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Kultur Regional Amarcord und Calmus präsentieren den Soundtrack zur Reformation im Bachfest und auf CD
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17:13 12.03.2019
Die vereinigten Ensembles Amarcord und Calmus sowie Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (erste Reine, 4. von rechts), Bachfest-Intendant Michael Maul (rechts daneben) und Thomaskirchen-Pfarrerin Britta Taddiken mit dem Soundtrack zur Leipziger Disputation im Sommersaal des Bach-Archivs. Quelle: Kempner
Leipzig

Bachfest-Intendant Michael Maul hat sein breitestes Ganzkörperstrahlen aufgesetzt: „Durch die Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender wurden ja zehn Tage übersprungen. Dadurch ist der 16. Juni heute sozusagen der 27. Juni von einst.“ Das ist ihm wichtig. Denn so finde das Bach-Fest-Konzert zum Jubiläum der Leipziger Disputation wirklich genau 500 Jahre nach dem Gottesdienst in der Thomaskirche statt, der die dreiwöchigen Streitgespräche eröffnete, in denen Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchton mit dem katholischen Theologen Johannes Eck debattierten. Dieser Disput führte bei Luther zur Einsicht, dass kein Weg am Bruch mit Rom vorbeiführe.

Städtischer Schwerpunkt

CD „Leipziger Disputation“ Quelle: Kempner

Obschon Mauls kalendarischer Taschenspieler-Trick in die falsche Richtung läuft, weil ja Tage fehlten und keine dazukamen, ist es gut, dass sein Bachfest 2019 mit einem Festkonzert und einem Thementag noch einmal an dieses epochale Ereignis erinnert. Die Stadt Leipzig hat dem Jubiläum überdies einen kleinen Gedenk-Schwerpunkt gewidmet, den sie sich 35 400 Euro kosten lässt und der am 25. Juni im Paulinum in die Leipziger Disputation „Mit Religion Staat machen“ mündet, bei der Gregor Gysi und Annegret Kramp-Karrenbauer miteinander diskutieren. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke gestern bei der Präsentation im Sommersaal des Bach-Archivs: „Die Disputation ist ein Alleinstellungsmerkmal für Leipzig. Und ich glaube mit Blick auf die wirklich sehr streitbaren Thesen von damals, dass wir viel lernen können von diesem Mut, Positionen gegeneinander zu stellen. Man muss das Unversöhnliche aushalten, ohne dass man sich dabei persönlich überwirft.“

Zwölfstimmiges Prachtwerk

Das Unversöhnliche wurde vor 500 Jahren durchaus auch mit den Mitteln der Musik ausgefochten. Dass die für Luther eine ungeheuer große Rolle spielte, ist bekannt. Manche seiner Choräle, in denen er forsch zu Papst- und Türkenmord ermunterte, wurden regelrechte Kampflieder – und die Gegenseite hielt es nicht grundlegend anders. Diese Debatten-Musik der Renaissance gruppieren die Leipziger Ensembles Amarcord und Calmus um Antoine Brumels (um 1460 – nach 1513) Missa Et ecce terrae motus herum, die, wie der Bachforscher Michael Maul stichhaltig nachwies, die Thomaner am 27. Juni 1519 wohl im Eröffnungsgottesdienst zur Disputation sangen. Diese Erdbeben-Messe, ein zwölfstimmiges Prachtwerk, für das die beiden Ensembles noch die Sopranistinnen Anna Kellnhofer und Isabel Schicketanz verpflichteten, ist ein einzigartiges Meisterwerk der Zeit. Dass der damalige Thomaskantor Georg Rhau sie auswählte, zeugt vom Stellenwert, den man der Disputation beimaß.

Ensemble-Disput

Die Messe ist bei Carus taufrisch auch auf CD erschienen. „Leipziger Disputation“ heißt die schlicht, und auch einige der konfessionellen Bekenntnis-, Debatten- und Kampflieder, die im Bachfest-Programm des 16. Juni vorkommen, sind darauf vertreten. Wobei das Calmus-Ensemble wegen seiner originellen Besetzung, zu der neben den vier Männern Sebastian Krause, Tobias Pöche, Ludwig Böhme und Manuel Helmeke die Sopranistin Anja Pöche gehört, sich um die protestantischen Beiträge kümmern, während bei den rein männlichen Amarcordlern (Wolfram Lattke, Robert Pohlers, Frank Ozimek, Daniel Knauft, Holger Krause) die katholischen Klänge bestens aufgehoben sind.

Diese musikalische Disputation ist schon auf Tonträger ungeheuer sinnlich, beeindruckend, beredt – und auch unterhaltsam. Die Chance, diese Musik am historischen Aufführungsort in der Thomaskirche zu hören, sollte man sich folglich nicht entgehen lassen.

16. Juni, 17 Uhr, Thomaskirche: Festkonzert 500 Jahre Leipziger Disputation. Infos und Karten; www.bachfestleipzig.de; 25. Juni, 20 Uhr, Paulinum: Leipziger Disputation „Mit Religion Staat machen“: Es diskutieren Gregor Gysi und Annegret Kramp-Karrenbauer, dazu singen Amarcord und Calmus Ausschnitte aus Brumels Missa Et ecce terrae motus. Der Eintritt ist frei.

Von Peter Korfmacher

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