Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Blue Man Group in Leipzig: Blaue Wunder und Marshmallow-Matsch
Nachrichten Kultur Kultur Regional Blue Man Group in Leipzig: Blaue Wunder und Marshmallow-Matsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 05.04.2019
Ausgespuckte Marshmallows beim Gastspiel der Blue Man Group in der Arena Leipzig
Ausgespuckte Marshmallows beim Gastspiel der Blue Man Group in der Arena Leipzig Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Er hat keine Ohren, keine Augenbrauen und keine Haare. Die Augen sind weit aufgerissen, ansonsten wirkt das blaue Gesicht wie erstarrt. Ihm gegenüber steht, wie sein Spiegelbild, ein weiterer blauer Mann, und wirft Marshmallows. Nummer eins fängt sie bemerkenswert präzise mit dem Mund. Bei den ersten fünf Schaumzuckerstückchen klatschen die Zuschauer noch. Nach dem 15. Treffer starren sie nur noch fassungslos. Wie viel passt dort bloß hinein?

Die Blue Man Group, die noch bis morgen in Leipzig gastiert, spielt gerne mit Unmöglichkeiten und Überraschungseffekten. Dabei wirken die drei blau maskierten Schauspieler auf so rührende Weise von sich selbst erstaunt und sozial unbeholfen, dass sie die 2000 Zuschauer, die zur ersten Aufführung am Donnerstag in die Arena Leipzig gekommen sind, gleich für sich einnehmen. Vom ersten Moment an wird das Publikum einbezogen. Der Marshmallow-Matsch etwa wird auf ein Bild gespuckt und feierlich verschenkt. Andere Szenen erfordern die aktive Teilnahme einzelner Gäste: Eine junge Frau wird zum gemeinsamen Essen auf die Bühne gebeten und von den Blue Man schüchtern umgarnt.

Spiele mit Licht und Schatten

Weniger vorsichtig ist der Umgang mit einem Freiwilligen aus der ersten Reihe. Der Mann wird in einen Kittel und einen verdunkelten Motorradhelm gesteckt und blind in den Backstagebereich geführt, wo er mit blauer und pinker Farbe bespritzt, gefesselt, an den Füßen nach oben gezogen und mit Schwung gegen eine Leinwand geschupst wird. Zugegeben: Dieser Grad an Interaktivität ist nicht für jeden was. Immerhin darf er das entstandene Bild mitnehmen, als er von der Bühne wankt. Während der ganzen Zeit bleiben die Blue Man stumm. Ihre Geschichten erzählen sie als Pantomime mit ihren Körpern und Augen sowie über Klänge und Lichteffekte. Bewegungsabläufe, Bühnenbeleuchtung und Hintergrundanimationen gehen so nahtlos ineinander über, dass sie als Einheit funktionieren und kaum mehr auseinanderzuhalten sind.

Dabei wirken die Blue Man fast schlicht in ihren schwarzen Anzügen – denn um sie herum wird es psychedelisch bunt. Da wird Farbe auf Trommeln gegossen und mit jedem Schlag in die Höhe gespritzt, da werden Süßigkeiten geworfen und Lichtblitze in den Saal reflektiert. Zur Unterstützung der drei Schauspieler ist eine vierköpfige Band dabei, die dank Neonbemalung manchmal im Hintergrund aufblitzt. Die Blue Man geben auf selbsterfundenen Röhren-Instrumenten den Rhythmus vor und nehmen dabei die Zuschauer mit, die bereitwillig klatschen und jubeln. Nur der eingesprochenen Anweisung „jetzt bitte die Füße hinter den Kopf“ kommt niemand nach.

Gegen Ende wird die Arena dann zum großen Spielplatz. Die Leute rennen in die Gänge, als riesige Ballons und Mengen an (recycelbaren) Luftschlangen in den Saal geschossen werden. Danach geht alles ganz schnell. Nach nur hundert Minuten und zwei schnellen Runden Applaus ist die Show vorbei und das Licht geht an. Die Zuschauer bleiben etwas verwirrt zurück.

Von Hanna Gerwig