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Kultur Regional Traumsymbolik mit der Gießkanne: „Dornröschen“ in der Oper Leipzig
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17:58 01.12.2019
„Dornröschen“ in der Choreografie des Belgiers Jeroen Verbruggen in der Oper Leipzig. Quelle: Leipzigreport
Leipzig

Nach den Neuinszenierungen von „Schwanensee“ und „Nussknacker“ fehlte nur noch „Dornröschen“, um die Trias der drei großen Märchenballette Peter Tschaikowskis komplett zu machen. Am Freitag nun war es soweit. In der Leipziger Oper öffnete sich der Premierenvorhang für eine Neuinterpretation des 1890 uraufgeführten Werkes, dessen sich jetzt der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen gleich eines Rosengärtners angenommen hat. An Tschaikowskis blumig plusterndem Zierstrauch schnippelte er dabei auch mit der psychoanalytisch geschärften Heckenschere.

Alles im Schlaf, wie im Traum

Was wohl dem Bedürfnis entsprang, die Interpretations-Blickachse hinab in die Seelentiefen eines Mädchens zu öffnen, das an der Schwelle zum Erwachsensein steht. Und so geht es in diesem „Dornröschen“ um erwachende Sexualität, eine garstige Mutter, den Verlust der Unschuld und die Wunden, die Liebe und Begehren schlagen. Und weil das alles quasi wie im Schlaf, im Traum, geschieht, gibt es dann eben auch noch allerlei Traumsymbolisches.

Etwa diese Gießkanne, mit der irgendwann der Prinz zum dornenwunden Dornröschen-Prinzesschen tanzt: „Doch der Prinz kann ihre Wunde heilen und mit dem Wasser seiner Gießkanne eine neue Blüte wachsen lassen“, heißt es dazu im Programmheft. Und selbstredend ist die Tülle dieser Gießkanne so markant lang und wohlgeformt, um auch Dornröschen erfreulich aufzufallen. Was in Anbetracht des Umstandes, dass die Inszenierung für Kinder ab acht Jahre gedacht ist, jetzt aber mal nicht weiter vertieft sei.

Keine Sorge: Gewalzert wird genug

Gut vorbereiten muss man jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer gleichwohl. Schlicht, weil Verbruggen die klassische Handlung in ein assoziativ-surreales Traumgeschehen transformiert. Und dabei die Szenen-Chronologie ähnlich frei handhabt wie die Straffung der Musik. Keine Sorge: Gewalzert wird genug und vom Gewandhausorchester unter der Leitung Felix Benders auch mit all dem schmachtenden Verve und Tschingderassabum versehen, was Tschaikowski so hergibt. Hört sich gut an, was da aus dem Orchestergraben kommt – aber wie schaut aus, was dazu auf der Bühne passiert?

„Dornröschen“ in der Choreografie des Belgiers Jeroen Verbruggen in der Oper Leipzig. Quelle: Leipzigreport

Die ist erst Matratzengruft, in der der königliche Hofstaat gleich längsgestreiften Betthupferln mit Kissenköpfen hupft (Bühne: Chiara Stephenson, Kostüme: Charlie Le Mindu). Später wechselt die Anmutung zum kahlen, dafür überdimensionierten Rosenspalier oder scheibenlosen Gewächshaus, während vorm darin platzierten, weit ausladenden Himmelsbett Gestalten tanzen, deren Köpfe wiederum üppig mit rotem Tüll umwirkt sind. Klar, das sind blühende Rosenknospen – die aber allein ob ihrer Größe dann doch auch dezent an Rotkohlköpfe erinnern. Was dem poetischen Stimmungsbild ein klitzeklein wenig die Stimmung nimmt.

Sportiver Prinz

Tänzerisch geht dieses „Dornröschen“ solide über die Bühne. Lou Thabert ist nicht nur ein gärtnernder, sondern auch sportiver Prinz, der sich, hat er erst einmal die Gießkanne abgestellt, mit einem Solo von schon akrobatischer Qualität vorstellt. Passend dazu klettert er später mit der für eine Schlafwandlerin ja auch recht munteren Prinzessin (Madoka Ishikawa) an der Himmelsbettumrahmung herum. Eine Szene, die tatsächlich glatt so etwas wie kindlich-teenagerhaften Übermut verströmt.

Vielleicht kann man darunter auch noch die obskur zottlige Truppe an Wolverine-Wolf-Klonen abheften, die, so rein traumanalytisch gesprochen, die ja ebenfalls recht haarige Angelegenheit männlicher Sexualität symbolisieren dürften. Allen voran Carl von Godtsenhoven als „Wolf Alpha“ (doch, heißt so!), der gleich seinen Artgenossen mit kuschligem Buschelschwanz und virilen Bewegungen tierhaft gefährliche Schatten auf die junge Mädchenblüte im Rosenspalier wirft.

Fang Yi Liu gibt die Königin als Furie

Geworfen wird dort auch gern mit der Königin. Fang Yi Liu gibt die als Furie, die immer wieder mal von einem Tänzer-Grüppchen zum nächsten fliegen muss. Was sie erduldet, ohne ihre Grandezza zu verlieren. Respekt! Zumal die Choreografie der armen Frau dann bald auch noch eine ganze Heerschar von Dornröschen-Klonen zumutet. Warum? Naja, die drei Feen, die immer wieder anmutig durchs Geschehen trippeln, werden es wissen. So wie es Traumdeuter deuten können.

Mit „Once Upon A Dream“ ist dieses „Dornröschen“ untertitelt. Was sich fraglos niederschlägt im programmatischen Ansatz der Inszenierung. Die indes selbst eher kein Traum, sondern, formal wie inhaltlich, von sehr diesseitiger Solidität ist. Oder, um es mal wieder mit Shakespeare zu sagen: „Mädchen sind wie Rosen: kaum entfaltet, / ist ihre holde Blüte schon veraltet.“ Gilt auch fürs Neue an dieser Neuinterpretation.

Von Steffen Georgi

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