch, Emma McLellan und Jonas Jakob (von links). Quelle: Franz Scheper
Leipzig

Harte Gitarren, durchdringender Schreigesang und emotionale Texte: Das junge Post-Hardcore-Trio 8kids hat sich schnell in die Herzen zahlreicher Fans gespielt und stand dabei auch schon auf den großen Bühnen von Highfield, With Full Force und Co. Auf ihrem zweiten Album „Blüten“ werfen die Darmstädter noch mal eine gute Schippe Punk und eine kleine Prise Pop in den musikalischen Kessel. Am Donnerstag spielen sie im Naumanns. Texter, Komponist und Gitarrist Hans Koch hat vorher im Interview über Politik, Wahrhaftigkeit und Kindheitserinnerungen gesprochen.

Mit eurem Debüt wart ihr viel auf Festivals unterwegs, habt größere Bands supportet und eigene Shows gespielt. Wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Die Zeit war wahnsinnig intensiv und inspirierend. Wir machen ja alle schon lange Musik in unterschiedlichsten Projekten und haben schon immer davon geträumt, mal auf den großen Festivals zu spielen. Da hatte sich schon so ein Gefühl von Fassungslosigkeit bei uns breit gemacht. Wir waren zwar schon immer selbstbewusst im positiven Sinne, also wollten mehr als nur eine Proberaum-Band sein, die ab und zu mal eine Tour spielt, aber dass es dann so schnell mit den coolen Festivals und etlichen guten Support-Gigs geht, hätten wir selbst nicht gedacht.

Wie seid ihr dann das zweite Album „Blüten“ angegangen? Was wolltet ihr ändern, was beibehalten?

Es gab keinen korrekten Zeitpunkt, an dem wir sagten, „wir beginnen nun mit Album 2“. Ich schreibe kontinuierlich Lieder, habe mittlerweile einen riesigen Pool an Ideen, und so entstand ganz organisch Song für Song das neue Album. Gezielt ändern wollten wir nichts, wir wollten uns nur nicht wiederholen. Wir haben über den Schreibprozess bemerkt, dass wir viel gesellschaftskritischer und politischer geworden sind, kein Wunder, bei den aktuellen weltpolitischen Geschehnissen. Im Moment der Aufnahme hat sich alles richtig angefühlt, und das ist immer der beste Weg, um ein Album zu erzeugen, mit dem man langfristig zufrieden sein möchte.

Inwiefern spürt ihr da als Künstler das Bedürfnis oder die Verantwortung, Dinge klar auszusprechen?

Das ist sehr natürlich in uns gewachsen. Beim ersten Album haben wir viel verarbeitet, was noch in unseren Geistern herumschwirrte, das musste man erstmal loswerden, schätze ich. Dann hatte man genug Platz, sich auch von außen mehr Inspiration zu holen. Ich denke, in heutiger Zeit muss jeder Künstler eine klare Haltung einnehmen. Wir haben das große Glück, viele junge Menschen zu erreichen und möchten diesen einerseits erklären, für was wir stehen, und auch etwas mit auf den Weg geben, damit sie sich ihren eigenen Standpunkt schaffen können. Viele haben ja noch keine richtige Haltung oder Meinung zu den aktuellen Themen. 8kids stehen für Weltoffenheit. Wir positionieren uns klar gegen den aufkeimenden Rechtspopulismus, gegen Hass und gegen Intoleranz jeglicher Art. Das kommunizieren wir auch immer klar auf unseren Konzerten.

Das Kindheitsgefühl im Hörer

In eurem Song „Wir bleiben Kids“ lasst ihr mit reichlich Referenzen aus typischer Technik, Filmen, Comics und Musik eurer Kindheit in den 90ern wieder aufleben. Sind das nur Nerd-Spielerein oder wie wichtig sind solche Wurzeln für euch?

Ich denke, die Wichtigkeit dieser Referenzen ist vor allem emotional motiviert. Ob da nun Kurt Cobain oder Tony Sly erwähnt wird, ist im Detail erstmal egal. Menschen, die den Song hören, denken da sowieso an ihre eigenen „Helden der Jugend“. Genauso, wenn wir von alten Spielkonsolen oder Videorekordern singen. Es geht darum, dieses Kindheitsgefühl im Hörer zu wecken, denn das ist in keinem Menschen verloren gegangen, man kann sich nur manchmal schwer die Zeit nehmen, in seinen Erinnerungen zu schwelgen, das wollten wir mit dem Song probieren.

Viele eurer Songs wirken sehr emotional. Neben Jonas’ Gesang und den oft gefühlsintensiven Themen hat man das Gefühl, ihr seid den Geschichten, die ihr da erzählt, sehr nah. Wie nähert ihr euch den Themen in euren Songs?

Zum Großteil sind das Erlebnisse aus dem direkten, privaten Umfeld, auch eigene Erfahrungen. Ich schreibe da immer sehr vorsichtig und detailliert, achte auf jedes Wort und jede Formulierung. Da viele Themen sehr delikat sind, ist es mir wichtig, Formulierungen zu finden, die sowohl eine Emotion erzeugen als auch die Wahrhaftigkeit dieses Moments widerspiegeln. Das ist für mich die größte Herausforderung. Die Musik zu komponieren, macht Spaß und geht mir leicht von der Hand, Texte hingegen sind harte Arbeit, und ich kann gut und gerne mal acht Stunden für zwei Zeilen benötigen.

Das Timing ist entscheidend

Was sind für eine junge Band die Hauptunterschiede zwischen Festival-, Support- oder Einzel-Gig? Was ist anstrengender, was macht mehr Spaß?

Das Entscheidende ist immer das Timing, ob man genug Zeit für Auf- und Abbau hat. Da sind die Einzelshows am stressfreisten, man kann sich genügend Zeit für den Soundcheck lassen, kann dann etwas essen gehen und hat danach noch mal zwei bis drei Stunden Zeit, sich für die Show vorzubereiten. Bei Support-Gigs und Festivals ist alles meist sehr stressig, man hat nur 15 Minuten, um seinen Kram auf die Bühne zu schleppen. Dafür hat man dann aber meistens ein sehr großes Publikum, was das natürlich wieder wettmacht.

Ihr wart mit verschiedenen Bands unterwegs und viel auf Festivals: Wie ist euer Blick auf die Qualitäten und die Abgründe der aktuellen deutschsprachigen Musik?

Mich freut es sehr, dass der Hype für deutschsprachige Musik anhält, damals hat das ja mit Bands wie Wir sind Helden und Juli wieder angefangen. Ich denke, in der aktuellen Zeit möchten die Menschen eine Nähe zum Künstler aufbauen können, das ist mit muttersprachlicher Musik natürlich wesentlich einfacher. Es gibt großartige Musik da draußen, und alles, was nicht diffamierend, antisemitisch oder sexistisch ist, hat eine Daseinsberechtigung.

8 Kids, Donnerstag, 20 Uhr, Naumanns, Karl-Heine-Straße 32, 18,30 Euro

Von Karsten Kriesel

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