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Kultur Regional Astronauten aus Glas und ironische Heldenbecher: Leipziger Grassimesse beginnt
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16:18 24.10.2019
Etwas andere Kuckucksuhren von Guido Zimmermann Quelle: André Kempner
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Leipzig

Museumsdirektor Olaf Thormann ist sichtlich zufrieden mit dieser Ausgabe der Grassimesse. Sie findet im 99. Jahr nach der Gründung statt, ist allerdings nicht die 99. Messe, über Jahrzehnte gab es sie nicht. Doch nun ist sie ein fester Platz im internationalen Kalender für Kunsthandwerk und Design. Als „ziemlich beglückend“ empfindet Thormann die diesjährige Auswahl von rund 120 Gestaltern aus 14 Ländern. Er betont, dass man sich bei dieser Messe, die zumindest für den Veranstalter keinen kommerziellen Charakter hat, den Luxus des Filterns leisten könne. Die Qualität steht an erster Stelle.

Die Grassimesse wird am Donnerstag (24.10.) um 19 Uhr im Museum für Angewandte Kunst in Leipzig eröffnet. Bis Sonntag präsentieren rund 120 Aussteller aus ganz Europa ihre Arbeiten aus den Bereichen Mode, Schmuck, Keramik, Möbel und Spielzeug. Hier die ersten Bilder von der Verkaufsausstellung.

Dieser Anspruch schlägt sich natürlich zunächst in solidem und aufwändigem Handwerk mit edlen Materialien nieder. Viele Aussteller kennt man schon aus den Vorjahren, darunter nicht wenige frühere Preisträger.

Besuch aus Paris

Dazu gehören die fünf Frauen, die vom Freundeskreis des Museums unter dem Titel „Grassi for Friends“ auserwählt wurden, beim ähnlich ausgerichteten, doch deutlich voluminöseren Salon Révélations im Pariser Grand Palais sächsische Gestaltung zu zeigen, speziell Schmuck, Keramik und Papierkunst. Die Chefin dieser Großveranstaltung revanchiert sich nun mit einem Besuch in Leipzig.

Wollte Kuratorin Sabine Epple im Vorjahr noch die Glaskunst unter Artenschutz stellen lassen, so kann sie sich jetzt über mehrere hochwertige Positionen aus diesem Bereich freuen. Dazu gehört Carl Bens, der noch Meisterschüler an der Hallenser Burg ist. Seine Astronauten aus transparentem bis milchigweißem Glas mögen skurril wirken, sind aber technische Meisterleistungen. Gleiches gilt für die Tiere oder abstrakten Würfel mit feinen Strukturen im Inneren – sein Formenspektrum ist weit gefasst.

Kinetische Steampunk-Objekte

Es ist bei der Messe zur Norm geworden, dass man neben den schon vom Materialwert her als Geldanlage geeigneten Stücken für die gutbürgerliche Kollektion oder als Preziosen für den Opernball geeigneten Geschmeiden auch originelle, seltsame und flippige Ideen zu sehen bekommt. Schon bekannt, doch jedes Jahr anders sind die kinetischen Steampunk-Objekte der Hamburgerin Birgit Borstelmann. Noch etwas schräger kommen die Kuckucksuhren von Guido Zimmermann aus Frankfurt am Main daher, erstmals hier zu sehen. Als Vorlage dienen Plattenbauten verschiedener Städte oder ein verkommenes Hotel in Bulgarien. Bettina Kletzsch aus Dresden verwendet Überreste der Firma Pouch, die in der DDR Zelte herstellte, für ihre Taschenkreationen. Ebenso eigenwillig sind aber die Vorlagen ihrer mit Siebdruck veredelten Socken, nämlich Bärchenwurst, Kochschinken oder Scheibenkäse.

Einen unkonventionellen Umgang mit der Mythologie betreibt Carsten Theumer mit seinen Heldenbechern. Schon das Material Aluminium widerspricht dem vorgeblich kultischen Charakter. Doch auch die Einbeziehung von Schrottteilen, unter anderem von Waschmaschinen, konterkariert die Verwendung für fragwürdige Anpreisungen kriegerischer Taten.

Gartengeräte und Schmuck

Angela Schönwalds Geräte für die Gartenarbeit – außergewöhnlich für solch eine Messe – erregten im Vorjahr Aufsehen. Jetzt werden sie in der Pfeilerhalle direkt mit Schmuckgegenständen Silke Trekels konfrontiert, die aus Titanstreifen geformt wurden. Es funktioniert. Gebrauchswert und Schönheit sind keine Widersprüche.

Selbstverständlich gibt es auch in diesem Jahr wieder besondere Ausstellungsteile neben der offiziellen Juryauswahl. Schon im Eingangsbereich fühlen sich die Besucher durch einen Fahnenwald fast wie beim Parteitag der KP Chinas. Doch die Präsentationen des diesjährigen Gastlandes sind ziemlich unpolitisch, zumal auch eine für fernöstliche Delikatessen bekannte Plagwitzer Gaststätte eine Rolle spielt. Während diese keine Probleme mit dem Transport hatte, wurde eine aus Shanghai kommende Kiste erst am Tag der Eröffnung vom Zoll freigegeben. Das war dann auch für die Messechefin Sabine Epple ziemlich beglückend.

Fünf Hochschulen dabei

Tradition hat schon die Vorstellung von Hochschulen. Diesmal sind es gleich fünf – Burg Giebichenstein Halle, Schneeberg, Berlin-Weißensee, Hildesheim und Nürnberg, die jeweils mit spezifischen Projekten dabei sind. Die Hallenser beispielsweise beschäftigen sich unter dem Titel „Vom Stapeln und Stecken“ mit Spielzeug.

Und schließlich steht inmitten der ehrwürdigen Pfeilerhalle die zunächst skurril anmutende Sonderschau „WERT / voll“. 20 Gestalter aus aller Welt zeigen hier Arbeiten, bei denen Müll oder Abfallprodukte zu attraktiven Schmuckstücken umgestaltet wurden.

Grassimesse Leipzig 2019 im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Johannisplatz 5-11, Fr und Sa 10-19 Uhr, So 10-18 Uhr

Von Jens Kassner

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