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Kultur Regional Beweisaufnahme: Instagram und das kulturelle Zeugnis der Anwesenheit
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18:31 16.02.2020
Die Bilderreihe „Study of Perspective“ von Ai Weiwei in der Kunsthalle Emden, wo die Ausstellung „Sight Seeing. Die Welt als Attraktion“ auch jede Menge Instagram-Fotos zeigt. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Leipzig

Es wird passieren. Bei der Vollbremsung eines ICE zwischen Hamburg und Berlin wird ein Geschäftsreisender Kaffee ins Internet schütten und es löschen. Dann ist alles weg. Nicht nur die Anschluss-Verbindung, sondern alle Fotos, die alle Menschen jemals irgendwo in irgendeiner digitalen Wolke gespeichert haben.

Was klingt wie eine Katastrophe, würden viele gar nicht bemerken. Denn anders als in Zeiten, in denen Foto-Abzüge einen Weg ins Album der Ewigkeit fanden, dienen mobil erstellte Pixelhaufen nur der Beweisaufnahme, deren Moment sie dokumentieren.

Wiedererkennung bringt Anerkennung

Dem Vergessen voraus geht das Zeigen: auf Personen („Hier, unser Baby!“), Ereignisse („Da, meine Bikini-Figur!“) und Zeugenschaft („Schau, auf meinem Teller ist Essen!“). In der Kunsthalle Emden ist nun eine Ausstellung zu sehen, die „Sight Seeing. Die Welt als Attraktion“ heißt und auch Werke von William Turner oder Andy Warhol zeigt, darüber hinaus aber Fotos, die auf Instagram geteilt wurden.

„Es gibt Instagrammer, die Bilder von anderen Instagrammern sammeln, um zu zeigen, dass die dieselben Orte auf der Welt in derselben Art und Weise zeigen“, erzählt Kurator Stefan Borchardt und staunt nicht schlecht über diese Zeigefreude: „Es explodiert die Anzahl der Bilder, aber die Bilder sehen ganz ähnlich aus.“ Im Zentrum stehe der Wiedererkennungswert, denn beim Sightseeing gehe es „schließlich um soziale Anerkennung“.

Das zeigt, dass Instagram als eine Art Resozialisierungsprogramm die Besichtigung kultureller Zeugnisse selbst zum kulturellen Zeugnis macht. Für den kurzen Moment vor dem Vergessen.

Von Janina Fleischer

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