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Kultur Regional Andris Nelsons’ Großes Concert zur Boston-Woche des Gewandhausorchesters
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10:11 22.06.2018
Weltklasse-Bariton Thomas Hampson in Leipzig Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist Boston-Woche. Folglich stehen die aktuellen großen Concerte des Gewandhausorchesters im Zeichen des Repertoires, mit dem das Boston Symphony Orchestra, der zweite Klangkörper des Gewandhauskapellmeisters, im 20. Jahrhundert Weltgeltung erlangt hat. Oder auch nicht: Denn mehr als die konkreten Werke sind ihre Komponisten verbunden mit dem wahrscheinlich derzeit besten unter den US-Orchestern. Aber es hat noch nie geschadet, Programme eher nach dramaturgischen Gesichtspunkten zu bauen als nach kuratorischen. Und so gehören die letzten Großen Concerte im Gewandhaus zu den besten der ersten Saison des frisch gebackenen Gewandhauskapellmeisters Andris Nelsons.

Im Zentrum stehen vor der Pause die auf den ersten schlichten und auf den zweiten Blick höchst komplexen Old American Songs Aaron Coplands (1900–1990) und danach Elliott Carters (1908–2012) sperrigeres Konzert für Klarinette und Orchester. Nur rund 40 Jahre liegen zwischen beiden Werken der beiden Zeitgenossen – und doch eine Welt. Denn Carter macht seinem Ruf alle Ehre, der kompromissloseste, auch der europäischste unter den US-Komponisten dieser Generation zu sein.

Virtuos ist der Solo-Part, den Jörg Widmann übernimmt, der Gewandhauskomponist der endenden Saison. Angeberisch ist er nicht. Die Schönheit liegt ein wenig verborgen im Klangzauber, den Carter erzeugt, indem er in jedem der sechs Sätze andere kammermusikalische Kombinationen des ziemlich kleinen Orchesters die Klarinette umspielen lässt. Nelsons organisiert dieses komplexe Filigran mit musikantischer Flexibilität, gerade so viel Üppigkeit zulassend, dass die Struktur nicht leidet. Der auch am Instrument famose Widmann, für dieses Konzert einer der besten Interpreten, die man sich vorstellen kann, ist bei seiner Wanderung durchs Orchester auf der Suche nach Partnern, nicht nach Begleitern. Und die Selbstverständlichkeit, mit der die Musiker ihm auf dieser Reise folgen, zeigt: Dieses Orchester kann derzeit wirklich alles auf höchsten Niveau spielen.

Die Old American Songs, aus denen Über-Bariton Thomas Hampson eine Auswahl von sechs Liedern plus zwei Zugaben präsentiert, liegen eher auf der Linie des Gewandhausorchesters. Dennoch gerät es hier und da ein wenig ins Schwimmen angesichts der Freiheiten, die Hampson sich nimmt – nehmen muss. Aber spätestens bei der geheimnisvoll galligen Marine-Ballade „The Golden Willow Tree“ sitzen Stimme und Orchester aufeinander, lässt Nelsons immer wieder jene klanglichen, harmonischen, illustrativen Widerhaken aus dem Orchester herausragen, mit denen Copland aus schlichten Strophenliedern vielfarbig schillernde Poeme machte. Auch hier gilt: Besser kann man diese Musik nicht singen. Jedem einzelnen Lied gibt Hampson zwischen zarter Poesie und derbem Witz einen eigenen Ton mit, scheut dabei auch den rustikalen Effekt nicht, bleibt aber der Schönheit seiner einzigartigen Stimme verpflichtet. Angesichts dieser vollendeten (Orchester-)Lied-Kunst wogen zur Pause die Bravos in Wellen durch den Saal.

Die Ränder dieses Großen Concerts sind großformatig: am Anfang steht Igor Strawinskys (1882–1971) 1930 im Auftrag des Boston Symphony Orchestra komponierte Psalmen-Sinfonie. Die lateinischen Texte hat Strawinsky nicht im eigentlichen Sinne vertont, sondern gleichsam objektiv in Marmor geschlagen. Nelsons und das Gewandhausorchester, vor allem aber der von Gregor Meyer exzellent präparierte Gewandhauschor, gießen sie sozusagen in Bronze, indem sie gerade so viel Sinnlichkeit zulassen, dass der Charakter dieses Meisterwerks nicht gefährdet wird.

Am Ende des Konzertes sieht es ähnlich aus, aber um einige Etagen versetzt: Bei Leonard Bernsteins (1918–1990) Sinfonischen Tänzen aus der „West Side Story“ lässt Nelsons gerade so viel Sinnlichkeit zu, dass dieses Meisterwerk noch nicht im Breitwand-Effekt versinkt. Und hier, an der Grenze des Schicklichen , bleibt kein Auge trocken. Ein Showstück – aber beseelt und Funken schlagend virtuos gespielt von einem Orchester, das mit diesem Repertoire und seinem neuen Chef die Sterne vom Himmel zu musizieren imstande ist.

Am kommenden Freitag und Samstag, 29. und 30. Juni, jeweils 20 Uhr, beenden Andris Nelsons und das Gewandhausorchester ihre erste gemeinsame Saison mit Musik von Gershwin, Ravel und John Williams im Rosental. Der Eintritt ist frei.

Von Peter Korfmacher

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