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Kultur Regional André Rieu samt Sopranen, Tenören, Frauenchörchen und Orchester gefeiert
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12:23 03.05.2019
André Rieu in der Arena Leipzig. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Um Viertel vor neun beginnt es zu schneien. Das ist aus mehrerlei Gründen überraschend: Erstens beherrschten zuvor eher südliche Sommer-Szenarien das Geschehen, der Hafen von Portovenere, die Piazza dell’Anfiteatro in Lucca, Kirchtürme in Flandern, ein wenig China ... Und zweitens sind wir drinnen. In der bis zum Anschlag bestuhlten und gefüllten Arena Leipzig. Wo vorn André Rieu und sein Orchester am Donnerstagabend eine D

Zweieinhalb Stunden lang sind die Fans in der Arena Leipzig hochzufrieden mit ihrem geigenden Star.

reiviertelstunde nach Konzertbeginn den ersten einschlägigen Dreivierteltakt anstimmen.

Der einzig wahre Stehgeiger

Es handelt sich um den „Schnee-Schnee-Schnee-Walzer“, und die Reihen acht bis zehn im Parkett verschwinden im dichten Gestöber weißer Plastikschnipsel. Hin und wieder zeigen die gestochen scharfen und brillant farbigen Video-Wände nur wenig amüsierte Gesichter. Aber die weitaus meisten im Saal kriegen sich kaum wieder ein angesichts dieser ökologisch bedenklichen Alberei. Sie passt wunderbar ins Konzept der aktuellen Tour. Denn in den rund zweieinhalb Jahrzehnten, in denen der einzig wahre Stehgeiger aus Holland mit seinem Orchester den Globus umrundet, hat er einen stillen Witz entwickelt, einen selbstironischen Zug um die Mundwinkel, die auf der Bühne alles zulassen. Wirklich alles. Das gilt für die Choreographien seines üppig besetzten Orchesters und des so überschaubaren wie ansehnlichen Damenchörchens, der drei Tenöre und ebenso vielen Sopranistinnen, der Instrumentalsolisten und für den Meister selbst, der mit stillen Pointen und heiserer Stimme durch den Abend führt.

Abklatsch-Einmarsch

Der beginnt diesmal – nach dem obligatorischen Abklatsch-Einmarsch durch den Mittelgang, in Italien. Mit Modugnos „Volare“, Göhlers „Tiritomba“ und Puccinis „Nessun dorma“ – von den „Platin Tenors“, Garry Bennet aus Australien, Bela Mavrak aus Ungarn und Serge Bosch aus Belgien, „so gesungen, wie Sie es noch nie gehört haben“. Damit nimmt Rieu den Mund nicht zu voll. Denn obschon die drei auf den ersten Blick noch recht kompetent und stimmgewaltig im Windschatten anderer Tripel-Tenöre navigieren, gehen sie auf den zweiten einen großen Schritt weiter: In „Nessun dorma“ kommen sie völlig ohne Takt und Metrum aus – und sind doch, von André Rieu souverän angeleitet, im Tempo oft recht nah zusammen.

Glockenturm-Akrobatik

Das gilt auch für die Instrumentalkollegen an Xylophon und Glockenspiel (nein, nicht Stab-, auch nicht Röhrenglocken, sondern richtige in einem eigens auf der Bühne aufgerichteten Kirchturm!), die sogar im atemberaubenden Tempo beieinander bleiben. Es gilt allerdings nicht fürs zerbrechliche Adagio aus dem Concierto Aranjuez von Joaquin Rodrigos, für Glocken und Orchester und Frauenstimmen als pompöse Dauer-Fortissimo-Studie aufgeblasen, bei der kein Ton mehr auf dem anderen bleibt. Hier hört man dies sogar im Orchester, das ansonsten so pauschal aus dem Lautsprechern tönt, dass es schon verwundert, dass der Vollprofi Rieu seinen Technikern diesen Sound diesmal hat durchgehen lassen.

Eine Menge Spaß

Aber er charmiert seine Fans in der Arena so ausdauernd als bestes, musikalischstes, enthusiastischstes, treustes, liebenswertestes Publikum der ganzen weiten Welt an, dass die ihm ohnehin nichts übelnehmen. Wozu auch nicht allzu viel Veranlassung besteht. Denn wo Rieu draufsteht, ist auch Rieu drin: neben dem Meister ziemlich viele solide ausgebildete Musiker, die offenkundig und glaubwürdig alle eine Menge Spaß haben an ihrem musikalischen Treiben – und an Arrangements, die so hemmungslos auf die Zwölf zielen, dass es vielleicht auch besser ist, wenn die Akustik hin und wieder mild ein Auge zudrückt. Und die Rechnung geht auf. Rund zweieinhalb Stunden lang – am besten im Dreivierteltakt, dem echten, der ab dem ersten Schneegestöber des Abends immer häufiger vorkommt.

Von Peter Korfmacher

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