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Kultur Regional Can Dündar und Gamze Kafar sprechen in Leipzig über die Lage in der Türkei
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19:57 10.12.2019
Campustalk der Medienstiftung der Sparkasse: Moderator Lutz Kinkel (Mitte) im Gespräch mit Can Dündar (r.) und Gamze Kafar Quelle: Christian Modla
Leipzig

Nach wie vor ist die Pressefreiheit in der Türkei massiv eingeschränkt. Besonders nach dem gescheiterten Putschversuch von 2016 haben Regierung und Justiz dem Journalismus mehr denn je den Kampf angesagt. Dutzende Journalisten sind zu teils langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden, viele haben das Land inzwischen verlassen. So auch Can Dündar und Gamze Kafar. Die türkischen Journalisten leben und arbeiten derzeit in Deutschland. Das Europäische Zentrum für Pressefreiheit (ECPMF) und die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig haben Dündar und Kafar am Montagabend zu einem Campustalk in die Villa Ida eingeladen. Mit Lutz Kinkel, Direktor des ECPMF, sprachen sie über die aktuelle Situation in der Türkei, ihre Erfahrungen als Journalisten dort und das Ankommen und Arbeiten in Deutschland.

Hoffnung auf Veränderung

Obwohl die Lage in der Türkei noch immer von politischer Willkür und massiven Bedrohungen für die Opposition geprägt ist, hat sich mit der Bürgermeisterwahl in Istanbul in diesem Jahr etwas verändert. „Erdogan ist seit 17 Jahren an der Macht und kontrolliert alles. Mit der Wahl wurde diese Macht zum ersten Mal in Frage gestellt“, sagt Can Dündar. Bei der Kommunalwahl im Juni 2019 setzte sich der Oppositionskandidat gegen die Regierungspartei AKP durch – eine schwere Niederlage für den türkischen Präsidenten, der in den 90er Jahren selbst Bürgermeister von Istanbul war. Auch Gamze Kafar erachtet das Wahlergebnis als starkes Symbol: „Es ist wichtig, dass die Menschen sehen, dass es Hoffnung auf Veränderung gibt.“

Ausreise nach Deutschland

Diese Hoffnung fiel in den vergangenen Jahren oft schwer. Can Dündar wurde 2016 als Chefredakteur der türkischen Tageszeitung „Cumhuriyet“ angeklagt, weil er über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an den IS berichtete. Mehrere Monate saß er in Untersuchungshaft. Im Juli 2016 konnte nach Deutschland ausreisen. Seine Frau wurde drei Jahre lang in der Türkei festgehalten, bis es ihr im Juni dieses Jahres gelang, illegal das Land zu verlassen.

Dündar erhielt ein Stipendium von „Reporter ohne Grenzen“, und leitet in Berlin das Projekt #Özgürüz („Wir sind frei“). Auch zu Leipzig hat er eine Verbindung: 2016 erhielt er hier den „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“, der von der Medienstiftung der Sparkasse verliehen wird und an die Tradition der Friedlichen Revolution erinnert.

Auch Gamze Kafar musste ihre türkische Heimat verlassen. Sie arbeitete dort für die kurdische, ausschließlich mit Frauen besetzte Nachrichtenagentur JINHA, die wegen kritischer Berichterstattung von der türkischen Regierung geschlossen wurde. Derzeit ist sie Stipendiatin des „Journalist-in-Residence“-Programms des ECPMF.

„Ein Krieg war absehbar“

Wie Can Dündar versucht sie mit ihrer journalistischen Arbeit immer wieder auf die Zustände in der Türkei aufmerksam zu machen – sowohl die Menschen in Deutschland als auch in der Türkei. Seit Oktober ist die türkische Militäroffensive in Nordsyrien ein großes Thema. Für Can Dündar ist diese eine Konsequenz der innenpolitischen Bedrängnis, in die Erdogan nach der Wahlniederlage in Istanbul geraten ist. „Ein Krieg war absehbar. Jedes autoritäre Regime braucht einen Krieg. Nach Verlust der letzten Kommunalwahlen braucht Erdogan einen Erfolg“, so Dündar. Er und Gaze Kafar kritisieren die deutschen Waffenlieferungen an die Türkei.

Eher Freiheitskämpfer als Journalist

Zwar sind die beiden Journalisten froh, in Deutschland Zuflucht gefunden zu haben, aber sicher fühlen sie sich auch hier nicht. Besonders in Berlin gibt es in der türkischen Community sehr viele Erdogan-Anhänger, die kritische Journalisten mit Terroristen gleichsetzen. Dündar erhält regelmäßig Morddrohungen. „Das ist ähnlich wie in der Türkei, also fühle ich mich wie zu Hause“, sagt er, und das Publikum lacht.

Die Hoffnung auf eine demokratische Entwicklung in der Türkei, darauf, dass im Land eines Tages wieder Meinungs- und Pressefreiheit herrschen, geben die Journalisten nicht auf. Can Dündar: „Ich will wieder zu meiner Profession zurückkehren, gerade sind wir notgedrungen eher Freiheitskämpfer als Journalisten.“

Von Lilly Günthner

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