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Kultur Regional „Bach meets Vivaldi“ mit Violinkonzerten im Original und für die Orgel bearbeitet
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Bach meets Vivaldi“ mit Violinkonzerten im Original und für die Orgel bearbeitet
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14:53 18.06.2019
Das La Cetra Barockorchester aus Basel nimmt auf der Empore der Thomaskirche den tosenden Jubel des Publikums entgegen. Quelle: Gert Mothes/Bach-Archiv
Leipzig

Neben dem Motto vom „Hof-Compositeur“ durchziehen allerlei Wettstreite das Programm des Bachfestes: Am Sonntagabend musizierten Ton Koopman und Andreas Staier den zwischen Bach und Marchand nach, den es wahrscheinlich nie gab; am Montag ließen sich Solisten und La Folia Barockorchester beim „Wettstreite der Götter“ so unbotmäßig viel Zeit, dass viele Besucher es nicht mehr pünktlich in die Thomaskirche schafften zum bislang interessantesten Zweikampf des Festivals.

Problematik der Bearbeitung

Bach meets Vivaldi“ ist der knapp und bündig überschrieben. Er konfrontiert Antonio Vivaldis originale Konzerte mit Bachs kurz nach ihrer Veröffentlichung schon geschriebenen Orgelbearbeitungen. Und, da muss der geneigte Bachianer jetzt sehr tapfer sein: Der Weimarer Hoforganist, der Bach von 1708 bis 1717 war, sieht hier gegen den Roten Priester aus Venedig keinen Stich. Natürlich liegt das nicht daran, dass Vivaldi der bessere Komponist gewesen wäre. Es hängt mehr mit der grundsätzlichen Problematik der Bearbeitung zusammen – und mit den Interpreten.

Eine Art Anverwandlung

Dem jungen Bach war es gewiss nicht darum zu tun, die Werke für Soloinstrumente nebst Streichern und Continuo eins zu eins auf die Orgel zu übertragen, sondern eher um eine Art Anverwandlung: Er bewunderte die Musik des italienischen Kollegen, und auf dem Wege der Bearbeitung machte er sie sich zu eigen. Mit Folgen, die in seinem weiteren Schaffen hörbar bleiben, von den Cembalo-Konzerten über die Brandenburgischen bis noch in die Passionen hinein.

Einer der besten Organisten seiner Zeit

Natürlich ist das Ergebnis seiner Bemühungen, schließlich war Bach einer der besten Organisten seiner Zeit, hochvirtuose, prachtvolle, die Grenzen des Möglichen neu vermessende Orgelmusik. Und Jörg Halubek lässt an der Bach-Orgel auf der Nordempore der Thomaskirche auch nichts anbrennen. Für sich betrachtet klingt das alles fabelhaft. Nicht nur die noch am ehesten nach Bach geratene Fuga im d-moll-Konzert BWV 596. Hier entwickeln auch die Figurationen der Vivaldi-Vorlage für 2 Violinen, Cello, Streicher und Basso continuo aus der Sammlung „Estro armonico“ ihren hypnotisch minimalistischen Zauber.

Flinke Finger und Füße

Halubek phrasiert geschmackvoll, er registriert apart und verfügt als Bachpreisträger des Jahres 2004 selbstredend über hinreichend flinke Finger und Füße für die technischen Grenzgänge des Johann Sebastian Bach. Aber auch in diesem Werk fällt auf, dass er in den schnellen Sätzen nicht nur vor beinahe jedem Bewegungswechsel innehält und dann minimal das Tempo wechselt, was der Musik die Magie ihrer unwiderstehlichen Motorik raubt. Es fehlt seinem Spiel überdies das Menschliche, das Lebendige, das überschäumend Lebensfrohe, mit dem das Baseler La Cetra Barockorchester unter der Leitung Andrea Marcons und um Konzertmeisterin Chouchane Siranossian an der ersten Solo-Violine dieses Bachfest-Konzert zum barocken Großereignis machen.

Osmanische Rhapsodie

Sie beginnen den Abend in der proppenvollen und stickig heißen Kirche mit Vivaldis schillerndem D-Dur-Konzert, das den schönen Beinamen „Grosso Mogul“ trägt. Bereits die ersten Skalenläufe, die harmonischen Eintrübungen, die gellenden Dissonanzen, von der sensationellen Siranossian im Ton einer Art Osmanischen Rhapsodie auf dem noch weiten Weg über Paganini zu Sarasate vorgetragen, lassen die Orgel chancenlos erscheinen.

Feier des Daseins

Siranossians erzählerische Freiheit, ihre immense Virtuosität, die Präzision, mit der sie über alle vermeintlichen Einschränkungen ihrer Darmsaiten funkelnd hinwegmusiziert, ihr Spaß am eigenen Können und dem Vivaldis, das alles fließt und singt und lächelt, findet zusammen zur Feier des Daseins. Dabei wird sie sicher getragen vom grandiosen La Cetra Barockorchester, dem Andrea Marcon mit offensichtlichem Spaß an der Arbeit am Cembalo stehend gehörig einheizt.

Erste unter Gleichen

Ja, Siranossian ist eine atemberaubend gute Barockgeigerin. Doch im La-Cetra-Umfeld ist sie Erste unter Gleichen. Das gilt für die anderen Solisten des Abends, für Katharina Heutjer, Claudio Rado an den Geigen und Jonathan Pešek am Cello. Und es gilt ebenso für die La-Cetra-Mitglieder, die diesmal nicht zu solistischen Ehren kommen. Ganz im Sinne des Ensemble-Namens, der „Zither“ bedeutet, spielt dieses Barockorchester mit einer Präzision, als bediene da einer nur die Saiten. Dabei bleibt der Ton individuell – und die Freude am eigenen Tun beseelt noch den letzten Winkel von Vivaldis herrlicher Musik, die nach drei Bach-Bearbeitungs-Paaren mit dem üppigen h-moll-Konzert für 4 Violinen, Streicher und Basso continuo das letzte Wort behält in diesem großartigen Konzert, das überdies auf dem Umweg über Vivaldi viel erzählt über den jungen Bach. Verzückter Jubel.

Von Peter Korfmacher

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