Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional A-cappella-Ensemble Calmus feiert Geburtstag in der Thomaskirche
Nachrichten Kultur Kultur Regional A-cappella-Ensemble Calmus feiert Geburtstag in der Thomaskirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:45 13.10.2019
Das Ensemble Calmus (Anja Pöche, Tobias Pöche, Manuel Helmeke, Ludwig Böhme und Stefan Kahle , v.l.) in der Thomaskirche. Quelle: Alexander Prautzsch
Leipzig

„Applaus nur bei den Sternchen in der Programmfolge!“ heißt es in der Ansage vor dem Konzert zu 20. Geburtstag. Dieser Applaus pulsiert reichlich und festlich. Calmus feiert. Das Vokalquintett fühlt sich der Thomaskirche verbunden, die es nach Ausflügen in die Welt und 23 CD-Einspielungen als künstlerische Heimat betrachtet. Calmus blickt zurück und in die Zukunft.

Blumen von Amarcord

Als letzte Zugabe erklingt für die mit von nah und fern gekommenen Anhänger Johann Sebastian Bachs „Dir, dir, Jehova, will ich singen“ BWV 452, wenn man so will der Longseller des erstmals in Borsdorf aufgetretenen Ensembles und die Nummer Eins in seiner Discographie. Überreicht werden Blumen mit Blüten in den Farben von warmem Gold von Amarcord. Mit diesen fünf Herren, ihren konkurrierenden Freunden, heimste Calmus im September für die „Leipziger Disputation“ den Opus Klassik ein. Wenn das nichts zu Feiern ist!

Leipziger Musikfürsten

Derzeit singt das Ensemble Calmus in der Aufstellung mit Anja Pöche (Sopran), Stefan Kahle (Countertenor), Tobias Pöche (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Manuel Helmeke (Bass). Deren Geburtstagskonzert wird zur Huldigung an die lange Reihe Leipziger Musikfürsten: Vokalsätze von Bach bis Mendelssohn über Wagner bis Reger.

Expressive Eindrücke

Dazu gibt es eine Uraufführung, die zum konzertanten und anti-theatralen Selbstverständnis von Calmus kontrastiert: Die Auftragskomposition von Kilian Verburg (geboren 1993) spielt mit dem Raum und allen denkbaren Modi der Stimmbehandlung. Dass es um „Kriegsverherrlichung und posttraumatische Störungen“ geht, bemerken nur Kundige. Dafür geben am Anfang Röcheln, Seufzen, Stöhnen, Aufheulen, die gesprochen Schreie und gestoßene Deklamation einen expressiven Eindruck von dem, was neben der homogenen vokalen Linie von Calmus steht.

Harmonische Klangmalereien

Danach wird einmal mehr in seinem Auferstehungshymnus deutlich, was für ein spannender Exot Edvard Grieg in der Leipziger Musikfamilie ist, weil er schon vor den Impressionisten harmonischen Klangmalereien höchste Priorität beimaß. Unter den Gesängen aus der Linie der Thomaskantoren zeichnet sich Ernst Friedrich Richters „Siehe, um Trost war mir sehr bange“ durch besonders sphärisch wirkende Reinheit aus, der Bach-Verwandte Johann Christoph Altnickol in seinem „Nun danket alle Gott“ durch markante und die Sänger fordernde Sprünge. Mendelssohn beginnt und beschließt den Geburtstagsstrauß mit „Morgengebet“ und „Abendsegen“.

Elegant umschmeichelnde Männerstimmen

Die Klasse von Calmus zeigt sich nicht nur im bisher Erreichten, sondern vor allem in den aufgezeigten Lücken. Weil sie die Hoffnung nähren, dass sie bad gefüllt werden. Brahms, dessen reine Harmonien besonders gut zum Ensemble-Profil von Calmus passen müssten, fehlt zum Beispiel noch. Das merkt man in der Choral-Collage nach Sätzen aus verschiedenen Kantaten und dem Choralvorspiel BWV 642, dem neben der Uraufführung längsten Stück des Abends. Darin wird die vokale Vorsicht der vier die einzige Frauenstimme elegant umschmeichelnden Männerstimmen für nur wenige Sekunden etwas zu dünn.

Die vielen Freunde im Hauptschiff jubeln ausdauernd und erklatschen sich gleich mehrere Zugaben nach zwei Feierstunden, die wie im Flug vergingen.

Von Roland H. Dippel

Die Leipziger Cammerspiele haben mit „196ff“, einer szenischen Installation, jetzt an die 196 Toten erinnert, die seit der deutschen Wiedervereinigung Opfer rechter Gewalt wurden.

13.10.2019

Mit der Schweiz gibt es bei der 29. Leipziger Lachmesse zum ersten Mal ein Gastland. Zum Auftakt bringt die Clown-Komödiantin Gardi Hutter ihr neues Programm „Gaia Gaudi“ ins Schauspielhaus. Im Interview sprich sie über Tod und Lachen.

21.10.2019

Mirko Mahrs Zweiteiler „Zorbas/Balkanfeuer“ setzt im Westbad mit dem Ballett der Musikalischen Komödie Leipzig erfolgreich auf Folklore.

13.10.2019