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Kultur Regional Altes Radio, dunkler Wald: Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse im Schauspiel
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11:56 23.02.2020
Die Nominierten mit den Moderatoren Jörg Plath (l.) und Carsten Tesch (r.): Leif Randt, Ingo Schulze, Maren Kames, Verena Güntner und Lutz Seiler (v.l.). konkurrieren um den Preis der Leipziger Buchmesse. Am Samstag waren sie in der Schauspiel-Dskothek. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Ein Büchertisch fehlt, der Autor liest vom Smartphone ab. Schuld sei der Karneval. Sagt Leif Randt, dessen neuer Roman „Allegro Pastell“ komme nicht raus aus Köln, Verlagssitz von Kiepenheuer & Witsch. Ein Scherz. Bis auf Maren Kames’ Langgedicht „Luna Luna“ und Verena Güntners „Power“ erscheinen die Bücher erst Anfang März, auch Ingo Schulzes „Die rechtschaffenden Mörder“ und Lutz Seilers „Stern 111“. Alle fünf sind für den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, ausgewählt von sieben Juroren.

So kommt das Publikum in der Diskothek des Schauspielhauses Leipzig (der Andrang war enorm, viele mussten weggeschickt werden), in den Genuss einer Exklusivität. Denn die Moderatoren Carsten Tesch (MDR Kultur) und Jörg Plath (DLF Kultur) verwickeln die Autoren in Kurzgespräche über Schreibanlässe – sie geben ihnen aber auch Raum, einen Abschnitt zu lesen. Das alles geht in nicht mal anderthalb Stunden so zügig, dass die bereitgestellten Wasserflaschen beinahe unberührt bleiben.

„Nachholende Dissidenz“

Es wird viel gelacht an diesem Abend, dabei sind die Texte gar nicht vordergründig komisch. Die Selbstironie der Autoren führt zu diesen heiteren Momenten – bei aller grundsätzlichen Ernsthaftigkeit. Was schon mal keine Frage des Alters zu sein scheint bei einer Spanne von Jahrgang 1984 (Kames) bis 1962 (Schulze).

Der in Dresden geborene Schulze liest den Anfang seines Romans, der im Dresden vor der Wende beginnt und zunächst Antiquar Norbert Paulini zur Hauptfigur macht, einen Geistesmenschen alten Schlags, der im Verlauf der Handlung an Souveränität verliert bei zunehmender Radikalität. „Es gibt so eine nachholende Dissidenz“, charakterisiert der Autor seine Figur. „In dem Moment, in dem jemand eindeutig wird, ist er für mich als Figur uninteressant.“

Kunst statt Spielerei

Joseph Roths „Der Leviathan“ sei ihm Impuls für die Annäherung an diese Geschichte gewesen, die in die Gegenwart führt. „Wie man die Vergangenheit sieht, entscheidet über die Zukunft“, sagt Schulze auch mit Blick auf eine Wandlung der Bedeutung des Buches – unter zunächst gesellschaftlichen, dann technischen Umständen.

Wie Gestaltung ein gedrucktes Buch unersetzbar macht, zeigt Maren Kames mit ihrem im Secession Verlag ermöglichten Lyrikband. Zu den ohnehin vielfältigen Ebenen des Empfindens kommen hier Typographie und Layout auf eine Weise, in der sie als Kunst, nicht als Spielerei verstanden werden.

Im Chaos mit erkennbaren Mustern vereiteln Worte und Klang jeden Versuch, unberührt zu bleiben. Kommt Witz dazu, wird’s schwebend. „Ich lach mich kaputt“, formuliert es Moderator Plath, „aber eben: kaputt“.

„Deutungs-Kreativität“

Verena Güntner habe, sagt sie, den Stoff ihres zweiten Romans „mit Trotz durchgebracht“. Ein Buch, in dem es um Konsequenz der Verweigerung geht. Ein Mädchen namens Kerze zieht in den Wald, um den Hund Power zu finden. Immer mehr Kinder schließen sich an. Die Heldin glaubt „schon sehr lange daran, dass sich die Welt ihrem Willen beugen wird“. Moderator Tesch prophezeit diesem – nicht realistischen – Roman einer Radikalisierung vielfältige „Deutungs-Kreativität“.

All diese nominierten Bücher können als Einladung gelesen werden, über Gesellschaft nachzudenken. Bei Leif Randt sind die Kinder der sozialmedialen Revolution ein Paar, dem er aus satirischer Distanz und in „vorauseilender Wehmut“ das Pulver des Zweifels in die Laken streut. Da wird viel „getextet“, und so passt es natürlich perfekt, dass Randt seinen Text vom Smartphone abliest.

„Taktgeber für den Alltag“

Lutz Seiler reist mit „Stern 111“ zurück ins Jahr 1989, allerdings ohne eine Fortsetzung seines Erfolgs „Kruso“ zu schreiben. „Das war ein Insel-Roman, und Inseln sind begrenzt“, sagt er, doch Kruso und Ed bekommen einen Gastauftritt. Ansonsten ist es Carl, der das Erbe seiner in den Westen ziehenden Eltern ausschlägt und klarkommen muss im Berlin der Nachwendezeit. Das Stern-Radio konnte „Taktgeber für den Alltag“ sein, sagt Seiler. „Fürs Erzählen werden diese Dinge immer wertvoller.“

MDR Kultur sendet einen Mitschnitt der Veranstaltung am 27. Februar, 22 Uhr, DLF Kultur am 1. März (22.05 Uhr, leicht gekürzt)

Die Belletristik-Finalisten

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben. Mit ihren Romanen sind nominiert:

Verena Güntner: „Power“ (DuMont Verlag)

Maren Kames: „Luna Luna“ (Secession Verlag)

Leif Randt „Allegro Pastell“ (Kiepenheuer & Witsch)

Ingo Schulze „Die rechtschaffenen Mörder“ (S. Fischer)

Lutz Seiler „Stern 111“ (Suhrkamp)

Die Preise in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essay und Übersetzung sind mit jeweils 20 000 Euro dotiert. Die drei Preisträger werden am 12. März auf der Buchmesse bekanntgegeben: 16 Uhr, in der Glashalle.

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