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Kultur Regional Leipziger Buchmesse: Aufbruch statt Krise
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21:34 20.03.2019
Eröffnungs-Pressekonferenz zur Leipziger Buchmesse mit Alexander Skipis, Skadi Jennicke, Oliver Zille und Martin Buhl-Wagner (v.l.). Quelle: André Kempner
Leipzig

Es hagelte gute Nachrichten am Mittwoch zur Eröffnungspressekonferenz der Leipziger Buchmesse: mehr Umsatz im Buchhandel, mehr Internationalität, ein so glückliches wie sich professionell präsentierendes Gastland Tschechien, ein vielversprechender neuer Themen-Schwerpunkt – und sehr wahrscheinlich kein Wintereinbruch wie im vergangenen März. Deshalb rechnet Buchmessedirektor Oliver Zille mit rund 280 000 Besuchern – etwa so vielen wie 2017.

Die besten Nachrichten hat Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Nach massiven Verlusten konnte er verkünden: „Die Buchbranche ist nicht in der Krise, sondern im Aufbruch.“ Denn die Zahl der Käufer sei erstmals seit 2012 wieder gestiegen, 2018 hätten 300 000 Menschen mehr als im Vorjahr ein Buch gekauft, was einem Zuwachs von 1 Prozent entspreche.

Diese Zahlen beziehen sich auf dem Publikumsmarkt, also ohne Schul- und Fachbücher. Nachdem der Buchhandel seinen Umsatz im Vergleich zu 2018 habe halten können, habe es Anfang 2019 sogar ein Plus von 4,5 Prozent gegeben, sei die Zahl der verkauften Bücher um 2 Prozent gestiegen.

Medienkompetenz

Dies sei, sagt Skipis, ein Ergebnis veränderter Ladenkonzepte, um die Kunden anders anzusprechen, sowie der Nutzung sozialer Medien zu verdanken. Genau jener Medien also, die die Käufer zunächst vom Buch weggebracht hätten. Das gehört dann wohl schon zur viel beschworenen Medienkompetenz, von der Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, sagt, es gehe darum, Medien als Ausdrucksform zu verstehen und damit so umzugehen, dass sie zur Ausdrucksform werden.

Dass Medienkompetenz auf Leseförderung aufbaut und von politischer Bildung nicht zu trennen ist, betonte Buchmessedirektor Oliver Zille am Mittwoch, nachdem Skipis den Umstand, dass ein Fünftel der Zehnjährigen nicht richtig lesen könne, als „gesellschaftliche Katastrophe“ bezeichnet hatte. Sie könnten so „nicht mehr am Meinungsbildungsprozess teilnehmen können“. Mit digitaler Technik allein ist es eben nicht getan.

Im Projekt „Democracy Slam“, das seine zweite Auflage erlebt, „reden normale Schüler aus normalen Schulen über gesellschaftliche Realitäten“. Der „Democracy Slam“ ist ebenso eine Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung wie der neue Schwerpunkt „The Years of Change 1989–1991. Mittel-, Ost- und Südosteuropa 30 Jahre danach“. Hier geht es um das Sichtbarmachen eines politischen Erbes, das bis heute wirkt.

Preis für Masha Gessen

Überhaupt wird die Bedeutung der „Sichtbarkeit“ von Literatur und Autoren immer wieder hervorgehoben, sei es die der 70 Neuerscheinungen aus dem Gastland Tschechien oder die der 350 Aussteller auf der Manga-Comic-Con. Dort waren es 2018 noch 327. Auf der 25. Antiquariatsmesse sind es 50 statt 40, während die Zahl der Aussteller insgesamt von 2635 zurückgegangen ist auf 2547. Dafür sind Kanada und das Kosovo erstmals mit eigenen Länderpräsentationen vertreten.

Zu den schlechten Nachrichten, die es auch gibt, gehören die Einschränkungen der Meinungs- und Publikationsfreiheit in zahlreichen Ländern und die Insolvenz des Buchlogistikers KNV zum Jahresbeginn. Hier betont Skipis, dass die Insolvenz nichts mit dem Markt zu tun habe, sondern unternehmerische Ursachen, er sei aber „sehr optimistisch, dass die Probleme gelöst werden und das Unternehmen weitergeführt wird“.

Bevor die Buchmesse für vier Tage ihre Türen öffnet, wurde am Mittwoch Abend im Gewandhaus der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen – an die russisch-US-amerikanische Publizistin Masha Gessen für ihr Buch „Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor“. Darin schreibt sie über Menschen, die sich nicht abfinden wollen mit der Politik von Kremlchef Wladimir Putin. Sie selbst ist zwei Mal emigriert.

„Bis der Teufel uns scheidet“

Gessen beschreibe die Entwicklungen in Russland als Angriff auf Bürger- und Menschenrechte, sagt Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Der Verständigungs-Preis wird von der Stadt, dem Freistaat Sachsen, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Leipziger Messe vergeben.

Bis der Teufel uns scheidet.25 Jahre Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. C.H.Beck; 208 Seiten, 15 Euro Quelle: C.H.Beck

„Dass er notwendig ist, erschließt sich auch in diesem Jahr sehr deutlich“, so Jennicke. Wobei sich in 25 Jahren die Perspektive geweitet habe von der vordringlich osteuropäischen zu einer gesamteuropäischen, „wenn nicht gar weltweiten“. Zum Jubiläum ist im C.H. Beck Verlag das Buch „Bis der Teufel uns scheidet“ erschienen, darin schauen 13 Preisträger mit dem Blick von heute auf ihre Reden von damals.

Am Donnerstag öffnen Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con für vier Tage ihre Türen, 2547 Aussteller aus 46 Ländern präsentieren ihre Novitäten. Vor einem Jahr waren es 2635 Aussteller aus 46 Ländern. Parallel dazu hat das LesefestLeipzig liest“ mit 3400 Mitwirkenden begonnen, die in 3600 Veranstaltungen an über 500 Orten auf dem Leipziger Messegelände sowie in Leipzig und Umgebung auftreten. Gut 50 Autoren sind in der LVZ-Autorenarena auf dem Messegelände zu Gast, die von Angela Krauß eröffnet wird, auch in der LVZ-Kuppelhalle wird gelesen.

Von Janina Fleischer

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