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Kultur Regional Aufwendig und berechenbar: Schiller auf Jubiläumstour in der Arena Leipzig
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17:29 10.05.2019
Warme Worte und Hand auf’s Herz: Christopher von Deylen inmitten all der Technik, mit der er seine Klangwelten erschafft. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Es werde Licht! Und es ward: Grell. Weiß, und kalt strahlt es von der Bühne, als Schiller und seine Tourband sie pünktlich betreten. Zuvor wabern sphärische Klänge schon unaufdringlich von da, während das Publikum Platz nimmt. Einlassmusik zum Sitzkonzert.

Der Innenraum der Arena Leipzig ist für den Donnerstagabend bestuhlt. Knapp 3000 Karten sind verkauft. Was auffällt, ist der hohe Altersdurchschnitt: In den 20 Jahren, die Christopher von Deylen als Schiller auftritt, hat er sich offensichtlich ein treues Publikum erarbeitet.

Der mitunter aufgekratzte Hedonismus, der elektronische Musik Anfang der 90er oft begleitete, war 1998 schon abgeflaut: Schiller stand für raumfüllenden, chilligen Ambient-Elektro-Pop, der auch heute noch zu gefallen weiß.

20-jähriges Jubiläum mit Tour gefeiert

Nach 20 Jahren blendet er das Publikum zu Anfang nicht nur mit dem grellen weißen Licht, sondern auch einem unvermittelt harten Auftritt. Die Band, die ihn live begleitet, spielt laut, energisch, was ein schöner Kontrast zu den Platten ist. Statt der eher zurückgenommenen Aufnahmen haben die Stücke auf der Bühne etwas Dringlicheres, Drängendes. „I Will Follow You“ hätte mit den harten Synthies, die tatsächlich etwas Verfolgendes erzeugen, so auch gut auf den „Blade Runner“-Score oder zu „It Follows“ gepasst.

Auch der Bühnenaufbau erinnert entfernt an die Ästhetik der 80er: Sängerinnen, die auf Plattformen seitlich im Hintergrund tanzen, und Gary Wallis, der an seinem gigantischen Schlagzeug unter der „Donner-Arenen-Kuppel“ in der Bühnenmitte steht.

Statt auf ein Leuchtdiodenspektakel oder Video- und Bildschirmgeflimmer vertraut das Konzert unter dem Motto „Es werde Licht“ ganz altmodisch auf die Strahlkraft einer – zugegeben – nicht unerheblichen Zahl von Spots und Lasern. Das wirkt wie bewusster Verzicht, die Beschränkung auf nicht zu viel blinkende Ablenkung und hält die Bühne frei für die Band.

Mit Foucault in die Elektrobar

Deylen hat sie im Blick, spielt mit ihr, ist Teil davon, während er die Tasten im Rondell von Instrumenten und Synthesizern um sich herum bedient.

Entgegen dem Abendmotto gibt er nicht den alttestamentarischen Hohepriester, sondern wirkt durch die Frisur und den schwarzen Rundpulli unter dem dünnen Anzug eher wie ein Akademiker: eine Art Foucault an den Tasten, der multitaskingfähig wie ein Barista durch die Elektro-Espressobar wirbelt. Dabei gibt er sich fast ein wenig zu bescheiden. Die wenigen Worte, die er ans Publikum richtet, kommen in warmem Ton.

Neben opulenten Sound bot Schiller in der Arena eine aufwendige Lichtshow. Quelle: André Kempner

Bombastsound im Scheinwerfergewitter

Dieses Zurückgenommene bildet einen Kontrast zu weiten Teilen des Abends. Der hat seine besten Momente, wenn es Schiller und seinen Mitmusikern gelingt, ihre Klangteppiche zu Bombast zu schichten. Eine Wand aus Sound, die dann im Sturmgewitter der farbigen Lichter über das Publikum hereinbricht.

Das gelingt mehr als einmal, daneben mischen sich aber auch die Momente, in denen man sich fragt: Hatten wir das nicht schon einmal? Die Krux von Stücken, bei denen hintereinander gespielt auffällt, dass sich ihr Schema wiederholt. Wo sich durch repetierende Rhythmen etwas aufbaut, nach vorn treibt und dabei wabert und weiter wandert und dann durchbrochen wird: Das wiederholt sich und ermüdet irgendwann.

Ein Konzert ganz nach Plan

Aber vielleicht ist auch das in die Show einkalkuliert, die nach knapp zwei Stunden wie nach Plan endet. Deylen hat dafür sein Tastenrund verlassen, alle sind nach vorne gekommen und musizieren ein Stück gemeinsam – an Trommeln.

„Danke für die Zeit, die ihr uns geschenkt habt“, sagt von Deylen bescheiden. Er dankt der Crew, die die Technik aufgebaut hat, jetzt wieder abbaut und morgen schon wieder aufbaut. „Schiller!“, schreit ein Fan. Das letzte Stück ist dann keine Zugabe, sondern führt zum Ausgang. Alles glatt, alles nach Plan.

Von Manuel Niemann

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