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Kultur Regional Bremsen, wenn alles eilt: Endlich ein neues Album von Bohren & der Club of Gore
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14:13 16.02.2020
Seit 2016 zu dritt: Die Band Bohren & der Club of Gore. Quelle: Kim von Coels
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Leipzig

Gitarrentupfer am Beginn, dann der Bass, ein paar Orgelpunkte und mitten hinein eine Vollgrätsche der Tasten, dann beginnt das Saxofon zu singen. „Total falsch“ heißt kokett das erste Stück dieser achten Studioplatte von Bohren & der Club of Gore im dritten Jahrzehnt der Existenz dieser einzigartigen Band aus Mülheim an der Ruhr, die als die langsamste der Welt gilt.

Fünf Jahre haben sie ihre Gemeinde warten lassen, und damit die Zeit nicht gar zu lang wurde, haben sie im Jahr 2016 ein Best of-Doppelalbum herausgebracht unter dem schönen Titel „Bohren for Beginners“. Konnte ja sein, dass tatsächlich damit manche erst angefangen haben, den Bohrenkosmos entschleunigter Klänge zu entdecken.

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Jeder Ton hat Gewicht

„Patchouli Blue“ heißt das neue einstündige Opus der Herren, bei dem sie wieder alles richtig machen. Wenn alle eilen, dann bremsen sie auf ihren Exkursionen, die wie mitternächtliche Fahrten durch eine ausgestorbene Stadt sind.

Jeder Ton hat Gewicht, alles ist sensibel austariert und voller Sorgfalt mit aller Zeit der Welt arrangiert. Wo andere die Töne häufen, lassen sie das Überflüssige weg, um zu den Essenzen zu gelangen. Weniger ist mehr, und der schöne Augenblick soll ruhig verweilen. Bohren sind wie ein Gegengewicht zum Höher-Schneller-Weiter dieser Tage.

Elf Stückperlen sind es diesmal, die sie auf ihre Schnur fädeln. Und es könnte immer weitergehen in dieser Kontinuität, mit der sie die Höhe halten. Es braucht Sorgfalt, Geschmack und Selbstvertrauen, in solcher Konsequenz zu arbeiten.

Zeittunnel zu den 80ern

Mit Schwermut, Ausgewogenheit und auch mindestens einer Spur Ironie navigieren sie durch ihre schwarzen Atmosphären, die aufeinander aufbauen und auseinander hervorgehen. Man kann die Töne zählen, die sich so einprägsam addieren mit viel Luft und Raum dazwischen.

Vielleicht verweist das titelgebende Patchouli tatsächlich auf indische Meditationstechniken, womöglich führt hier auch ein Zeittunnel zurück ans Ende der 80er Jahre, in denen sich die Band als Heavy-Metal-Unternehmen gründete.

Irgendwann haben sie die Seiten gewechselt. „Vergessen & Vorbei“ heißt eines der Stücke, „Glaub mir keine Wort“, „Deine Kusine“ und „Sollen es doch alle wissen“ andere auf dem ausgewogenen Weg hin zum Finale „Meine Welt ist schön“.

Es geht um ein Gefühl

Das ist sie wirklich, diese Welt mit ihren hingepunkteten Pianolinien, dem sonoren Kontrabass, den Mellotron- und Synthesizerschwaden ganz hinten am Horizont, dem gestreichelten Schlagzeug, dem entrückt flirrenden Vibrafon und dem in Slow Motion singenden Saxofon.

Bei den Konzerten ist das Licht gedimmt oder ganz ausgeschaltet. Es geht nicht um die Show, es geht um ein Gefühl, das umso besser trägt, je weniger abgelenkt man ist. Seit 2016 agiert die Band als Trio. Christoph Clöser spielt Saxofon, Vibrafon und Piano, Morten Gass Tasteninstrumente und Baritongitarre, Robin Rodenberg den Bass und jeder setzt sich bei Bedarf ans Schlagzeug.

Sie tun gut daran, auch auf „Patchouli Blue“ keine neuen Konzepte auszuprobieren. Wer seine Kunst so sehr zu einer Insel im Strom entwickelt hat, hat genug damit zu tun, das einmal Erreichte immer weiter zu verfeinern.

Bohren & der Club of Gore: Patchouli Blue. [PIAS; Spieldauer 59:28.

Von Ulrich Steinmetzger

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